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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Alter: Akute Verwirrtheit (Delir)

Beim Delirium (Delir) handelt es sich um ein akutes organisches Psychosyndrom. Umgangssprachlich und auch im klinischen Alltag wird oft von akuter Verwirrtheit, einem Verwirrtheitszustand oder Durchgangssyndrom gesprochen. Es ist ein Syndrom mit vielen klinischen Facetten, dem ganz unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen können. Im Alter ist es häufig auf eine verschlechterte Hirndurchblutung bei Herz-Kreislauferkrankungen, Stoffwechselveränderung bei Diabetes, Natriummangel oder einfachen Flüssigkeitsmangel zurückzuführen oder auf  die vielfältigen Wechsel- und Nebenwirkungen von Medikamenten.

Ferner können Entzugs- oder Intoxikationen zu einem Delir führen, beispielsweise bei Alkohol- oder Benzodiazepinabhängigkeit oder aber beim Ansetzen oder Absetzen von Schmerzmitteln.

Das besondere an einem Delir, im Gegensatz zu einer schleichend beginnenden Demenz, ist das plötzliche Auftreten einer sehr unterschiedlich zusammengesetzten Symptomatik mit Störungen des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit, der Wahrnehmung, des Denkens, des Gedächtnisses, der Psychomotorik, der Emotionalität. Auch ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus sowie körperliche Symptome wie Schwitzen, Blut-hochdruck und schneller Puls können vorliegen und machen aus dem Delir eine potentiell lebensbedrohliche Situation. Klinisch unterscheidet man zwischen einem eher überaktiven, nämlich agitierten und einem gehemmten Erscheinungsbild. Die gehemmte Manifestation eines Delirs wird häufiger übersehen und ist daher mit einer erhöhten Mortalität verbunden. Eine plötzliche Veränderung des Bewusstseins, der kognitiven Leistung sowie des Affekts bei einem alten Menschen sollte immer auch an ein Delir denken lassen.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Vjera Holthoff, Dresden (DGPPN)