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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Psychotherapie: Störungsspezifische Methoden

Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT)

Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) ist eine Spezialisierung der kognitiven Verhaltenstherapie, die vor allem zur Behandlung des komplexen Störungsbildes von Borderline-Patienten entwickelt wurde. Die DBT stellt die Störung der Affektregulation in den Mittelpunkt ihres Behandlungskonzeptes und versteht die Borderline-Symptomatik, z.b. auch die Selbstverletzungen, als Folge des Versuchs der Betroffenen, ihre schmerzhaften emotionalen Spannungszustände zu verringern. In der Therapie kommt es deshalb darauf an, die Notlage zu erkennen, in der es zu diesen nicht geglückten Bewältigungsversuchen gekommen ist. Bislang unkontrollierte Prozesse sollen sowohl für den Patienten als auch für den Therapeuten berechenbar werden. Außerdem sollen die Betroffenen erfolgreiche Bewältigungsstrategien erlernen und einüben, um mit ihren z. T. enormen Spannungszuständen besser klar zu kommen. Die DBT arbeitet darüber hinaus auch am negativen Selbstbild und interpersonellen Verhaltensmustern von Borderline-Patienten und integriert , abhängig von den Problemen und der Vorgeschichte des Patienten, Techniken der Traumatherapie.

Die DBT hat sich in vielen Studien als wirksam in der Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung erwiesen.

Das Cognitive Behavioral Analysis System for Psychotherapy (CBASP)

Das Cognitive Behavioral Analysis System for Psychotherapy (CBASP) ist die bislang einzige Psychotherapiemethode, die spezifisch zur Behandlung chronischer Depressionen entwickelt wurde. Der Ansatz vereint interpersonelle, kognitive, behaviorale und psychodynamische Strategien. Es wird davon ausgegangen, dass chronisch depressive Patienten für Konsequenzen und Rückmeldung ihrer Umgebung nicht mehr erreichbar sind, weil ihre Wahrnehmung von der Umwelt entkoppelt ist. Die eingesetzten Techniken zielen deswegen in erster Linie auf sozial-interpersonelles Lernen ab. Der Patient soll außerdem zwischen alt vertrauten dysfunktionalen Beziehungsmustern und dem Verhalten des Therapeuten bzw. anderer Personen unterscheiden lernen, und negative Interaktionsmuster dadurch verändern. Mit dieser Zielsetzung wird eine explizite Übertragungshypothese erarbeitet, d.h. anders als in der tiefenpsychologischen Psychotherapie wird von Anfang an offen besprochen, welche „Verwechslungen“ während der Therapie auftreten und der Patient zur bewussten Diskrimination des Therapeuten von den prägenden Bezugspersonen angeleitet. Der gezielte Aufbau von Verhaltensfertigkeiten stellt einen weiteren wichtigen Teil der Therapie dar.

Das CBASP hat sich in einer umfassenden Untersuchung als gleich wirksam wie eine Medikation erwiesen. Die Kombination von CBASP und Pharmakotherapie war am erfolgreichsten.

Fachliche Unterstützung: Dr. med. Sabine C. Herpertz, Heidelberg (DGPPN)