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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Ein Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) ist keine Seltenheit: Er kann fast jeden treffen. Am häufigsten kommt er bei 30- bis 50-Jährigen vor, einerseits bei Menschen, die viel sitzen, kaum oder wenig Sport treiben, andererseits bei solchen, die täglich schwere Lasten heben. Doch auch junge und sportliche Personen bleiben nicht unbedingt verschont.

Bandscheibenschäden können im Bereich der gesamten Wirbelsäule auftreten. In den meisten Fällen ist die Lendenwirbelsäule betroffen, da dort die Druckbelastung am größten ist. Ein Bandscheibenvorfall kommt hier etwa 100mal häufiger als im Bereich der Halswirbelsäule vor, wo die Erkrankung öfter im Alter zwischen 40 und 60 Jahren auftritt. Im Brustwirbelanteil sind Bandscheibenschäden nur äußerst selten zu finden (0,1 bis 3% der Fälle).

Bandscheibenvorfall - Röntgenbild
Bandscheibenschäden können entlang der gesamten Wirbelsäule auftreten

Normalerweise dienen die Bandscheiben als eine Art Stoßdämpfer, welche für die Beweglichkeit der Wirbelsäule zuständig sind. Zu einem Bandscheibenvorfall kommt es, wenn der weiche Gallertkern (Nucleus pulposus) der Bandscheibe, der wie ein Puffer zwischen den einzelnen Wirbelkörpern liegt und von einem Ring aus Faserknorpel (Anulus fibrosus) gehalten wird, verrutscht. Dabei verlässt  der Gallertkern seinen angestammten Platz, indem  er die fasrige Hülle durchbricht und drückt auf das benachbarte Gewebe. Wenn dies seitlich oder nach hinten erfolgt, können Nervenwurzeln gedrückt werden.

Bei einer Bandscheibenvorwölbung (Diskusprotrusion) verlagert sich die Bandscheibe zwar auch nach außen, aber  der Faserring  zerreißt dabei nicht. Wenn sich Teile des Gallertkerns ablösen und  in den Rückenmarkskanal austreten, spricht man von einer Bandscheibensequestration.

Die Symptome können je nach Schweregrad, Ausprägung und Gestalt eines Bandscheibenvorfalles und individueller anatomischer Vorrausetzungen wie die Größe des Wirbelkanals sehr unterschiedlich sein. Manche Vorfälle bleiben vom Patienten gänzlich unbemerkt. Andere Vorfälle können mit starken Reizsymptomen in Form von Schmerzen oder Schädigungssymptomen wie Taubheitsgefühlen oder Lähmungserscheinungen oder in sehr schweren Fällen auch mit Blasen und Mastdarmstörungen einhergehen. Bei älteren Menschen entstehen die meisten akuten Schmerzen durch Lageveränderungen eines bereits bestehenden Bandscheibenvorfalls.

Fachliche Unterstützung: Dr. med. Uwe Meier (BDN), Grevenbroich