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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Behandlungsmöglichkeiten von Schlafstörungen

Die Behandlung von Schlafstörungen richtet sich immer nach ihrer Ursache. Liegen organische Erkrankungen wie z.B. ein Schlafapnoe-Syndrom oder psychische Störungen vor, so müssen zuerst diese vom entsprechenden Facharzt behandelt werden.

Aufklärung und Beratung über Schlafstörungen sind die Grundlagen einer Behandlung. Diese umfasst ein Gespräch über den normalen, altersentsprechenden Schlaf und individuelle Schwankungen sowie schlafbezogene Ängste. Mit einer Reihe von Maßnahmen (Schlafhygiene) können Betroffene den Weg zu einem besseren und erholsameren Schlaf selbst bereiten:

  • geregelte Schlafzeiten
  • generell nur bei Müdigkeit ins Bett gehen
  • ein ruhiger, abgedunkelter, mit 15-18 °C temperierter Schlafraum
  • ein angenehmes „Zu-Bett-Geh-Ritual".

Alle schlafstörenden Faktoren wie langes Aufbleiben und anregende Genussmittel (Kaffee, Schwarztee, Energie-Drinks) in den Nachmittagsstunden sowie spätabendliches Essen sollten nach Möglichkeit reduziert werden.

Behandlung und Selbsthilfe bei Schlafstörungen
(©Robert Kneschke - fotolia.com) Entspannungstechniken können bei Schlafstörungen hilfreich sein

Am einfachsten ist die Therapie, wenn der Schlaf durch Einflüsse aus der Umgebung gestört wird, die man beseitigen kann. Dazu gehören störende Lichtquellen oder Geräusche, die durch dichte Rollläden oder Doppelglasfenster verbannt werden können. Schwierig wird es, wenn man z.B. in einer Einflugschneise wohnt und aufgrund des Fluglärms nicht gut schläft. Dann hilft eigentlich nur noch umziehen. Auch falsche Schlaf- und Lebensgewohnheiten wie ein Mittagsschläfchen oder Nickerchen am Nachmittag lassen sich abstellen, so sie einmal – gerade bei älteren Menschen – als Ursache für die Schlafstörungen erkannt wurden.

Können die äußeren Einflüsse nicht beseitigt werden, hilft es unter Umständen dem Betroffenen, wenn er spezielle Entspannungstechniken (z.B. progressive Muskelrelaxation nach Jacobson) erlernt.

Vor allem bei primärer Insomnie oder bei hartnäckigen Schlafstörungen im Rahmen psychiatrischer Erkrankungen ist die beste Methode Schlafstörungen langfristig in den Griff zu bekommen, eine kognitive Verhaltenstherapie. Diese kann bei den allermeisten Patienten ambulant durchgeführt werden und wird typischerweise in kleinen Gruppen von vier bis acht Patienten durchgeführt. Die Therapie besteht aus einer Vielzahl von Bausteinen, die meist innerhalb von zwei bis drei Monaten in wöchentlichen Sitzungen zur Anwendung kommen. Hierbei geht es nicht nur um die Vermittlung allgemeinen Wissens über den Schlaf, sondern auch um die Identifizierung für den Patienten individuell wichtiger schlafbezogener Probleme und um das Wieder-Lernen richtigen und vernünftigen Schlafverhaltens.

Eine Reihe von Schlafstörungen bessert sich bzw. verschwindet durch die medikamentöse Behandlung der Ursache. Hierzu zählt z.B. Schlafstörungen im Rahmen von Depressionen und Angsterkrankungen, bei denen oft die alleinige Gabe eines spezifischen Medikaments auch die Schlafstörungen behebt.  Bei bestimmten Erkrankungen, wie z.B. bei der Narkolepsie kann es angezeigt sein, tagsüber Medikamente zur Verbesserung der Wachheit, sogenannte Stimulanzien zu verabreichen. Bei den allermeisten Patienten, die unter Schlafstörungen leiden, ist allerdings mit der Verabreichung von Medikamenten höchst vorsichtig umzugehen. Unbedenklich, in der Regel allerdings auch nur von begrenztem Nutzen, ist die Einnahme pflanzlicher Präparate. Bei der Einnahme echter Schlafmittel, sogenannter Hypnotika, ist immer Vorsicht geboten. Viele von ihnen, insbesondere Benzodiazepine und andere Substanzen mit ähnlicher Wirkweise (z.B. Zopiclon, Zaleplon und Zolpidem) sollten nur über kurze Zeiträume von wenigen Wochen eingenommen werden.

Generell dürfen Schlafmittel nur unter ärztlicher Kontrolle verwendet werden. Auch bei weniger wirksamen Schlafmitteln ist eine längere Anwendung nicht ratsam, weil sich zumindest eine psychische Abhängigkeit entwickeln kann: Die Betroffenen haben das Gefühl, ohne Schlafmittel nicht mehr einschlafen zu können. Daher sollte auch die Einnahme von pflanzlichen Präparaten wie Baldrian in Absprache mit dem Arzt erfolgen.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. Thomas Pollmächer (Autor), Ingolstadt (DGPPN) und Prof. Dr. med. Martin Hatzinger, Solothurn (SGPP)