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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Posttraumatische Belastungsstörung - Therapie

Für die Überwindung einer PTBS ist die frühzeitige und umfassende Behandlung durch einen Psychiater uner-lässlich. In aller Regel kann die Behandlung ambulant erfolgen. Ein Klinikaufenthalt kann beispielsweise erfor-derlich werden, wenn der Patient zusätzlich zur PTBS unter schweren depressiven Symptomen leidet, eine akute psychotische Störung oder akute Suizidgefahr vorliegt.

Die Behandlung besteht in erster Linie aus einer traumafokussierenden Psychotherapie, falls erforderlich mit medikamentöser Unterstützung. Ziel ist es, in einem Gesamtbehandlungsplan

  • dem Betroffenen zu helfen, Kontrolle über seine ungewollt auftretenden Erinnerungen zu erlangen,
  • Begleitsymptome wie Angst und Depressivität, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme usw. abzubauen,
  • den Betroffenen dabei zu unterstützen, das Trauma als Teil der Lebensgeschichte zu integrieren und neuen Sinn im Leben zu finden, und
  • sein psychosoziales Funktionsniveau zu verbessern und insbesondere die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen.

Zunächst wird der Therapeut den Patienten, wenn möglich unter Einbeziehung der Familie oder anderer Bezugspersonen, ausführlich über die Erkrankung aufklären und ein geeignetes Therapiekonzept vorschlagen. Ist der Patient ausreichend gefestigt, muss er sich Schritt für Schritt mit seinen traumatischen Erlebnissen und den damit verbundenen Erinnerungen auseinandersetzen. Gemeinsam mit dem Therapeuten wird er sie bearbeiten und in seine Biographie einordnen, um letztlich einen Schlusspunkt setzen zu können. Dazu gehört auch das Erlernen von Strategien, um eventuellen Rückfällen vorbeugen zu können.

Als wirksame Traumabearbeitungsverfahren haben sich vor allem die kognitive Verhaltenstherapie und EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) erwiesen, sowie andere Verfahren:

Prolonged Exposure Therapy (PE)

Bei der Prolonged Exposure Therapy (PE) steht die sogenannte Exposition im Zentrum der Behandlung: Der Patient versetzt sich in der Therapiestunde imaginativ in die traumatische Situation zurück und durchlebt das Trauma mit allen dazugehörenden unangenehmen Gefühlen noch einmal. Die Therapiesitzung wird auf Tonband aufgenommen, und die Patienten erhalten die Aufgabe, sich diese Aufzeichnung zu Hause täglich anzuhören. Bei wiederholter Anwendung dieser Technik klingen die anfänglich heftigen emotionalen Reaktionen ab und die PTBS-Symptome treten in den Hintergrund.

Cognitive Processing Therapy (CPT)

Bei der Cognitive Processing Therapy (CPT) gibt es ebenfalls Exposition, hier in Form einer schriftlichen Hausaufgabe. Im Vordergrund steht bei der CPT jedoch die Bearbeitung sogenannter dysfunktionaler Kognitionen, vereinfacht gesagt von Denkfehlern. Hierzu werden Methoden der kognitiven Umstrukturierung (z.B. sokratischer Dialog) eingesetzt. Das Ziel dieses Verfahrens ist eine Modifikation dysfunktionaler Bewertungen kognitiv-affektiver Aspekte des Traumas (z.B. Schuld- oder Schamgefühle).

EMDR-Therapie

Bei der EMDR-Therapie führt der Patient unter Anleitung der Therapeutin ruckartige horizontale Au-genbewegungen durch, während er die traumatische Erfahrung imaginiert, ohne allerdings darüber zu sprechen. EMDR ist ähnlich wirksam wie andere kognitiv-verhaltensorientierte Ansätze. Der Wirkmechanismus ist nicht bekannt.

Narrative Exposure Therapy (NET)

Die Narrative Exposure Therapy (NET) kombiniert Elemente der Testimony Therapy mit klassisch verhaltenstherapeutischen Expositionsmethoden. Anstatt ein einzelnes Erlebnis zu bearbeiten, wird der Patient gebeten, seine gesamte Lebensgeschichte zu erzählen. Dabei liegt der Fokus auf dem detaillierten Bericht der Traumata. Werden nicht verarbeitete Traumata angesprochen, können diese mit Hilfe einer Exposition in sensu bearbeitet werden. Ziele dieses Vorgehens sind die Habituation an die Angstreaktionen, die Reduktion der PTSD-Symptomatik sowie die Einordnung der Traumata in eine detaillierte und konsistente Lebensgeschichte.

Brief Eclectic Psychotherapy for PTSD (BEPP)

Die Brief Eclectic Psychotherapy for PTSD (BEPP) stellt einen multimodalen Therapieansatz unter Ein-bezug vor allem kognitiv-verhaltenstherapeutischer und psychodynamischer Elemente dar. BEPP umfasst 16 Therapiesitzungen und beinhaltet fünf zentrale Elemente, nämlich (1) Psychoedukation, (2) Exposition, (3) Schreibaufgaben und die Arbeit mit Erinnerungsstücken, (4) Bedeutungszuschreibung und Integration, und (5) ein Abschiedsritual.

Es gibt Situationen, in denen die traumabearbeitenden Verfahren nur eingeschränkt eingesetzt werden können - etwa bei sehr schlechtem körperlichem oder psychischem Gesundheitszustand des Patienten, oder bei mangelnder Unterstützung im Umfeld. Grundvoraussetzung für den Therapiebeginn ist eine minimale Stabilität des Patienten. Unabdingbar für die Stabilisierung sind Lebensumstände, in denen sich der Patient vor weiterer Traumatisierung sicher fühlt. Stehen zusätzliche psychische Störungen im Vordergrund, wie etwa eine schwere Depression oder eine Substanzabhängigkeit, sollten diese vor Beginn einer traumabearbeitenden Therapie behandelt werden.

Begleitend zur Psychotherapie können Antidepressiva der neuen Generation - sogenannte selektive Serotonin- Wiederaufnahmehemmer (SSRI) - nötig und hilfreich sein. Aufgrund ihres Abhängigkeitspotenzials sollten angstlösende (Anxiolytika) oder beruhigende (sedierende) Pharmaka (Hypnotika) in der Regel nur kurzzeitig zum Einsatz kommen.

Unterstützende Behandlungsmöglichkeiten

In den Gesamtbehandlungsplan werden nicht selten kreative Ansätze wie Musiktherapie oder Kunsttherapie, sowie Bewegungstherapie und andere Methoden zur Verbesserung von Körperhaltung und Bewegungsabläufen (Feldenkrais, Qi Gong, Ergotherapie) integriert.

Mittels Entspannungstechniken (Yoga, autogenes Training) oder dem Biofeedbackverfahren lernt der Patient seine Symptome besser zu steuern.
Falls erforderlich, erhält der Betroffene im Rahmen der Therapie Unterstützung bei einer beruflichen bzw. sozialen Neuorientierung, Trauerverarbeitung oder Problemen in der Partnerschaft.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Ulrich Schnyder, Zürich (SGPP)