Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Aufklärung durch Psychoedukation

Neben dem gemeinsamen Erfahrungsaustausch in der psychoedukativen Gruppe und der wichtigen Erfahrung, dass man nicht der einzige Mensch ist, der derartige Erlebnisse und Beschwerden durchgemacht hat, steht für viele Patienten und Angehörige folgende Frage im Mittelpunkt: Wie kann man sich erklären, dass "Chemie und Seele" zusammenpassen und kein unvereinbarer Widerspruch sind?

In den psychoedukativen Gruppen wird erarbeitet, inwiefern jede Wahrnehmung, jedes Gefühl, jeder Gedanke auch eine biochemische Entsprechung im Gehirn hat und welche Veränderungen im Gehirnstoffwechsel auftreten, wenn ein Mensch eine psychotische Krise durchlebt. Durch den behutsamen und allmählichen Aufbau eines biologisch-medizinischen Wissens unter Einbeziehung der psychologischen Erkenntnisse kann eine gut nachvollziehbare Brücke zwischen dem normalen Alltagswissen von Laien und dem Spezialwissen der heutigen Wissenschaft geschlagen werden.

Wenn klar wird, dass Chemie und Seele keine unüberbrückbaren Gegensätze, sondern zwei sich ergänzende Seiten der gleichen Medaille darstellen, dann stellt sich für die meisten nicht mehr die Frage: Medikation oder Psychotherapie? Dann wird es eigentlich eine ganz normale Selbstverständlichkeit, dass sich Medikation und Psychotherapie ergänzen und erst in dieser Kombination zu einem Behandlungsfortschritt führen können.

Die psychoedukativen Gruppen stellen hierbei einen Teil der psychotherapeutischen Basisbehandlung dar. Die Vermittlung eines tragfähigen und stabilen Wissens ist ein ganz wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Selbstsicherheit und Selbstkompetenz, d.h. zur Fähigkeit, sein Leben selbst in die Hände zu nehmen.

 

*Textautoren: Dr. med. Josef Bäuml u. Dipl.-Psych. Dr. Gabi Pitschel-Walz, 2005