Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Informationen für Angehörige von Schlaganfallpatienten

Angehörige sind meist die wichtigsten Bezugspersonen für die Patienten. Deshalb kann ihr Verhalten dazu beitragen, dass sich insbesondere der psychische Zustand der Patienten kurz nach einem Schlaganfall stabilisiert. Bereits beim ersten Besuch im Krankenhaus sollten sie Ruhe ausstrahlen. Durch Berührung können sie dem Patient ihre Liebe, Anteilnahme, Verständnis und Fürsorge zeigen. Im Falle einer Sprachstörung können einfache Zeichen der Verständigung dienen. Fragen, die der Patient mit Kopf nicken oder schütteln beantworten kann, erleichtern ebenso die Kommunikation.

Zeit der Rehabilitation

Während der Rehabilitation können und sollen Angehörige die therapeutischen Maßnahmen aktiv unterstützen. Dies ist ein entscheidender Punkt, um Fortschritte bei dem Patient zu erzielen und fördert zudem sein Selbstwertgefühl. Im Gespräch mit den Therapeuten erfahren Angehörige, was sie im Umgang mit dem Schlaganfall-Betroffenen beachten sollten und welche Übungen sinnvoll sind, um den Rehabilitationsprozess zu fördern. Zudem sollten Angehörige die Zeit nach der Rehabilitation vorbereiten. Dazu gehört die rechtzeitige Beantragung und Beschaffung von Hilfsmitteln ebenso wie Vorbereitungen zu Hause auf die neue Situation. Informationen, Ratschläge und nützliche Tipps geben der behandelnde Arzt, Therapeuten und Selbsthilfegruppen.

Heimkehr

Ist der Patient wieder zu Hause, sollte die Wohnung so gestaltet sein, dass er sich möglichst selbstständig bewegen und agieren kann. Das ist natürlich auch abhängig vom Ausmaß seiner Behinderung. Zu den größten Gefahrenquellen gehören hohe Türschwellen. Über sie sollten Rampen mit rutschfesten Bodenbelegen gelegt werden. Im Bad sind Haltgriffe am Waschbecken, in der Dusche und an der Toilette wichtig. Das Toilettenpapier muss mit der gesunden Hand erreichbar sein und auf den Boden gehören rutschfeste Matten. Leidet der Patient als Folge des Schlaganfalls unter schweren Hirnleistungsstörungen, sollten möglichst viele Einrichtungsgegenstände an ihrem alten Platz stehen. Sie stellen eine Orientierungshilfe dar und machen es dem Patienten leichter, sich in der Wohnung zurechtzufinden.

Pflegebedürftige Patienten sollten alle wichtigen Dinge in ihrer unmittelbaren Nähe haben. Um das Bett herum muss ausreichend Platz sein, um ihn in den Rollstuhl zu heben. Liegt eine Halbseitenschwäche vor, ist es wichtig, die betroffene Seite zu stimulieren. Der Nachtisch und der Fernseher sollten sich deshalb vorzugsweise auf der durch die Lähmung beeinträchtigten Seite des Patienten befinden. Er wird dadurch automatisch dazu angehalten, mit der geschwächten Seite aktiv zu werden. Diese Seite sollte auch bevorzugt werden, wenn man mit ihm spricht.

Regelmäßige Medikamenten-Einnahme

Eine wichtige Aufgabe der Angehörigen ist es, auf die regelmäßige Einnahme der vom Arzt verordneten Medikamente zu achten. Hilfreich ist dabei, jeden Morgen die über den Tag benötigten Medikamente in Schälchen für die Einnahme morgens, mittags und abends zu legen. Auch Blutdruck, Puls und Blutzucker sollten regelmäßig kontrolliert werden. Die Ernährung sollte fettarm und die Flüssigkeitszufuhr ausreichend sein. Empfohlen werden mindestens 2 Liter am Tag. Zigaretten sind für die Patienten tabu. Ein Schlaganfall führt bei vielen Betroffenen zu psychischer Instabilität. Deshalb sollten Angehörige bei den Patienten auf mögliche Zeichen einer Depression achten und wenn diese auftreten umgehend den behandelnden Arzt informieren.

