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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Was sind Psychopharmaka?

Ein wichtiger Baustein in der Therapie psychischer Erkrankungen sind heutzutage Medikamente, so genannte Psychopharmaka. Darunter versteht man Substanzen, die bestimmte Stoffwechselvorgänge im Gehirn beeinflussen und so die psychische Verfassung verändern – Fachleute sprechen von psychoaktiven bzw. -tropen Effekten. Die Substanzen, die im Medikament enthalten sind, wirken entweder direkt oder indirekt über ihre Stoffwechselprodukte im Körper.

Unverzichtbar sind Psychopharmaka insbesondere bei der Behandlung schwerer psychischer Störungen

Psychopharmaka gehören mittlerweile zu den am häufigsten verordneten Medikamenten. Sie werden nicht nur von Psychiatern und Nervenärzten, sondern von Ärzten aller Fachrichtungen eingesetzt. Unverzichtbar sind Psychopharmaka insbesondere bei der Behandlung schwerer psychischer Störungen wie Schizophrenie oder Bipolarer (manisch-depressiver) Erkrankungen oder schwerer depressiver Störungen. Auch bei der Therapie starker Angst- und Zwangsstörungen kommt ihnen eine wichtige Rolle zu. Viele Erkrankungen werden durch die auf die Psyche wirkenden Medikamente erst behandelbar, indem sie u.a. eine Basis für eine psychotherapeutische Behandlung und weitere Behandlungen (wie z.B. Soziotherapie) schaffen. Oft wird nur durch den Einsatz von modernen Psychopharmaka eine ambulante Behandlung der Patienten möglich – mit dem Ziel, dass diese sich schneller wieder in Gesellschaft und Beruf einfinden können.

Wie alle Medikamente haben auch Psychopharmaka Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln. Dies macht deutlich, warum ein sachgemäßer Einsatz der Substanzen unter strenger ärztlicher Kontrolle notwendig ist. Nicht nur muss bei jedem Patienten der persönliche Nutzen gegenüber den Nebenwirkungen eines Wirkstoffs abgewogen werden. Entscheidend ist vielmehr gerade bei psychischen Erkrankungen, dass die medikamentöse Therapie in der Regel lediglich Teil eines Gesamt-Behandlungsplans ist, der auch psychotherapeutische und weitere therapeutische Schritte beinhaltet. Und wie für die Psychotherapie gilt auch hier, dass eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Arzt und Patient die Basis der Behandlung bilden muss.

Bei den Psychopharmaka werden üblicherweise sieben Gruppen unterschieden:

  •     Antidepressiva
  •     Stimmungsstabilisierer (Phasenprophylaktika)
  •     Antipsychotika (Neuroleptika)
  •     Anxiolytika / Hypnotika
  •     Antidementiva
  •     Psychostimulanzien
  •     Sonstige Psychopharmaka

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Peter Falkai, München (DGPPN) und Prof. Dr. med. Martin Hatzinger, Solothurn (SGPP)