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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Besonderheiten im Alter

Bei den über 65-Jährigen ist die Altersdepression die häufigste psychische Erkrankung. Paradox erscheint, dass die Gemütserkrankung nur bei rund 10% der Betroffenen diagnostiziert wird und nur ein Teil von ihnen eine adäquate Behandlung erhält. Das Diagnoseproblem besteht unter anderem darin, dass sich das Krankheitsbild oft mit anderen alterstypischen Krankheiten wie z.B. der Demenz überlappt.

Auslöser, im Alter an einer Depression zu erkranken, finden sich oft im Gesundheitszustand des Betroffenen. Ständige Schmerzen, nachlassende Herz- und Gehirnleistung oder Bewegungseinschränkung können die Lebensqualität so stark beeinträchtigen, dass eine Depression ausbrechen kann. Auch soziale Probleme wie Isolation, Tod oder Krankheit des Partners, Umzug in eine Pflegeeinrichtung stellen Risikofaktoren dar.

(© photocrew - Fotolia.com) Depressionen im höheren Lebensalter erfordern gesonderte Betrachtung

Die Symptome der Depression im Alter sind denen der jüngeren Generation sehr ähnlich, nur entwickeln sie sich eher schleichend und werden oft von körperlichen Beschwerden verdeckt. Dies erschwert die Diagnosestellung enorm. Bei der Behandlung ist auf das Alter und die Verfassung des Patienten Rücksicht zu nehmen. In der Regel lässt sich die Depression dann auch erfolgreich therapieren. Allerdings ist zu beachten, dass Stoffwechsel und Organe bei älteren Menschen auf Medikamente empfindlicher reagieren als bei jungen, weswegen bei der Auswahl der Medikamente die Verträglichkeit im Vordergrund steht.

Ein weiterer Unterschied zu jüngeren Patienten besteht in dem viel höheren Risiko eines Rückfalls auch bei einer erfolgreich therapierten Depression. Deshalb wird bei Älteren empfohlen, die letzte wirksame Medikation zur Rezidivprophylaxe (Wiedererkrankungs-Vorbeugung) lebenslang beizubehalten.

Ausführliche Informationen zur Depression im Alter sind im Artikel "Altersdepression" aufgeführt.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Ulrich Voderholzer (Autor), Prien am Chiemsee (DGPPN) und Dr. Roger Pycha, Bruneck (SIP)