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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Prävention von Schlaganfall

Die beste Schlaganfall-Vorsorge ist die Vermeidung von Risikofaktoren. So kann durch eine Senkung erhöhter Blutdruckwerte das Schlaganfall-Risiko innerhalb kurzer Zeit um bis zu 40% gesenkt werden. Mit regelmäßiger körperlicher Betätigung und kochsalzarmen Mahlzeiten kann man hier schon viel erreichen. Empfehlenswert sind Wandern, Joggen, Schwimmen und Rad fahren. Ein gutes Pensum ist, dreimal die Woche jeweils eine halbe Stunde Sport zu treiben. Um erhöhte Cholesterin- und Blutzuckerwerte zu vermeiden, sollte auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung geachtet werden. Dazu gehört, weniger Nahrungsmittel mit einem hohen Anteil an tierischen Fetten wie Wurst, Fleisch und Käse zu essen und dafür pflanzliche Fette mit einem hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren und Fisch zu bevorzugen. Auch der Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum  senken das Risiko für einen Schlaganfall. All diese Maßnahmen zielen darauf ab, einer Schädigung und zunehmenden Verkalkung der Blutgefäße vorzubeugen. Lassen sich Blutdruck, Blutzucker- und Cholesterinwerte durch eine gesunde Lebensführung nicht in den Normalbereich absenken, sollte eine medikamentöse Behandlung erwogen werden.

Bereits eingetretene Verengungen der Blutgefäße kann der Arzt mit einer Ultraschall-Untersuchung (Doppler-Sonographie) aufspüren. Insbesondere verengte Halsschlagadern erhöhen das Schlaganfall-Risiko. Deshalb spielt die Ultraschalluntersuchung der Halsschlagadern bei der Schlaganfall-Vorsorge eine wichtige Rolle. Durch ihre frühe Erkennung kann der Arzt Maßnahmen einleiten, die einer weiteren Verengung entgegenwirken. Unter Umständen kann auch eine Operation zur Beseitigung der Verengung in Erwägung gezogen werden. Einengungen der Halsschlagadern deuten aber nicht nur auf ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko hin, sondern auch auf eine erhöhtes Risiko für Gefäßkrankheiten und Arterienverkalkung in anderen Bereichen des Körpers (Herz, Beine). Aus diesem Grund sind weitere Untersuchungen notwendig, um mögliche Erkrankungen festzustellen.

Patienten, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben oder bei denen eine zeitlich begrenzte Durchblutungsstörung im Gehirn aufgetreten ist, müssen Medikamente einnehmen, um die Bildung von neuen Blutgerinnseln zu verhindern. Gerade bei dieser Personengruppe besteht ein hohes Risiko für weitere Schlaganfälle. 7% der Personen, die eine transitorisch-ischämische Attacke (TIA) erlitten haben, bekommen ohne Behandlung innerhalb eines Jahres einen vollendeten Schlaganfall. Dabei ist das Risiko in den ersten Tagen und Wochen nach einer TIA am höchsten. Bei Schlaganfall-Patienten sieht es noch schlechter aus. Jeder Zehnte von ihnen erleidet ohne vorbeugende medikamentöse Maßnahmen innerhalb von 12 Monaten einen zweiten Schlaganfall.

Deshalb muss jeder Verdacht auf eine Hirndurchblutungsstörung durch eine ärztliche Untersuchung abgeklärt werden, auch wenn die Durchblutungsstörung nur wenige Minuten gedauert hat. Zur medikamentösen Vorsorge werden Wirkstoffe eingesetzt, die eine Verklumpung der Blutblättchen verhindern (Thrombozytenaggregationshemmer). Dazu zählen Acetylsalicylsäure und Clopidogrel. Je nach Ursache der Durchblutungsstörung kommen auch Medikamente zur Anwendung, welche die Blutgerinnung vermindern (Antikoagulantien). In jedem Fall ist es wichtig, die vom Arzt verordneten Medikamente regelmäßig einzunehmen.   

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Christian Gerloff, Hamburg (DGN)