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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Diagnostik: Zusatzdiagnostik

(© Gina Sanders - Fotolia.com) Im zweiten Schritt psychiatrischer Diagnostik kann spezifische Zusatzdiagnostik erforderlich sein

Auf Basis der Routinediagnostik kann gegebenenfalls im zweiten Schritt eine spezifische Zusatzdiagnostik erforderlich sein. Dazu gehören laborchemische Tests (Blut, Urin, Schwangerschaftstest, Drogenscreening, etc.) und die so genannten apparativen Verfahren (z.B. EEG, MRT).

Mit Hilfe dieser technischen bzw. apparativen Untersuchungen will der Arzt u.a. herausfinden, wie stark ausgeprägt die Störung eines Patienten ist bzw. wie weit die Krankheit bereits fortgeschritten ist und welche Ursachen dafür verantwortlich sind. Auch dienen diese Untersuchungen dem Ausschluss verschiedener organischer Ursachen.

Elektroenzephalografie (EEG)

Die Elektroenzephalografie ist ein Verfahren, bei dem die spontane elektrische Aktivität des Gehirns gemessen und aufgezeichnet wird. Durch das Anbringen von befeuchteten Metallplättchen (Elektroden) an bestimmten Stellen der Kopfhaut kann man die Hirnströme ableiten. Anschließend werden die Signale verstärkt und aufgezeichnet. Die Signale sehen unterschiedlich aus, je nachdem in welchem Zustand sich der Patient gerade befindet (Schlaf-, Wach-, Traumphase usw.). 

Diese Methode erlaubt  diagnostische Rückschlüsse vor allem bei Anfällen (auch epileptischen), Zuständen mit unklarer plötzlicher Bewusstlosigkeit, aber auch bei Tumoren, traumatischen Schäden und bei entzündlichen Veränderungen im Gehirn. Diese Untersuchung ist vollkommen schmerzfrei.

Evozierte Potenziale (EP)

Hier werden bioelektrische Aktivitäten des Gehirns registriert, die als Reaktion auf bestimmte Reize (visuell, akustisch, sensibel) von außen entstehen. Diese Untersuchungen sind wertvoll, um Störungen im Bereich der Bahnsysteme, die mit der Fortleitung dieser externen Reize befasst sind, aufzudecken. Einige Patienten erleben diese Untersuchung als etwas unangenehm, aber auch diese Untersuchung ist schmerzfrei.

Computertomografie (CT)

Die Computertomografie ist ein Verfahren der Röntgendiagnostik, das eine direkte Darstellung von Knochen aber auch von Weichteilstrukturen ermöglicht. Dabei wird mit einem dünnen, fächerartigen Röntgenstrahlbündel die zu untersuchende Körperregion schichtweise abgetastet. Nach nur wenigen Sekunden wird aus Millionen von Einzeldaten ein Fernsehbild (Computertomogramm) aufbaut. Bei der CT des Gehirns lassen sich geringe Veränderungen des Hirngewebes z.B. infolge von Durchblutungsstörungen, Blutungen oder Tumoren erkennen. Bei manchen Fragestellungen ist bei einem Schädel-CT die Gabe von Kontrastmitteln nicht erforderlich. Der Nachweis von Tumoren oder entzündlichen Prozessen kann mit Hilfe eines Kontrastmittels allerdings verbessert werden.

Magnetresonanztomografie (MRT) / Kernspintomografie

Die MRT, auch als Kernspintomografie bezeichnet, ist ein computergestütztes bildgebendes Verfahren, das auf dem Prinzip der Kernspinresonanz beruht. Anders als beim CT wird keine Röntgenstrahlung verwendet. Bei dieser Untersuchung macht man sich den Drehimpuls, den so genannten Spin, der Atomkerne des Wasserstoffs (Protonen) zu Nutze, die im menschlichen Körper in großer Häufigkeit vorkommen. In einem starken Magnetfeld richten sich diese Rotationsachsen entlang des Magnetfeldes aus, der Körper wird „magnetisiert“. Die Stärke des Magnetfeldes ist geräteabhängig unterschiedlich. Die in der Radiologie verwendeten Hochfeldmagneten haben eine Stärke von 1,5 bis 7 Tesla. Bei der eigentlichen Messung werden Hochfrequenzwellen mit einer Frequenz im Kurzwellenbereich auf das zu untersuchende Körperteil eingestrahlt. Dadurch kommt es zu einer Anregung des Atom-Spins, die zu „kreiselnden“ Kreiselbewegungen führt. Nach Abschalten des Impulses richten sich die Spins wieder entlang des Magnetfeldes aus. Dabei senden die Atomkerne winzige Impulse zurück, die durch Spulen empfangen werden. Eine Umwandlung der empfangenen Signale ermöglicht es schließlich, dass dem Arzt verwertbare Bilder auf dem Monitor zur Verfügung stehen. Da die verschiedenen Gewebe eine unterschiedliche Dichte an Wasserstoffprotonen aufweisen, ist eine Differenzierung gut möglich. 

Der große Vorteil der MRT liegt in ihrer fehlenden Strahlenbelastung und dem guten Gewebekontrast. Letzterer ermöglicht v.a. eine gute Weichteildarstellung, weshalb die MRT für Untersuchungen des Gehirns (v.a. bei Blutungen und Hirninfarkten) häufig angewandt wird.

 


Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Peter Falkai, München (DGPPN)