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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Kontrolle des Darms

Im Alter von ungefähr vier Jahren sind die meisten Kinder sauber und können ihre Darmentleerung kontrollieren. 2-3 % der 4-Jährigen und 1 % der 13-Jährigen koten noch ein (Enkopresis). Die Enkopresis kann sich bei einigen Kindern in das Jugendalter und sogar junge Erwachensenenalter fortsetzen. Deshalb ist eine frühe Behandlung  unbedingt notwendig. Jungen sind drei bis viermal häufiger betroffen als Mädchen. Körperliche Ursachen wie Erkrankungen des Darms (z.B. Hirschsprung’sche Erkrankung) müssen ausgeschlossen sein. Zwei verschiedene Formen können unterschieden werden: die Enkopresis mit und die Enkopresis ohne Verstopfung (Obstipation).

Häufig haben die betroffenen Kinder auch andere Probleme, wie z.B. Aufmerksamkeitsprobleme, geringe Frustrationstoleranz, Hyperaktivität, Depression, Angst oder eine schlechte Koordinationsfähigkeit. Manchmal beginnt ein Kind  nach einer stressigen Veränderung in seinem Leben, wie z.B. der Geburt von Geschwistern, Trennung oder Scheidung der Eltern, familiären Problemen oder Umzug in ein neues Zuhause "in die Hose zu machen".

Ein Drittel der Kinder, die einkoten, nässen auch ein. Häufig liegt dies daran, dass Kot gegen die Blase drückt und auf diese Weise die Blasenfunktion beeinträchtigt (bei Obstipation).

Kinder im Schulalter mit Problemen der Darmkontrolle sollten vom Hausarzt oder Kinderarzt gründlich untersucht werden. Wenn keine körperlichen Gründe gefunden werden, sollte das Kind von einem Kinder- und Jugendpsychiater untersucht werden, der feststellt, inwieweit seelische Probleme zu der Enkopresis beitragen. Kinder- und Jugendpsychiater behandeln die Enkopresis mit einer Kombination aus Erziehungs-, Verhaltens- und psychologischen Methoden. Den meisten Kindern mit Enkopresis kann geholfen werden, aber der Fortschritt tritt möglicherweise nur langsam ein. Eine intensive Behandlung sollte daher früh einsetzen, um soziale und emotionale Belastungen des Kindes und der Familie zu verhindern bzw. zu reduzieren.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. Alexander von Gontard, Homburg/Saar (DGKJP)