Hilfsmittel

Für Patienten, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln, wie beispielsweise Rollstühle, Gehhilfen, Treppenlifte etc., die das Leben erleichtern. Sie sollten aber nicht länger als unbedingt notwendig benutzt werden, damit die Patienten möglichst schnell wieder ihre Unabhängigkeit wiedererlangen. Beim Essen ist eine gerade Sitzhaltung wichtig. Ein Kissen oder eine Decke im Rücken kann dabei die richtige Sitzposition unterstützen und stabilisieren. Gefüttert werden sollte der Patient nur, wenn es unbedingt notwendig ist. Allerdings ist sicher zu stellen, dass er genügend Nahrung und Flüssigkeit zu sich nimmt, da Austrocknung das Wiederholungsrisiko erhöht. Auch hier steht das Ziel im Vordergrund, den Patienten zu fordern und damit auch seine Selbstständigkeit zu fördern.

Aktiv leben

Wenn es der körperliche Zustand des Patienten zulässt, sollten die Angehörigen ihn motivieren, sich sportlich zu betätigen. Sport führt zu einer Verbesserung des Gesamtzustandes des Patienten, indem er anregt, Selbstvertrauen schafft und die Lebensfreude steigert. Zudem hilft sportliche Aktivität dabei, die Muskulatur zu stärken und Bewegungsabläufe zu verbessern. Regelmäßig Sport treiben verringert die Risiken für weitere Schlaganfälle. Wegen der in vielen Fällen vorhandenen Beeinträchtigung in der Bewegung sind für Schlaganfall-Patienten Wassergymnastik, Schwimmen und gymnastische Übungen besonders geeignet.

Auch Reisen sind für Schlaganfall-Patienten möglich. Sie sollten allerdings keinen Extremsituationen ausgesetzt werden. Länder, in denen sehr hohe oder niedrige Temperaturen herrschen, sollten gemieden werden. Vor jeder Reise sollte man sich vergewissern, ob am Urlaubsort eine gute ärztliche Versorgung gewährleistet ist. Erforderlich sind eine Auslandsreise- und eine Reiserücktransportversicherung.

Für den Lebenspartner ist es wichtig zu wissen, dass ein Schlaganfall die sexuellen Bedürfnisse und Leistungsfähigkeit des Patienten nicht beeinträchtigt. Allerdings können sich spezielle Medikamente potenzmindernd auswirken. Ist der Blutdruck des Patienten gut eingestellt, besteht keine Gefahr, durch sexuelle Aktivität einen Schlaganfall zu erleiden. Eventuelle Probleme und Schwierigkeiten sollten beide Partner offen ansprechen.  

Ein Schlaganfall kommt für die meisten aus heiterem Himmel und verändert vieles. Diese schwierige Situation darf nicht verdrängt werden, weder von dem Patienten noch von den Angehörigen. Die Krankheit und ihre Folgen müssen angenommen werden und alle Beteiligten müssen sich mit ihr auseinandersetzen. Wird der Patient pflegebedürftig oder ist er im alltäglichen Leben durch eine bleibende Behinderung beeinträchtigt, müssen sich auch die Angehörigen an ein neues Leben unter veränderten Bedingungen gewöhnen. Um mit dieser neuen, schwierigen Situation zurecht zu kommen, sollten sich Patienten und Angehörige nicht scheuen, die Hilfe und Unterstützung anderer in Anspruch zu nehmen. Neben dem behandelnden Arzt und den an der Rehabilitation beteiligten Therapeuten sind dies insbesondere auch die Selbsthilfegruppen. Neben Gruppen, in denen sich Schlaganfall-Betroffene und Angehörige getrennt treffen, gibt es auch solche, in die Angehörige und Patienten gemeinsam gehen. In Deutschland gibt es mehr als 350 Selbsthilfegruppen. Sie dienen dem Austausch von Erfahrungen, ermöglichen die gegenseitige Unterstützung bei Problemen und bieten häufig Angebote für die gemeinsame Freizeitgestaltung an. Eine Liste von Selbsthilfegruppen erhält man über die Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Christian Gerloff, Hamburg (DGN)