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Psychopharmaka: Phasenprophylaktika bzw. Stimmungsstabilisierer

Phasenprophylaktika wirken bei depressiven und manischen Phasen stimmungsausgleichend.

Stimmungsstabilisierer, auch als Phasenprophylaktika bezeichnet, werden insbesondere bei bipolaren Erkrankungen angewendet, um das Rückfallrisiko in eine erneute Krankheitsphase zu verringern bzw. möglichst ganz zu verhindern. Die gebräuchlichsten Substanzen sind Lithium sowie verschiedene Antikonvulsiva, z.B. Carbamazepin, Lamotrigin und Valproinsäure (Antiepileptika). Medikamente, die ursprünglich zur Behandlung von Epilepsie zugelassen wurden.

Wirkung von Phasenprophylaktika

Phasenprophylaktika wirken bei depressiven und manischen Phasen stimmungsausgleichend. Trotz seines über mehrere Jahrzehnte erfolgreichen Einsatzes als Phasenprophylaktikum ist die genaue Wirkungsweise von Lithium bis heute nicht geklärt. Es ruft eine Reihe von Reaktionen im Körper hervor, wirkt beispielsweise ähnlich wie der Neurotransmitter Serotonin, ein Botenstoff, der für die Übertragung bestimmter Nervenimpulse wichtig ist. Auch das Gefühl für Tag- und Nachtphasen des Körpers beeinflusst Lithium. Darüber hinaus soll es an so genannten Signaltransduktions¬mechanismen (Kaskaden-Reaktionen, die viele Hormonsignale und Sinnesreize übertragen) beteiligt sein. Die unterschiedlichen Wirkmechanismen der eigentlichen Antiepileptika Carbamazepin, Valproinsäure und Lamotrigin hinsichtlich einer Stimmungsstabilisierung sind noch nicht im Einzelnen geklärt.

Anwendung von Phasenprophylaktika

Die Behandlung mit Lithium muss individuell auf den Patienten abgestimmt werden. Bei jeder Therapieentscheidung ist eine kritische  Abwägung von den möglichen Risiken und den möglichen Vorteilen erforderlich. Bei der Therapie mit Lithium (z.B. bei biploaren Erkrankungen) muss der Arzt die Dosis individuell auf den Patienten anpassen. Wichtig ist aber auch, dass der Patient in der Lage ist, das Medikament verlässlich mit der genau angegebenen Dosierung zu nehmen. Da das Risiko relativ hoch ist, dass man bei der Dosierung in den potentiell gefährlichen Dosisbereich kommt (diese enge Wirkungsbereich wird auch als geringe therapeutische Breite bezeichnet), sind regelmäßige Untersuchungen des Blutserumspiegels erforderlich. Die optimale Blutspiegeleinstellung muss jeweils mit dem Arzt abgesprochen werden. Antikonvulsiva wie Carbamazepin werden vor allem dann eingesetzt, wenn die Therapie mit Lithium erfolglos war. Lamotrigin wird vor allem zur Stabilisierung der Stimmung bei unipolaren Depressionen angewendet. Stimmungsstabilisierer machen auch bei längerer Einnahme nicht abhängig.

Nebenwirkungen von Phasenprophylaktika

Zu den häufigsten unerwünschten Begleiterscheinungen von Lithium (vor allem bei Überdosierung) zählen Durst, Übelkeit, Durchfall, Gewichtszunahme, Gedächtnisstörungen und eine Vergrößerung der Schilddrüse. Außerdem kann es zu Zittern kommen. Lithium wird über die Nieren ausgeschieden; die Folge von Überdosierung sind Austrocknungssymptome und Kochsalzmangel. Bei weiterer Überdosierung treten insbesondere stärkeres Zittern auf sowie unkoordinierte Bewegungen und Sprachstörungen bis hin zu Benommenheit.  Aus diesem Grund muss der Medikamentenspiegel von Lithium im Blut regelmäßig vom Arzt kontrolliert werden. Ebenso müssen die Nierenwerte regelmäßig kontrolliert werden.
Häufige Nebenwirkungen von Carbamazepin sind Schwindel, Bewegungsstörungen, Benommenheit, Hautreaktionen und Sehstörungen. Diese Nebenwirkungen treten vor allem zu Beginn der Behandlung auf.

Lamotrigin ist im allgemeinen gut verträglich. Allerdings gibt es seltene allergische Reaktionen auf das Medikament. Aus diesem Grund erfolgt beim Lamotrigin die Aufdosierung nur sehr langsam über mehrere Wochen.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Peter Falkai, München (DGPPN) und Prof. Dr. med. Martin Hatzinger, Solothurn (SGPP)