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Behandlung einer Trigeminusneuralgie

Zur Behandlung der Trigeminusneuralgie gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten. Welche Therapie im Einzelfall zu empfehlen ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab und muss in einem ausführlichen Gespräch mit dem behandelnden Neurologen geklärt werden. Am Anfang wird man immer versuchen, eine Trigeminusneuralgie konservativ mit Medikamenten zu behandeln.

Medikamentöse Therapie

Bei einer so genannten idiopathischen Trigeminusneuralgie, die nicht im Rahmen einer anderen Erkrankung auftritt, verordnet der Arzt in erster Linie Medikamente, die zur Gruppe der Antikonvulsiva bzw. Antiepileptika (z.B. die Wirkstoffe Carbamazepin, Oxcarbazepin und Gabapentin) gehören. Der Wirkstoff Carbamazepin ist zwar besonders wirksam, aber er weist auch viele mögliche Nebenwirkungen auf. Diese Substanzen können allein oder auch in Kombination zum Einsatz kommen. Die Dosierung erfolgt dabei individuell – die Menge wird in der Regel erhöht, bis der Patient schmerzfrei ist. Treten starke Nebenwirkungen auf, muss die Dosis wieder gesenkt oder das Mittel gewechselt werden.

Schmerzmittel die nach ärztlicher Anweisung gegen Trigeminusneuralgie eingesetzt werden
(© karuka - Fotolia.com) Zur Behandlung der Trigeminusneuralgie gibt es viele Ansätze

Bei häufigen Schmerzattacken werden die Nebenwirkungen einer Therapie in der Regel zunächst akzeptiert – vorausgesetzt, dass die Behandlung wirksam ist und die Betroffenen über die zu erwartende Abnahme der Nebenwirkungen im Therapieverlauf aufgeklärt sind. Lässt die Schmerzmittelwirkung nach, wird der Arzt die Dosis erhöhen. Umgekehrt – nach vier bis sechswöchiger Beschwerdefreiheit – kann man die Dosis stufenweise reduzieren. Wichtig ist eine regelmäßige Medikamenteneinnahme, um die Wirkstoffkonzentration im Blut möglichst konstant zu halten.

Versagt die medikamentöse Therapie oder beeinträchtigen die Nebenwirkungen die Lebensqualität merklich, kommen verschiedene operative oder strahlentherapeutische Verfahren in Betracht.

Perkutane Operationsverfahren

Bei den so genannten perkutanen Verfahren wird der Trigeminusnerv mit Hilfe einer Nadel, die durch die Haut eingeführt wird, thermisch (Thermokoagulation), mechanisch (Ballonkompression) oder chemisch (Glyzerinrhizolyse) zerstört. Die frühen Erfolgsraten liegen bei mehr als 90%. Bei thermischer und chemischer Behandlung hält dieser Erfolg bei acht von zehn Patienten auch nach zehn Jahren noch an. Bei mechanischer Zerstörung profitieren nach zehn Jahren immer noch sechs bis sieben von zehn Patienten. Mehr als die Hälfte der Patienten hat nach dem Eingriff eine verminderte Empfindlichkeit im Gesichtsbereich, der vom Trigeminusnerv und seinen Ästen versorgt wird. Zwei bis vier von zehn Betroffenen leiden unter unangenehmen bis schmerzhaften Fehlempfindungen. In seltenen Fällen kann es zu einem Ausfall der Oberflächensensibilität oder zu einer Entzündung der Hirnhäute kommen.

Mikrovaskuläre Dekompression des Nervus trigeminus

Bei der so genannten mikrovaskulären Dekompression wird der Kontakt zwischen Gefäß und Nerv durch das Einführen eines Kunststoffstücks (z.B. Teflon) unterbrochen. Die frühe Erfolgsrate liegt hoch. Rund acht von zehn Patienten sind nach dem Eingriff schmerzfrei, weitere zwei haben geringere Beschwerden. Nach zehn Jahren profitieren allerdings nur noch sieben von zehn Operierten. Zu Komplikationen kommt es je nach Erfahrung des Operateurs bei vier bis 34 von 100 Patienten. Bis zu 30 von 100 leiden nach dem Eingriff unter einer verminderten Empfindlichkeit im Gesichtsbereich, der vom Trigeminusnerv und seinen Ästen versorgt wird.

Radiochirurgische Behandlung

Bei der radiochirurgischen Behandlung wird ein Teilbereich des Trigeminusnervs bestrahlt und dadurch zerstört. Der Anfangserfolg dieser Methode liegt bei rund 86% und sinkt nach knapp drei Jahren auf 75% ab. Bei zehn von 100 Patienten kommt es nach der Behandlung zu unangenehmen bis schmerzhaften Fehlempfindungen. Langzeitergebnisse fehlen bisher, weil die Methode noch sehr jung ist.

Empfehlungen zu den verschiedenen Verfahren

Für ältere Menschen und Patienten mit einem erhöhten Operationsrisiko (z.B. aufgrund einer Herzkrankheit) sind am ehesten perkutane Verfahren geeignet. Die längsten Erfahrungen bestehen mit der so genannten Thermokoagulation. Der Nachteil perkutaner Verfahren ist aber, dass die Beschwerden häufig nach einigen Jahren wieder auftreten. Liegt kein erhöhtes Operationsrisiko vor, kommt am ehesten die mikrovaskuläre Dekompression in Betracht. Sie schont den Trigeminusnerv und der Operationserfolg hält länger an. Allerdings ist der Operationsrisiko größer als mit den anderen Verfahren.

Fachliche Unterstützung: PD Dr.med. Mark Obermann, Essen (DGN)