Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Informationen für Angehörige

Depressive Störungen und auch die teilweise damit verbundenen körperlichen Schmerzen sind ernst zu nehmende Erkrankungen. Akzeptieren Sie, dass der Betroffene wirklich krank ist. Aber resignieren Sie nicht, Depressionen sind heute gut therapierbar. Depressive Patienten sollten unbedingt in ärztliche Behandlung. Meist stößt diese Tatsache bei den Betroffenen auf heftigen Widerstand. Sie glauben nicht an eine Krankheit, halten einen Arztbesuch für sinnlos. Angehörige sollten durch Unterstützung und Mitgefühl den Betroffenen zu einer ärztlichen Behandlung bewegen. Informieren Sie sich umfassend über das Krankheitsbild und lassen Sie sich von einem Psychiater/Nervenarzt beraten. Vor allem, wenn Sie sich selbst mit der Situation überfordert fühlen, überlastet und erschöpft sind, kann der Austausch mit anderen Angehörigen  depressiv Erkrankter in Angehörigengruppen sehr hilfreich sein. Scheuen Sie sich auch nicht, Hilfe von Freunden und Bekannten anzunehmen.

Es hat keinen Sinn, einem depressiven Menschen zu raten, abzuschalten und für ein paar Tage zu verreisen, denn eine fremde Umgebung verstört den Patienten meist zusätzlich. Raten Sie dem Depressiven auch nicht, "sich zusammenzunehmen" - ein depressiver Mensch kann diese Forderung nicht erfüllen, denn eine Depression hat nichts mit mangelnder Willensstärke zu tun. Dieser Ratschlag verstärkt möglicherweise sogar seine Schuldgefühle. Gleiches gilt für ständige Versuche der Aufmunterung. Dagegen sollten Sie Ihren Angehörigen immer dann unterstützen, wenn er Eigeninitiative zeigt. Folgendes sollten Sie beherzigen:

  • Akzeptieren Sie die Depression als Erkrankung!
  • Ziehen Sie den Arzt zu Rate!
  • Machen Sie dem Betroffenen keine Vorwürfe!
  • Überfordern Sie sich und den Patienten nicht!
  • Seien Sie zurückhaltend mit gut gemeinten Ratschlägen wie z.B. „Dir geht es doch gut, du hast doch gar keinen Grund!“
  • Nehmen Sie Ihre eigenen Gefühle an!
  • Bleiben Sie geduldig!
  • Nehmen Sie Selbsttötungsdrohungen ernst!

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Ulrich Voderholzer (Autor), Prien am Chiemsee (DGPPN) und Dr. Roger Pycha, Bruneck (SIP)