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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Angststörungen - Therapie bzw. Behandlung

Patienten mit einer Angststörung kommen oft erst nach jahrelang bestehender Erkrankung zum Arzt. Je früher diese aber behandelt wird, umso besser sind die Aussichten auf Besserung.

In der Behandlung der Angststörungen wurden in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte erzielt. Die überzeugendsten Wirksamkeitsnachweise liegen für die kognitive Verhaltenstherapie, eine medikamentöse Therapie (SSRI, SNRI, Pregabalin und andere) und die Kombination aus kognitiver Verhaltenstherapie und diesen Medikamenten vor. Für eine erfolgversprechende Behandlung sind die Motivation des Patienten und eine umfassende Aufklärung über das Krankheitsbild entscheidend. Wichtig ist, dass der Patient lernt, seine Beschwerden als Ausdruck von Angst zu erkennen und auch zu seiner Krankheit zu stehen.

Was kann man selbst tun?

Die wichtigste Regel ist, dass man niemals vor den Angst auslösenden Situationen flüchtet. Das heißt, dass man beispielsweise bei einer Agoraphobie nicht vor einem Fahrstuhl „kneift“ und stattdessen die Treppe benutzt, den Einkauf in einem Supermarkt meidet und dafür in einem teuren kleinen Geschäft einkauft oder mit einem Taxi fährt, weil man Angst vor einer Busfahrt hat. Je häufiger und je mehr man sich diesen Angst auslösenden Situationen aussetzt, desto eher kann man die Angst abbauen. Sicherlich kostet es große Überwindung, in solche Situationen hineinzugehen, nachdem man sie jahrelang gemieden hat.

Wenn Sie unter einer generalisierten Angststörung leiden, sollten Sie Dinge nicht vermeiden oder aufschieben, wie Reisen. Wenn Sie soziale Ängste haben, sollten Sie üben, Fremde anzusprechen, Reden zu halten, dem Gegenüber in die Augen zu schauen oder sich im Streitgespräch durchzusetzen. Bei einer Panikstörung ist es wichtig, dass man sich beim Auftreten einer Panikattacke immer wieder klar macht, dass die Angstsymptome wie z.B. eine Panikattacke nicht zu irgendwelchen schädlichen Folgen, wie Ohnmacht, Herzinfarkt usw. führen kann.

Psychotherapie

Die am besten wirksame Psychotherapie zur Behandlung von Angsterkrankungen ist die kognitive Verhaltenstherapie. In dieser lernt der Patient zu verstehen, welche Denkabläufe seiner Angst zugrunde liegen oder diese verstärken. Vermeidende Verhaltensweisen können auf dieser Grundlage bewusst korrigiert werden. Bei der Reizüberflutung wird der Patient - in Begleitung des Therapeuten - langanhaltend und intensiv mit der angstauslösenden Situation konfrontiert. Der Patient erlebt die Angst dabei zunächst sehr ausgeprägt, merkt dann aber, dass diese von selbst wieder nachlässt. Derartige Konfrontationsübungen werden immer gut vorbesprochen und der Patient entscheidet jeweils selbst, ob er sich eine Übung zutraut oder ob noch eine weniger angstmachende Übung vorgeschaltet wird. Auf diese Weise können in der Regel auch Patienten mit sehr starken Ängsten erfolgreich behandelt werden.

Verschiedene Medikamente stehen bei der Behandlung von Angsterkrankungen zur Verfügung

Medikamentöse Therapie

Zur medikamentösen Behandlung einer Angststörung werden heute Antidepressiva verwendet. Zum Einsatz kommen beispielsweise selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI). Ein weiteres Medikament, das bei der generalisierten Angststörung eingesetzt wird, ist Pregabalin, ein Arzneistoff aus der Gruppe der Antikonvulsiva (Antiepileptika). Andere wirksame Medikamente sind trizyklische Antidepressiva, Moclobemid, Opipramol, oder Buspiron. Die bei Angststörungen gut wirksamen Benzodiazepine haben ein Abhängigkeitsrisiko und erhöhen das Risiko älterer Patienten zu stürzen erheblich. Sie sollten nur vorübergehend bei starker Angst im Ausnahmefall verwendet werden. In der Regel kann man durch eine sorgfältige Medikamenteneinstellung durch den Arzt die Therapie nebenwirkungsarm halten.

Eine medikamentöse Therapie sollte nach Eintritt der Besserung noch mindestens über sechs bis zwölf Monate weitergeführt werden. Eine zusätzliche kognitive Verhaltenstherapie kann die Rückfallraten nach Absetzen einer Medikation vermindern.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Borwin Bandelow (Autor), Göttingen (DGPPN) und PD Dr. med. Michael Rufer, Zürich (SGPP)