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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Behandlung bei Schlaganfall

Je früher nach einem Schlaganfall die Behandlung begonnen wird, umso größer sind die Chancen des Betroffenen, dass nur wenig Schäden zurück bleiben oder die Beeinträchtigungen sich im Laufe der Zeit sogar vollständig zurück bilden. Eine optimale Behandlung mit Überwachung der wichtigen Funktionsdaten von Kreislauf, Herz und Gehirn bieten Kliniken, die über eine spezielle Schlaganfall-Abteilung (Stroke Unit) verfügen.

Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall. Diese Erkenntnis ergibt sich aus der Erfahrung, dass alle Maßnahmen zur Verbesserung innerhalb der ersten Stunden ihre beste Wirkung entfalten. Um die akute lebensbedrohliche Situation des Patienten zu stabilisieren und zu verbessern, muss er, falls erforderlich auch intensivmedizinisch versorgt werden. Auch während der Behandlung müssen die Durchblutung und der Stoffwechsel des Patienten stabil bleiben. Dazu werden Herzfrequenz, Blutdruck, Atmung, Blutzucker, Körpertemperatur, Hirnfunktion, Nierenfunktion, das Wasser- und Elektrolytgleichgewicht und der Säuren-Basen-Haushalt überwacht.

Hat die Untersuchung des Patienten ergeben, dass der Schlaganfall durch ein Blutgerinnsel in einer Gehirnarterie verursacht wurde, muss der Blutpfropf so schnell wie möglich aufgelöst werden. Hierzu erhält der Patient Infusionen mit pfropfauflösenden Medikamenten (Thrombolytika). Diese Therapie muss innerhalb von 4,5 Stunden nach Auftreten der ersten Schlaganfall-Symptome beginnen. Zudem muss die Untersuchung mit einem CT oder MRT sichergestellt haben, dass keine Hirnblutung vorliegt. Eine Behandlungsoption in ausgewählten Fällen ist die endovaskuläre Behandlung mit einer lokalen Thrombolyse oder Thrombusentfernung über einen Kathether im Rahmen einer Angiographie. Dabei wird ein dünner Schlauch durch die Gefäße bis zur verstopften Stelle im Gehirn vorgeschoben. Über eine Sonde wird dann entweder das Medikament unverdünnt zur Verschlussstelle gebracht und kann dort das Blutgerinnsel auflösen. Noch effektiver als dieser Ansatz sind neuere Methoden, in denen mit speziellen Instrumenten das Blutgerinnsel direkt aus dem Gefäßsystem entfernt wird. Die einzelnen Arbeitsschritte werden mit Hilfe eines speziellen Röntgengerätes sichtbar gemacht und kontrolliert.

Ist eine Hirnblutung die Ursache für einen Schlaganfall, führt das zusätzliche Blutvolumen zu einer Druckerhöhung im Schädelinneren. Die Folge ist eine zusätzliche Schädigung von Nervengewebe. Der Patient muss dann unter Umständen operiert werden, um das aus dem gerissenen Gefäß ins Gehirn ausgetretene Blut zu entfernen.

Rehabilitation

Schlaganfallpatientin mit Bewegungsstörungen bei Reha
© Lisa F. Young - Fotolia.com Mögliche Schlaganfallfolgen sind Lähmungen, Bewegungsstörungen, Sprachstörungen und anderen Beeinträchtigungen

Nach einem Schlaganfall bleiben die betroffenen Bereiche des Gehirns häufig dauerhaft geschädigt und führen beim Patienten zu Lähmungen, Bewegungsstörungen, Sprachstörungen und anderen Beeinträchtigungen. Allerdings können verloren gegangene Fähigkeiten unter Umständen zumindest teilweise wiedererlangt werden. In diesem Fall übernehmen andere intakte Bereiche des Gehirns die Funktion der geschädigten Areale. Voraussetzung dafür ist ein intensives Training unter Leitung speziell ausgebildeter Therapeuten. Dabei sollen die Patienten verloren gegangene Fähigkeiten wieder erlernen oder zumindest an einer Verbesserung der durch den Schlaganfall verursachten Störungen arbeiten. Das Training sollte dabei so früh wie möglich nach einem Schlaganfall beginnen und kann Monate oder sogar Jahre dauern. Die Rehabilitation ist essentieller Bestandteil der Therapie.

Ambulante Rehabilitation

Nach einem Schlaganfall ist die aktive Teilnahme des Patienten auch über eine stationäre Rehabilitationsmaßnahme hinaus an ambulanten Maßnahmen zur Verbesserung der gestörten Funktionen von großer Bedeutung. Sie entscheidet mit darüber wie gut und wie schnell der Gesundungsprozess verläuft. Dazu gehören beispielsweise Sprechübungen und das Trainieren von Bewegungsabläufen, wenn entsprechende Behinderungen vorliegen. Der Patient sollte darauf achten, die schwächere Seite bei jeder Gelegenheit bewusst zu bewegen. Werden Verwandte und Freunde in die Übungen mit einbezogen, verstehen sie besser, welche Probleme im Alltag die Beeinträchtigungen mit sich bringen. Auch das Üben selbst ist dann nicht so langweilig.

Können die Arme oder Beine nicht kontrolliert bewegt werden, sollten Patienten wegen der erhöhten Unfallgefahr eher duschen als baden. Dabei kann auch ein Hocker zum Hinsetzen unter die Dusche hilfreich sein. Verletzungen oder Hauterkrankungen werden auf der durch den Schlaganfall beeinträchtigten Körperseite nicht so stark wahrgenommen und deshalb leichter übersehen. Patienten sollten deshalb bei ihrer Körperpflege besonders auf die mit Mitleidenschaft gezogene Körperseite achten. Bei Kau- und Schluckbeschwerden sollten nur kleine Bissen in den Mund genommen werden. Es sollte auch darauf geachtet werden, dass keine Essensreste auf der schwächeren Seite des Mundraumes zurück bleiben. Generell sind den Patienten, die Probleme beim Kauen und Schlucken haben, weiche Speisen zu empfehlen. Kleidung und Schuhe sollten möglichst einfach an- und auszuziehen sein.

Praktische Ratschläge und nützliche Tipps für den Alltag bekommt man in den Rehabilitationszentren. Dort erfährt man auch, welche Hilfsmittel sinnvoll und woher sie zu beziehen sind.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Christian Gerloff, Hamburg (DGN)