Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Kontrolle der Blase

Bis zu einem Alter von fünf Jahren sind die meisten Kinder nachts trocken. Machen aber ältere Kinder noch ins Bett (Enuresis) oder tags in die Hose (Harninkontinenz), sind Eltern oft beunruhigt. Ärzte betonen jedoch, dass die Enuresis und Harninkontinenz häufig ist und gut behandelt werden kann.

Eltern sollten wissen, dass:

  • Ungefähr 10 Prozent der Kinder (Jungen doppelt so oft wie Mädchen) im Alter von sieben Jahren noch ins Bett machen
     
  • Ungefähr 2-3% der siebenjährigen Kinder tags in die Hose machen
     
  • Bettnässen familiär gehäuft auftreten kann
     
  • Das Einnässen tags verschiedene Ursachen hat
     
  • Bettnässen und Einnässen tags mit zunehmendem Alter seltener wird  - allerdings nässen auch ein bis zwei Prozent der Jugendlichen noch nachts ein (tags sind es 0,5% bis 1%)

Nässen über 5-jährige Kinder noch ein, ist das nur in seltenen Fällen ein Hinweis auf eine Störung der Niere, der Blase oder auf eine sonstige körperliche Erkrankung. Vielmehr ist eine sich langsamer als bei anderen Kindern entwickelnde Blasenkontrolle häufig die Ursache für das Bettnässen, die überwiegend genetisch bedingt ist.  Für das Bettnässen gibt es darüber hinaus auch psychosoziale Gründe, die Auslöser für Rückfälle sein können. Beginnt ein Kind nach Monaten oder gar Jahren des Trockenbleibens wieder ins Bett zu machen, kann das an Ängsten oder Unsicherheiten liegen, die das Kind belasten. Diese können z.B. durch einen Umzug in eine andere Stadt, den Verlust eines Familienmitgliedes oder durch die Geburt eines Geschwisterkindes verursacht werden. Aber auch Ärger mit anderen Kindern, mit Erzieher(innen) oder Lehrern kann zu einem Rückfall führen. Eltern können darauf vertrauen, dass Kinder nie absichtlich ins Bett machen, sie schämen sich in der Regel für den Vorfall. Sie sollten ihrem Kind daher Mut machen und ihm vermitteln, dass sie fest davon überzeugt sind, dass es schon bald nachts trocken bleibt.

Beim Einnässen tags gibt es viele verschiedene Formen, die unterschiedliche Ursachen haben. Auch ist die Rate von begleitenden körperlichen Erkrankungen wie Harnwegsinfekte häufiger als beim Bettnässen, so dass die Kinder besonders sorgfältig vom Kinderarzt untersucht werden müssen.

Ein Besuch beim Kinderarzt kann oft sehr hilfreich sein, um den Ursachen für das Einnässen auf die Spur zu kommen. Er kann bei Bedarf an einen Kinder- und Jugendpsychiater überweisen. Bei seelischen Problemen, wie z.B. ADHS, andauernde Traurigkeit, Verstörtheit oder einer Änderung der Ess- und Schlafgewohnheiten sollten sich Eltern mit dem Kind dagegen an einen Kinder- und Jugendpsychiater wenden. Er versucht gemeinsam mit dem Kind und seinen Eltern die Probleme zu lösen.

Kontrolle des Darms

Im Alter von ungefähr vier Jahren sind die meisten Kinder sauber und können ihre Darmentleerung kontrollieren. 2-3% der 4-Jährigen und 1% der 13-Jährigen koten noch ein (Enkopresis). Die Enkopresis kann sich bei einigen Kindern in das Jugendalter und sogar junge Erwachensenenalter fortsetzen. Deshalb ist eine frühe Behandlung  unbedingt notwendig. Jungen sind drei bis viermal häufiger betroffen als Mädchen. Körperliche Ursachen wie Erkrankungen des Darms (z.B. Hirschsprung’sche Erkrankung) müssen ausgeschlossen sein. Zwei verschiedene Formen können unterschieden werden: die Enkopresis mit und die Enkopresis ohne Verstopfung (Obstipation).

Häufig haben die betroffenen Kinder auch andere Probleme, wie z.B. Aufmerksamkeitsprobleme, geringe Frustrationstoleranz, Hyperaktivität, Depression, Angst oder eine schlechte Koordinationsfähigkeit. Manchmal beginnt ein Kind  nach einer stressigen Veränderung in seinem Leben, wie z.B. der Geburt von Geschwistern, Trennung oder Scheidung der Eltern, familiären Problemen oder Umzug in ein neues Zuhause "in die Hose zu machen".

Ein Drittel der Kinder, die einkoten, nässen auch ein. Häufig liegt dies daran, dass Kot gegen die Blase drückt und auf diese Weise die Blasenfunktion beeinträchtigt (bei Obstipation).

Kinder im Schulalter mit Problemen der Darmkontrolle sollten vom Hausarzt oder Kinderarzt gründlich untersucht werden. Wenn keine körperlichen Gründe gefunden werden, sollte das Kind von einem Kinder- und Jugendpsychiater untersucht werden, der feststellt, inwieweit seelische Probleme zu der Enkopresis beitragen. Kinder- und Jugendpsychiater behandeln die Enkopresis mit einer Kombination aus Erziehungs-, Verhaltens- und psychologischen Methoden. Den meisten Kindern mit Enkopresis kann geholfen werden, aber der Fortschritt tritt möglicherweise nur langsam ein. Eine intensive Behandlung sollte daher früh einsetzen, um soziale und emotionale Belastungen des Kindes und der Familie zu verhindern bzw. zu reduzieren.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. Alexander von Gontard, Homburg/Saar (DGKJP)