Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Diagnostik von Schlafstörungen

Um Einzelheiten und den Charakter der Schlafstörung einordnen zu können, ist die genaue Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) des Betroffenen ein erster wichtiger Anhaltspunkt. In einem ausführlichen Arzt-Patienten-Gespräch klärt der Facharzt zudem das Schlafverhalten und die Lebensumstände des schlafgestörten Patienten ab. Folgende Punkte werden in der Regel abgefragt:

  • Abendprogramm
  • Essgewohnheiten
  • Schlafgewohnheiten
  • Schlafenszeiten
  • Rituale vor dem Einschlafen
  • Dauer der Einschlafzeit
  • Verhalten während des Schlafs
  • Häufigkeit und Dauer der Aufwachphasen
  • Aufwachzeiten
  • Befinden, Konzentrations- und Leistungsfähigkeit tagsüber 
  • Existieren Ängste, Zwänge, Alpträume, mögliche private Belastungen?
  • Medikamenten-Einnahme, Alkoholkonsum etc.

Das Führen eines Schlaftagebuchs bzw. -protokolls verhilft zu weiteren Informationen und kann auch der erste Ansatz sein, um schlafstörende Angewohnheiten zu erkennen und entsprechend zu vermeiden.

Selbstverständlich müssen alle körperlichen und psychischen Erkrankungen, die als mögliche Ursache der Schlafstörung in Frage kommen, festgestellt werden. Denn wichtig ist, ob es sich um eine reine Schlafstörung (primäre Schlafstörung) oder eine Schlafstörung in Folge einer psychischen oder körperlichen Grunderkrankung handelt (sekundäre Schlafstörung).

Apparative Untersuchungen

Sogenannte Aktometer dienen der Aufzeichnung der Bewegungsaktivität über mehrere Wochen. Sie werden wie eine Uhr am Handgelenk getragen und erlauben zwar keine genaue Analyse des  Schlafverhaltens,  aber sehr detaillierte Aussagen über die ungefähre Dauer, die Positionierung der Schlafepisoden im Tagesverlauf und die Regelmäßigkeit des Schlafens. Wenn der Verdacht auf eine nächtliche Atemstörung besteht, wird beim Patienten zu Hause ein sogenanntes Apnoe-Screening durchgeführt. Hierbei werden nicht nur die Atmung selbst sondern auch der Sauerstoffgehalt des Blutes und die Herzaktion (EKG) registriert.

Bei vielen, vor allem komplexen und länger dauernden Schlafstörungen ist eine Untersuchung im Schlaflabor notwendig. Hier werden während meist zweier aufeinander folgender Nächte sehr detaillierte Untersuchungen bezüglich der Schlafstruktur, der Schlafstadien, der nächtlichen Bewegungen und der nächtlichen Atmung durchgeführt, die eine sehr genaue Diagnose erlauben. Bei Patienten mit erhöhter Tagesmüdigkeit werden zusätzlich gelegentlich Tag-Schlaftest-Untersuchungen veranlasst.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. Thomas Pollmächer (Autor), Ingolstadt (DGPPN) und Prof. Dr. med. Martin Hatzinger, Solothurn (SGPP)