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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Krankheitsbild, Symptome und Beschwerden des Parkinson-Syndroms

Wenn die Parkinson-Erkrankung fortschreitet, treten vier Hauptbeschwerden in den Vordergrund. Der Neurologe/Nervenarzt spricht bei diesen Haupt-Krankheitszeichen auch von Kardinal-Symptomen. Diese sind:

  1. Bewegungsarmut (Akinese)
  2. Muskelversteifung (Rigor)
  3. Zittern (Tremor)
  4. Störungen Haltungsstabilität (Posturale Instabilität)

Häufig sind die Störungen im Beginn nur oder überwiegend auf einer Körperseite vorhanden.

1. Bewegungsarmut

Die Bewegungsarmut (Fachwort: Akinese) ist für den Arzt das wichtigste Zeichen des Parkinson-Syndroms. Der Patient kann Bewegungen nur noch verlangsamt ausführen. Erst nach einer gewissen Verzögerung gelingt es ihm, Arm oder Bein in Gang zu bringen. Der Patient empfindet dies als Verlust an Spontanität, was auch eine psychologische Belastung darstellt. Die Akinese tritt häufig unvorhersehbar auf. In einem Moment kann der Patient sich noch frei bewegen, im nächsten Moment gelingen ihm Bewegungsroutinen nicht mehr. Was früher schnell erledigt war, etwa das An- und Ausziehen, dauert jetzt lange, manchmal Stunden. Auch das Bewegungsausmaß wird geringer, der Gang kleinschrittig, die Schrift kleiner.

2. Muskelsteife

Der Rigor (Fachwort: Muskelsteife) ist bei den meisten Parkinson-Patienten vorhanden und behindert sie stark. Normalerweise kommt es beim Anspannen eines Muskels automatisch zum Entspannen des Gegenmuskels. Beim Morbus Parkinson ist diese feine Balance gestört. Die Folge wird als Steifigkeit am ganzen Körper empfunden. Gleichzeitig fühlen sich die Patienten schwach, weil die Bewegungskraft die Steifigkeit der Gegenmuskeln zusätzlich überwinden muss. Besonders deutlich wird der Rigor, wenn eine zweite Person den Arm des Parkinson-Erkrankten passiv beugt oder streckt. Auch wenn der Patient versucht, sich zu entspannen, und seinen Arm bewegen zu lassen, lässt sich dieser nicht einfacher bewegen.

3. Zittern

Das Zittern tritt insbesondere in Ruhe in Ruhe und ist meist unverkennbar. Auch wenn der Patient versucht, die Hände ruhig zu halten, bewegen sich doch Daumen und Endglieder der Finger in einem gleichmäßigen Rhythmus hin und her. Häufig sind es vier bis sechs, manchmal bis zu neun Bewegungen pro Sekunde! Manche Patienten bewegen Daumen und Finger so zueinander, als ob sie eine Kugel in ihr bewegen würden. Die Ärzte bezeichnen dies auch als „Pillendrehen“.

Der Tremor beginnt häufig an der Hand, er kann jedoch auch zuerst an den Füßen und im Kiefer auftreten. Jeder Versuch, das Zittern zu unterdrücken, misslingt. Wenn der Patient unter Stress steht, nimmt der Tremor sogar noch weiter zu.

4. Störungen der Haltungsstabilität

Eines der auffälligsten Zeichen eines Parkinson-Syndroms ist die Haltungsinstabilität (Fachwort: Posturale Instabilität). Die Reflexe, die normalerweise dafür sorgen, dass wir auch in Bewegung unseren Körper automatisch ausbalancieren können, sind bei Parkinson-Erkrankten gestört. Eine Störung dieser Reflexe bewirkt, dass der Betroffene sich bei einer plötzlichen, unvorhergesehenen Bewegung nicht mehr problemlos „fangen“ kann. Es kommt zu einer Gangunsicherheit. Die fehlende Balance und Koordination in der Bewegung führen dazu, dass die Patienten häufig stürzen.

Die Patienten haben oft eine gebückte Haltung mit leicht gebeugten Knien. Wenn die Erkrankung fortschreitet, fällt auch das Gehen immer schwerer. Manche schlurfen oder machen eine Serie von kleinen Schritten, als wenn sie sich beeilen müssten (Fachwort: Festination). Richtungsänderungen fallen schwer, Bagatell-Hindernisse (etwa ein im Wege liegender Stock) können oft kaum überwunden werden. Einmal im Gehen können sie in der Bewegung nicht innehalten und schießen über das Ziel hinaus.

Weitere Symptome

Neben diesen vier Haupt-Symptomen ist das Auftreten einer Reihe weiterer Krankheitsanzeichen möglich, die jedoch von Patient zu Patient unterschiedlich sein können. All diese Symptome sind für die Erkrankung zwar typisch, müssen aber nicht vorhanden sein. Ihre Ausprägung ist individuell verschieden und einzelne Symptome können auch ganz fehlen.

Hier zu nennen wären z.B.:

  • Missempfindungen oder Schmerzen im Nacken, im Rücken oder in Extremitäten;
  • Veränderungen des Gefühlslebens;
  • Nachlassen der geistigen Fähigkeiten im Allgemeinen – jedoch nicht zu verwechseln mit der Verlangsamung der körperlichen Beweglichkeit, die einen Verlust der geistigen Fähigkeiten vortäuschen kann;
  • Sprechstörungen (leises, verwaschenes Sprechen);
  • Schluckstörungen, eventuell mit vermehrtem Speichelfluss;
  • Hautprobleme, z.T. fettige oder ölige Gesichtsbereiche (Salbengesicht) oder auch trockene Haut und Kopfhaut-Schuppen, Störungen des Schwitzens;
  • Schlafprobleme.

Im fortgeschrittenen Stadium können weitere Beschwerden hinzukommen, die auf Störungen des vegetativen Nervensystems zurückzuführen sind, wie beispielsweise Blasenschwäche oder Verstopfung, Schwankungen von Blutdruck und Körpertemperatur sowie Erektionsstörungen bei männlichen Patienten.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. Alfons Schnitzler und Priv.-Doz. Dr. Martin Südmeyer, Düsseldorf (DGN)