Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Ursachen: Einkoten (Enkopresis)

Auch das Einkoten kann genetisch bedingt sein, vor allem wenn sie zusätzlich eine Verstopfung (Obstipation) haben. Bei der Enkopresis mit Obstipation verweilt die Nahrung  länger als üblich im Darm und wird daher stärker eingedickt. Weil der Stuhl dabei trocken und hart wird, kann seine Ausscheidung dann sehr schmerzhaft sein. Häufig entspannt auch der äußere Schließmuskel nicht richtig. Bei anderen Betroffenen ist dagegen die Wahrnehmung für den Stuhldrang vermindert oder der Darm wird massiv ausgeweitet.

Untersuchungen haben ergeben, dass etwa ein Drittel der Kinder, die einkoten, auch einnässen. Dies wird damit erklärt, dass der Enddarm und die Blasenhinterwand eng beieinander liegen. Bei einer Ausdehnung des Rektums wird automatisch Druck auf die Blase ausgeübt. Manchmal können die Betroffenen die Blase dann nicht vollständig entleeren oder der Harn staut sich im Nierenbecken. Außerdem werden die Schließmuskeln von Darm und Blase, die beide Teil der Beckenbodenmuskulatur sind, immer gemeinsam angespannt oder entspannt.

Es gibt aber auch Kinder, die einkoten, obwohl sie nicht unter einer Obstipation leiden. Die Ursachen für diese Fälle sind bisher nicht im Detail bekannt.

Bei 30-50% der Kinder, die einkoten, werden gleichzeitig bestehende psychische Auffälligkeiten festgestellt. Allerdings kann selten geklärt werden, ob das Einkoten eine Folge der psychischen Probleme ist oder ob die psychischen Störungen eine Folge des Einkotens sind. Aufmerksamkeitsprobleme, Hyperaktivität, Störungen des Sozialverhaltens oder emotionale Störungen werden häufig im Zusammenhang mit der Enkopresis beobachtet.

Untersuchungen haben ergeben, dass Kinder, die frühzeitig konsequent zur Sauberkeit angehalten werden, zwar früher sauber sind, zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr aber häufig rückfällig werden. Ab dem fünften Lebensjahr hat die Sauberkeitserziehung dann keinen Einfluss auf das Einkoten mehr.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. Alexander von Gontard, Homburg/Saar (DGKJP)