Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Ursachen von Schlafstörungen

Schlafstörungen können verschiedene Ursachen haben:

1. Psychiatrische Erkrankungen

Mehr als die Hälfte aller  Schlafstörungen sind Vorboten oder Begleitsymptome psychiatrischer Erkrankungen. Bei fast allen schweren Formen können Ein- und Durchschlafstörungen oder das Gefühl, tagsüber nicht erholt zu sein, auftreten. Ganz besonders häufig betroffen sind Patienten mit Depressionen, bei denen neben Ein- und Durchschlafstörungen ganz typisch ein Erwachen in den frühen Morgenstunden ist, nach welchem die Patienten nicht wieder einschlafen können. Bei Angststörungen ist besonders das Einschlafen stark gestört, bei Patienten mit Demenz verändert sich häufig die Verteilung des Schlafes über den Tag hinweg massiv, so dass im Extremfall die Patienten tagsüber fast nur noch schlafen und nachts wach sind. Missbrauch und Abhängigkeit von Alkohol und Drogen führen zu unterschiedlichsten Schlafstörungen, ganz häufig kommt es aber zu schweren Durchschlafstörungen, die auch nach Weglassen der auslösenden Substanz über Jahre weiter bestehen können.

Als primäre Insomnie wird ein Krankheitsbild bezeichnet, bei dem schwere Ein- und Durschlafstörungen mit Beeinträchtigungen der Tagesbefindlichkeit ohne wesentliche Symptome einer anderen psychiatrischen Erkrankung auftreten. Auch diese Form der Schlafstörung ist für die Patienten sehr belastend und bedarf deshalb unbedingt einer Behandlung.

körperliche und psychische Ursachen bei Schlafstörungen: Erkrankungen des Gehirns
(©Deminios - fotolia.com) Schlafstörungen können verschiedene Ursachen haben z.B. Gehrinerkrankungen

2. Andere Gehirnerkrankungen

Viele neurologische Erkrankungen, wie Multiple Sklerose, die Parkinson’sche Erkrankung, Epilepsien, Gehirntumore und der Schlaganfall führen zu erheblichen Schlafstörungen und zum Teil auch zu erhöhter Tagesmüdigkeit. Bestimmte Erkrankungen des Zwischenhirns können massive Tagesmüdigkeit im Rahmen einer sogenannten idiopathischen Hypersomnie oder einer Narkolepsie verursachen. Zu den neurologischen Erkrankungen gehören auch nächtliche Bewegungsstörungen, von denen die wichtigste das Restless-Legs-Syndrom ist, bei dem es in der Nacht zu unangenehmen Missempfindungen der unteren Extremität kommt, die das Einschlafen behindern und zu unwillkürlichen nächtlichen Beinbewegungen führen, die die Schlafkontinuität stören. Eine Vielzahl weiterer nächtlicher Bewegungsstörungen; z.B. auch Schlafwandeln, können den Schlaf beeinträchtigen.

3. Nächtliche Atmungsstörungen

Nächtliche Atmungsstörungen betreffen 2 bis 5 % der Bevölkerung. Schnarchen, ein Alarmsymptom für nächtliche Atmungsstörungen, ist sogar noch wesentlich häufiger. Vor allem, aber nicht ausschließlich Menschen, die Schnarchen, weisen während des Schlafens nicht selten Atempausen auf. Während solcher Pausen, die als Apnoen bezeichnet werden, kommt es zu einer Abnahme des Sauerstoffgehalts im Blut. Schlafapnoen dauern im Mittel 30 Sekunden, können aber auch über ein bis zwei Minuten anhalten. Am häufigsten sind sogenannte obstruktive Apnoen, bei denen es im Schlaf durch eine zu intensive Erschlaffung der Muskulatur und zu enge anatomische Verhältnisse im Rachenraum zum Kollabieren der Atemwege kommt. Am Ende jeder Atempause steht eine Weckreaktion, weshalb der Schlaf solcher Patienten erheblich gestört ist. Solche Atempausen, die bei schwer betroffenen Patienten viele hundert Mal pro Nacht vorkommen, stören nicht nur die Schlafkontinuität, sondern führen jedes Mal zu einer erheblichen Stressreaktion mit Ausschüttung von Stresshormonen. Deshalb ist das Schlafapnoe-Syndrom eine Erkrankung, die mit einem erhöhten Risiko für Gefäß- und Stoffwechselerkrankungen verbunden ist. Der überwiegende Teil der Patienten bemerkt diese Schlafstörung selbst nicht und leidet ausschließlich an erhöhter Tagesmüdigkeit.

4. Sonstige Erkrankungen

Eine Vielzahl von Erkrankungen, die nicht primär das Gehirn betreffen, können indirekt erhebliche negative Wirkung auf den Schlaf haben. Hierzu gehören hormonelle Erkrankungen (z.B. Schilddrüsenerkrankungen, Hypophysenerkrankungen, Nebennierenrindenerkrankungen) aber auch chronische-entzündliche Prozesse wie die rheumatoide Arthritis und Krebserkrankungen. Alle Erkrankungen, die mit Schmerzen einhergehen, können den Schlaf ganz erheblich stören und umgekehrt scheinen chronische Schlafstörungen die Schmerzempfindlichkeit zu erhöhen.

Medikamente und Alkohol beeinträchtigen den Schlaf
(©Miriam Doerr - fotolia.com) Alkohol und Medikamente können den Schlaf stören

5. Drogen und Medikamente

Geringe Mengen Alkohol (ein Glas Wein oder Bier) fördern  das Einschlafen.  Alkohol behindert jedoch das Durchschlafen und vermindert  insgesamt die Erholsamkeit des Schlafes.  Viele Medikamente für die unterschiedlichsten Erkrankungen können Schlafstörungen verursachen (Beipackzettel beachten!) und bestimmte Schlafmittel führen dauerhaft eingenommen zu einer Abhängigkeit und zu weiter bestehenden, zum Teil sogar zunehmenden Schlafstörungen.

Selbstverständlich hat die Schlafumgebung einen erheblichen Einfluss. Lärm, die Lichtverhältnisse, die Umgebungstemperatur, all diese Faktoren können den Schlaf stark beeinträchtigen. Darüber hinaus gibt es auch Verhaltensweisen, die einem gesunden Schlaf abträglich sind. Hierzu zählen unregelmäßige Schlafenszeiten, Schichtarbeit, die Einnahme großer Mahlzeiten zum Abendessen, sehr intensiver Sport direkt vor dem Schlafengehen und ähnliches.

Sorgen und Nöte in Beruf und im Privatleben führen häufig zu vorübergehenden Schlafstörungen. Dann, wenn es akuten Anlass zur Besorgnis gibt, stellen solche Schlafstörungen keine Erkrankung dar und verschwinden nach Abklingen des Stressors in aller Regel spontan. Sollten die privaten und beruflichen Belastungen allerdings dauerhaft anhalten oder sollte die Schlafstörung darüber hinaus wesentlich andauern, empfiehlt sich eine Abklärung und ggf. Behandlung.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. Thomas Pollmächer (Autor), Ingolstadt (DGPPN) und Prof. Dr. med. Martin Hatzinger, Solothurn (SGPP)