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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Psychosen - Phasen und Verlauf

Bei den sekundären Psychosen sind Verlauf und Prognose von der zugrundeliegenden Ursache abhängig – mit einer guten Prognose, falls die zugrundeliegende Erkrankung behandelt werden kann oder beispielsweise ein Drogenmissbrauch, der zur Psychose führte, eingestellt wird. Auch bei chronischen Psychosen sind Besserungen bei adäquater Behandlung möglich.

Eine primäre Psychose ist keine unheilbare Erkrankung, bei vielen der Betroffenen nimmt sie einen günstigen Verlauf. Der Verlauf von Psychosen kann in Phasen unterteilt werden:

  • Die Prodromalphase (Vorläuferphase) ist der Zeitraum von Beginn erster psychischer Veränderungen und/oder negativer Symptome bis zum durchgängigen Auftreten von psychotischen positiven Symptomen. Die durchschnittliche Dauer liegt bei etwa zwei bis fünf Jahren.
  • Die Phase der unbehandelten Psychose bezeichnet den Zeitraum vom durchgängigen Auftreten psychotischer Symptome bis zum Behandlungsbeginn. Die durchschnittliche Dauer liegt bei etwa sechs bis zwölf Monaten.
  • Bei der Akutphase kommt es zum vollständigen Ausbruch der Erkrankung mit Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Denkstörungen. Betroffene können in diesem Zeitfenster möglicherweise Schwierigkeiten haben zu verstehen, dass Sie erkrankt sind. 
  • In der Langzeitphase - nach dem Verschwinden akuter Symptome und der Stabilisierung des Zustandes - können Negativ- Symptome über einen unterschiedlich langen Zeitraum bestehen bleiben. Diese Phase kann viele Jahre dauern, manchmal auch mit Rückfällen in die akute Phase.

Für die Schizophrenie ist bekannt, dass etwa bei einem Drittel der Patienten die Psychose nach einem einzigen Krankheitsschub ausheilt. Bei einem weiteren Drittel kommt es zu mehreren psychotischen Schüben über einen längeren Zeitraum mit dazwischen liegenden beschwerdefreien Abschnitten. Lediglich bei etwa einem Drittel kommt es zur chronischen Form mit ständig vorhandenen Symptomen. Bei anderen psychotischen Störungen wie der anhaltenden wahnhaften Störung oder der schizotypen Störung sind die Symptome eher chronisch. Bei der akuten vorübergehenden psychotischen Störung ist der Verlauf günstig, da die Krankheitsdauer regelhaft unter drei Monaten liegt.

Auswirkungen
Psychosen verändern das Leben der Betroffenen je nach Art und Schwere der Störung in unterschiedlichem Ausmaß. Neben den eigentlichen psychotischen Symptomen können auch Antriebsstörungen und sog. kognitive Störungen, also Störungen von Konzentration, Gedächtnis und Aufmerksamkeit auftreten, die im Alltag mehr Einschränkungen mit sich bringen können als die psychotischen Kernsymptome des Wahns und der Halluzinationen.

An einer Psychose Erkrankte können in schweren Fällen von längerfristiger Arbeitsunfähigkeit oder Frühberentung betroffen sein. Daher sind bei akuten und chronischen Psychosen meist neben der medizinischen (kurativen) Behandlung auch Rehabilitationsmaßnahmen zur beruflichen Rehabilitation notwendig. Bei chronisch oder schwer Betroffenen sind neben der medizinischen und rehabilitativen Behandlung häufig auch sozialtherapeutische Behandlungsmaßnahmen indiziert, die der Wiedereingliederung in das Alltagsleben dienen, z.B. unter Nutzung sozialpsychiatrischer Zentren.

Erschwerend kommt hinzu, dass psychotische Störungen für die Menschen der Umgebung beängstigend oder verstörend wirken, sodass die Betroffenen häufig einer erheblichen Stigmatisierung ausgesetzt sind, die die Wiedereingliederung am Arbeitsplatz gerade bei chronisch oder schwer Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Der Kampf gegen die Stigmatisierung psychisch Kranker in der Bevölkerung ist daher auch ein wichtiges Element für die Linderung der Auswirkungen der psychotischen Störungen für die Betroffenen (siehe auch Aktionsbündnis Seelische Gesundheit).

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Wolfgang Gaebel, Priv.-Doz. Dr. med. Jürgen Zielasek, Düsseldorf (DGPPN) und Prof. Dr. med. Anita Riecher-Rössler, Basel (SGPP)