Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Psychopharmaka: Antidementiva

Als Antidementiva, (Acetylcholinesterasehemmer, Glutamat-Antagonisten) werden Medikamente bezeichnet, die kognitive Fähigkeiten, d.h. Gedächtnisfunktionen sowie Konzentrations-, Lern- und Denkfähigkeit verbessern können und die dadurch krankheitsbedingte Beeinträchtigungen sozialer Alltagsaktivitäten vermindern. Sie spielen - wie der Name schon sagt - vor allem eine Rolle bei Demenz-Erkrankungen.
Darüber hinaus gibt es so genannte Nootropika wie Ginkgo biloba, Nicergolin, Nimodipin und Piracetam, die ebenfalls die Hirnfunktionen verbessern sollen. Ihre Wirksamkeit gilt aber wissenschaftlich als nicht gesichert, die Wirkmechanismen sind im Einzelnen nicht bekannt.

Wirkung Von Antidementiva

Antidementiva beeinflussen - wie auch andere Psychopharmaka – Botenstoffe im Gehirn (Neurotransmitter) insbesondere Acetylcholin oder Glutamat. Die meisten Antidementiva sind für die Alzheimer-Demenz erprobt. Dabei spielen vor allem die so genannten (Acetyl)Cholinesterase¬hemmer eine Rolle (z.B. Donepezil, Galantamin, Rivastigmin), denn es hat sich gezeigt, dass bei Alzheimer-Patienten die Konzentration des Neurotransmitters Acetylcholin verringert ist. Die Wirkstoffe aus dieser Gruppe hemmen das Enzym Acetylcholinesterase, einen Eiweißstoff, der am Abbau des Acetylcholins im Körper beteiligt ist. Galantamin übt neben der Enzym-Hemmung auch einen Effekt auf so genannte nikotinische Rezeptoren aus und fördert damit die Bindung von Acetylcholin an die Nervenzellen. Einen anderen Weg hinsichtlich des Wirkmechanismus beschreiten so genannte Glutamat-Antagonisten (z.B. Memantine). Diese Substanzen blockieren die Glutamat-Empfangsstellen an den Synapsen (Verbindung zwischen zwei Nervenstellen) und hemmen so die Erregungsweiterleitung an den Nervenzellen, die durch Glutamat reguliert werden.

Anwendung von Antidementiva

Auch wenn Antidementiva die Abbauprozesse der Nervenzellen nicht dauerhaft aufhalten können, so lässt sich durch den Einsatz von (Acetyl)Cholinesterasehemmern bei leichten bis mittelschweren Demenzen die Abnahme des kognitiven Leistungsvermögens für eine kurze Zeit aufhalten und in seltenen Fällen sogar verbessern. Je früher die Behandlung ansetzt, desto besser. Glutamat-Antagonisten sind bei schweren Demenz-Formen angezeigt. Insgesamt können Antidementiva zu einer Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen und damit auch der Angehörigen beitragen und den Verlauf der Krankheit etwas verzögern. Allerdings gehören nicht alle Patienten zu den Respondern, d.h. bei ihnen zeigt die Medikamenten-Gabe keine Wirkung, sie sprechen auf die Therapie nicht an.

Wie für alle Psychopharmaka, so gilt auch hier ganz besonders, dass neben der medikamentösen Therapie eine psychosoziale Betreuung erfolgen sollte. Antidementiva machen auch bei längerer Einnahme nicht abhängig.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Peter Falkai, München (DGPPN) und Prof. Dr. med. Martin Hatzinger, Solothurn (SGPP)