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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Psychotherapie: Gesprächspsychotherapie

Die Gesprächspsychotherapie geht zurück auf die Arbeiten von Carl R. Rogers, der ein allgemeines psychotherapeutisches Konzept im Sinne einer Anleitung zur besonderen Gestaltung der psychotherapeutischen Beziehung oder des psychotherapeutischen Gesprächs entwickelte. Im Laufe der Jahre ist dieses therapeutische Konzept weiterentwickelt und differenziert worden. Neben dem klassischen Vorgehen entstanden Ansätze, bei denen der Therapeut stärker den therapeutischen Prozess steuert, um spezifische Therapieziele zu fördern bzw. um den Besonderheiten einzelner Störungen oder einzelner Patienten gerecht zu werden. Dazu werden zum Teil auch zusätzliche therapeutische Methoden zur Erweiterung der "Selbstexploration" oder der Erlebnisfähigkeit des Patienten eingesetzt, die zum Teil aus einer Weiterentwicklung der Gesprächspsychotherapie resultieren (z.B. "experiencing"), zum Teil aus anderen Therapierichtungen, vor allem der Gestalttherapie, übernommen wurden. Die Gesprächspsychotherapie ist demnach heute zwar im Wesentlichen ein einheitlicher therapeutischer Ansatz, aber mit unterschiedlichen Ausprägungsformen. Eine Differenzierung der Beurteilung nach den einzelnen Formen oder Ansätzen der Gesprächspsychotherapie wird vom Wissenschaftlichen Beirat nicht vorgenommen. Ansonsten spiegeln diese Differenzierungen die Weiterentwicklung der Gesprächspsychotherapie wider, wie sie auch bei anderen Therapieformen zu finden ist.

Gesprächspsychotherapie wird vorwiegend in Form von Einzeltherapie, aber auch in Form von Gruppentherapie durchgeführt. Für beide Formen liegen Effektivitätsstudien vor. Die Gesprächspsychotherapie ist im gesamten Spektrum psychischer und psycho-somatischer Störungen eingesetzt worden. Dabei werden Therapeuten-bezogene Merkmale wie „Empathie“, „Wertschätzung“ und „Echtheit“ als besonders wichtig für die Wirksamkeit angesehen. Nach den Regeln der klassischen Gesprächspsychotherapie ist die Vorgehensweise bei den einzelnen Störungen nicht unterschiedlich, die Besonderheiten einzelner psychischer Störungen sind in der Gesprächspsychotherapie noch nicht ausreichend integriert worden..
Im Mittelpunkt der Störungstheorie der Gesprächspsychotherapie steht die psychische Entwicklung des Menschen, die durch subjektive Erfahrungen, die gegebenenfalls mit dem eigenen Selbstbild oder mit Normen im Widerspruch stehen (konfligieren), beeinflusst wird, so dass es zu fehlenden Übereinstimmungen, so genannten Inkongruenzen, kommt. Diese Inkongruenzen können die "Selbstregulation" des Menschen in unterschiedlichem Ausmaß und in unterschiedlichen Funktionsbereichen beeinträchtigen. Die zentrale Annahme einer Inkongruenz zwischen einem idealen Selbstbild und realen (Selbst-)Erfahrungen ist in verschiedenen Studien überprüft und bestätigt worden.

Aufgrund wissenschaftlicher Studien kann Gesprächspsychotherapie für folgende Störungen als wirksam angesehen werden: Affektive Störungen (hierzu gehören z.B. Depressionen und bipolare Störungen), Angststörungen, Anpassungsstörungen sowie somatische (körperliche) Krankheiten.

Fachliche Unterstützung: Dr. med. Sabine C. Herpertz, Heidelberg (DGPPN)