Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Therapie und Behandlungsmöglichkeiten bei Schädel-Hirn-Traumata

Bei einem vermuteten Schädel-Hirn-Trauma ist es sehr wichtig, den Betroffenen so rasch wie möglich in eine geeignete Klinik zu bringen. Die Eignung des Krankenhauses ergibt sich aus dem Verletzungsmuster und der Entfernung. Eine detaillierte Voranmeldung bei dem anzufahrenden Krankenhaus ist erforderlich. Liegen keine Begleitverletzungen vor, werden Patienten mit leichten SHT zumindest im Krankenwagen, Patienten mit mittelschwerem oder schwerem SHT mit notarztbesetzten Rettungsmitteln transportiert. Bis zum radiologischen Ausschluss einer Verletzung der Hals-Wirbel-Säule (HWS) muss diese bei SHT-Patienten ruhig gestellt werden. Bei instabilem Kreislauf wird der Patient flach gelagert. Die Entscheidung zwischen Land- und Luftweg richtet sich nach dem schonendsten und schnellsten Transport zur nächsten geeigneten Klinik.

Zunächst muss bei der Erstversorgung in der Intensivstation des Krankenhauses die Art der Verletzung festgestellt werden. Zu den wichtigsten diagnostischen Untersuchungen gehört die Computertomographie des Kopfes. Hiernach werden notwendige Operationen, zum Beispiel bei Gehirnblutungen, durchgeführt. Bei einem Schädelbruch wird der Neurochirurg in der Regel den Schädel öffnen, wenn dadurch eine größere Blutung behandelt werden kann. Brüche, die zu einem Eindrücken des Schädels führen, werden gehoben. Fissurale Brüche, das heißt spalten- oder fugenförmige Brüche ohne Verschiebung, benötigen keine Versorgung, falls damit keine größere Blutung einhergeht. Sie heilen ohne spezielle Therapie problemlos. Brüche des Gesichtsschädels operiert ein Mund-Kiefer-Gesichtschirurg.

Die Behandlung hat zunächst vor allem das Ziel, das Leben des Patienten zu retten sowie das Auftreten von Folgeschäden so weit wie möglich zu verhindern. Sogenannte Sekundärschäden können durch eine schlechte Hirndurchblutung oder durch das Einklemmen von anschwellenden Hirnteilen in Knochen oder Bindegewebsstrukturen des Schädels auftreten und entwickeln sich erst einige Stunden oder wenige Tage nach der Verletzung. Folgeschäden können in den ersten Tagen auftreten und den Zustand des Patienten weiter verschlechtern. Trotz intensiver Therapie der Ärzte kann ein ungünstiger Verlauf nicht immer verhindert werden.

Die meisten Patienten mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma befinden sich in der akuten Phase im Koma und werden in der Klinik auf einer neurochirurgischen oder neurologischen Intensivstation behandelt. Der Patient wird intensiv überwacht. Eine Kontrolle der Herztätigkeit, des Blutdruckes, der Atmung und der Temperatur sowie eine dauernde Hirndruckmessung sind angezeigt. Die Versorgung mit Sauerstoff und eine eventuelle künstliche Beatmung dienen dazu, einen bedrohlichen Sauerstoffmangel im Gehirn zu vermeiden. Aus diesem Grund findet häufig eine künstliche Beatmung (Intubation) des bewusstlosen Patienten statt. Bei sehr schweren Schädigungen ist es möglich, dass vor-sorglich kleine Eingriffe wie Luftröhrenschnitt, Arterienkatheter und Magen-Darmsonden durchgeführt werden.

Der Patient erhält, wenn nötig, Infusionen zur Stabilisierung des Wasser- und Salzhaushaltes sowie künstliche Ernährung. Antibiotika sollen vor Infektionen schützen. Es ist möglich, dass Magen-, Venen- und Blasenkatheter gelegt werden müssen. Oft werden auch Hirndrucksonden, Hirnkammerwasserdrainagen oder arterielle Blutdruckkatheter erforderlich. Die Sonden und Katheter dienen der gezielten Behandlung und Überwachung angesichts der instabilen Gesamtsituation des Patienten. Kommt es zu Störungen lebenswichtiger Funktionen, können die Ärzte sofort eingreifen. Komplikationen dieser Art sind in der Frühphase jederzeit möglich und können meist nur durch dauernde Überwachung erkannt werden.

Die Weiterbehandlung des Patienten richtet sich nach den Schäden des Gehirns. Bei schweren Hirnverletzungen ist die Aufnahme in eine Spezialklinik oder eine geeignete Einrichtung zur Früh-Rehabilitation unter Umständen ratsam.

Liegt über einen längeren Zeitraum keine Gefahr der Hirndrucksteigerung vor und besteht keine Einschränkung der Bewusstseinslage und sind die Funktionen von Herz u. Lunge stabil, kann der Patient von der neurologischen Intensivstation entlassen werden.

Fachliche Unterstützung: Dr. med. Uwe Meier (BDN), Grevenbroich