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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Arbeitsleben: Stress

Stress ist immer ein sogenannter Relationsbegriff: Ob eine Belastung von außen zu einer vorübergehenden Anpassungsreaktion oder aber zu einer dauerhaften Schädigung und damit Erkrankung führt, ist nicht nur von der Art und Intensität der Belastung abhängig, sondern auch von der persönlichen Konstitution (körperliche und psychische Voraussetzungen).

Eine Person empfindet Stress, wenn ein Ungleichgewicht zwischen den an sie gestellten Anforderungen und den persönlichen Möglichkeiten und Ressourcen in der Umgebung entsteht, um diese Anforderungen zu bewältigen.

In der Entwicklungsgeschichte des Menschen erfüllen Stressreaktionen grundsätzlich eine sinnvolle Funktion, indem sie den Organismus bei einer drohenden Gefahr dazu befähigen, rasch zu kämpfen oder zu fliehen (Kampf-Flucht-Reaktion). Dazu werden bestimmte Stresshormone ausgeschüttet, die dafür sorgen, dass die Sinne sich schärfen, die Atmung sich beschleunigt, die Arterien sich zusammenziehen und Herzschlagfrequenz, Blutdruck und Puls steigen, um mehr Blut in die Muskeln und Organe zu pumpen. Das alles macht uns bereit, sofort anzugreifen oder rasch vor einem Angreifer zu fliehen. Anders als in der Urzeit steht der moderne Mensch einem tatsächlichen, körperlichen Gegner allerdings eher selten gegenüber. Die Angriffe und Belastungen in unserer Gesellschaft sind anderer Art: Zeitknappheit, Überforderung, unklare Zielvorgaben, Geldsorgen und so fort. Sie können die Anspannung zum Dauerstress machen. Soziale Stressreize wie Ungewissheit, Erwartungsängste, Hilflosigkeit und Verlust der Kontrolle können sich besonders negativ auswirken. Das kann z.B. der Fall sein, wenn der Verlust des Arbeitsplatzes oder das Nichterreichen von Meilensteinen befürchtet wird.

Risikozustand „Burnout“

Ein Burnout-Zustand kann bei gefährdeten Personen ernste psychische Erkrankungen nach sich ziehen

Längerfristige emotionale und körperliche Erschöpfung, die im Zusammenhang Arbeitsbelastung auftritt und umgangssprachlich als „Burnout“ bezeichnet wird, sollte unbedingt ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden. Ein Burnout-Zustand kann bei gefährdeten Personen ernste psychische Erkrankungen nach sich ziehen, wie beispielweise eine Depression, eine Sucht- oder eine Angsterkrankung. Aber auch körperliche Leiden wie ein chronisches Schmerzsyndrom, Tinnitus, Bluthochdruck oder chronische Infektionskrankheiten können auf den Stress eines Burnouts folgen.

Eine länger andauernde Burnout-Symptomatik - wie Energiemangel, Schlafprobleme und Angespanntheit - kann zudem nicht nur Vorläufer für psychische oder körperliche Erkrankungen sein, sondern auch als Frühsymptom von vorhandenen Krankheiten auftreten. Entsprechende Beschwerden können beispielsweise auch im Rahmen von Psychosen, Depressionen einer Multiplen Sklerose, Schilddrüsen- oder Tumorerkrankungen als Beschwerde eines frühen Krankheitsstadiums auftreten. Auch für diesen Fall ist eine medizinische Abklärung wichtig. Die erfolgreiche Behandlung der Grunderkrankung behebt dann in der Regel das Burnout-Problem.

Im Fall von Burnout kann der erste Ansprechpartner der Hausarzt sein. Findet er keine organische Ursache für die Beschwerden, sollte eine Überweisung an einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie erfolgen.

Bei einem vorübergehenden Gefühl von Arbeitsüberlastung besteht hingegen kein dringender Handlungsbedarf und es stellt noch kein Burnout dar.

Ausführliche Informationen zu diesem Thema sind im Artikel „Burnout“ zusammengestellt.

Fachliche Unterstützung: Dr. Christa Roth-Sackenheim (BVDP)