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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Was ist Psychoedukation?

Psychoedukation ist ganz allgemein der Versuch, komplizierte medizinisch-wissenschaftliche Fakten so zu übersetzen, dass sie von betroffenen Patienten und deren Angehörigen gut verstanden werden. Dadurch soll den Patienten und ihren Angehörigen geholfen werden, die wichtigsten Informationen über die Erkrankung und die erforderlichen Behandlungsmaßnahmen begreifen und nachvollziehen zu können. Das Verstehen-Können der eigenen Erkrankung ist die Grundvoraussetzung für den selbstverantwortlichen Umgang mit der Erkrankung und ihre erfolgreiche Bewältigung.

Psychoedukation: Aufklärung von betroffenen Patienten und deren Angehörigen

Der Begriff "Edukation" ist abgeleitet von dem lateinischen Wort „educare“ - d.h. Patienten und Angehörige sollen aus dem Zustand der Unwissenheit und der Unerfahrenheit "herausgeführt werden". Psychoedukation bedeutet somit die therapeutisch angeleitete Begleitung von Patienten und Angehörigen auf ihrem Weg zu mehr Fachwissen und mehr Überblick über die Erkrankung, die erforderlichen Therapiemaßnahmen und die möglichen Selbsthilfestrategien.

Der Begriff "Psychoedukation" wurde in der Psychiatrie erst in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts eingeführt. Er wurde aus dem Englischen übernommen, wodurch der internationale wissenschaftliche Austausch darüber erleichtert wurde. In der alltäglichen Praxis werden die psychoedukativen Gruppen vielfach unter anderen Bezeichnungen angeboten: Sie heißen Info-Gruppe, Psychose-Gruppe, Angehörigen-Gruppe etc.

Einzelgespräche oder Gruppentreffen

Es gibt verschiedene Formen der Psychoedukation. Die bisher häufigste Form ist sicher das psychoedukative Einzelgespräch: Hier versucht der Therapeut in sehr anschaulicher und verständlicher Weise, den Patienten oder auch dessen Angehörige über die Hintergründe der Erkrankung und die erforderlichen Behandlungsmaßnahmen aufzuklären.

Besonders hilfreich ist Psychoedukation, wenn sie in Gruppen erfolgt, d.h. wenn mehrere Patienten gemeinsam über ihre spezielle Erkrankung informiert werden und sich darüber austauschen können. Die Sichtweise der anderen und ihre positiven Erfahrungen mit Therapie- und Selbsthilfemöglichkeiten bieten eine große Unterstützung beim Gesundwerden und für den Umgang mit möglichen zukünftigen Krisensituationen. Auch Angehörige profitieren besonders vom Besuch einer psychoedukativen Gruppe und vom gemeinsamen Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen.

*Textautoren: Dr. med. Josef Bäuml u. Dipl.-Psych. Dr. Gabi Pitschel-Walz, 2005