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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Therapie: Einkoten (Enkopresis)

In einem ersten Schritt sollten die betroffenen Kinder an einen regelmäßigen Stuhlgang gewöhnt werden. Natürliche Entleerungsreflexe des Darms nach den Mahlzeiten erleichtern dieses Training. Hierzu sollten die Kinder nach dem Frühstück, Mittagessen und Abendessen etwa 5 bis 10 Minuten lang entspannt auf der Toilette sitzen. Hierbei sollten sie die Füße auf einem Bänkchen aufstellen können. Damit ihnen nicht langweilig wird, können sie derweil lesen, malen oder spielen. Klingelt nach 10 Minuten der Wecker, soll das Kind die Toilette verlassen. In einem Kalender wird erfasst, wann die Kinder Urin oder Kot ausscheiden. Zusätzlich sollte eventuelles Einkoten vermerkt werden. Für ihre Kooperation können die Kinder nach jedem geplanten Toilettenbesuch eine kleine Belohnung erhalten, unabhängig davon ob sie ihr Geschäft erledigen oder nicht. Unfälle werden nicht bestraft. Insbesondere beim Einkoten ohne Verstopfung reichen diese Maßnahmen meist aus.

Bei Kindern, die unter Verstopfung leiden, sind zusätzliche Maßnahmen notwendig. Da sich in ihrem Darm möglicherweise viel Kot angesammelt hat, muss dieser erst einmal ausgeleitet werden. Deshalb verschreibt der Kinder- und Jugendarzt bei Bedarf ein Medikament namens Polyethylenglykol. Die Dosierung wird vom behandelnden Arzt im Einzelfall festgelegt. Der Wirkstoff bindet Wasser im Darm, weicht den Stuhl auf und sorgt für eine schnelle Darmentleerung. Begleitend muss das Kind reichlich trinken. Bei manchen Kindern reicht dieses Medikament zur Darmentleerung nicht aus, so dass auch Einläufe durchgeführt werden müssen.

Ist der Darm erst entleert, ist es wichtig, dass sich keine neuen Kotmassen im Darm ansammeln. Daher muss das Kind in den folgenden Monaten konsequent nach dem Essen auf die Toilette geschickt werden. Zusätzlich soll das Kind über einen längeren Zeitraum (meist 6 Monate bis 2 Jahre) mit Poylethylenglykol behandelt wird. Wird die Obstipation dadurch verursacht, dass die Kinder zu wenig trinken, muss man auch die tägliche Trinkmenge erhöhen. Schulkinder etwa sollten täglich ein bis zwei Liter trinken. Eventuell ist auch eine Ernährungsumstellung notwendig, damit die Kinder ausreichend Ballaststoffe, Obst und Gemüse aufnehmen.

30 bis 50 Prozent der Kinder benötigen darüber hinaus eine Behandlung beim Kinder- und Jugendpsychiater, insbesondere bei ausgeprägten Verhaltensstörungen. Bei Therapieresistenz können auch hier Schulungsprogramme in Kleingruppen den gewünschten Erfolg bringen.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. Alexander von Gontard, Homburg/Saar (DGKJP)