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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Erkrankungsbild bei Multipler Sklerose (MS)

Durch die Zerstörung von Markscheiden und Nervenzellen im Bereich des zentralen Nervensystems kommt es zu Symptomen, die alle Gehirn- und Rückenmarksfunktionen betreffen können, hauptsächlich aber die Motorik, also die Bewegungsfähigkeit und Koordination, die Sensibilität, also den Tastsinn, als auch die Funktion des Auges (z.B. Sehstörungen). Je nachdem welche Nervenbahn geschädigt ist, fallen unterschiedliche Funktionen aus. Prinzipiell kann jede durch das zentrale Nervensystem gesteuerte Funktion betroffen sein. Es kann somit zu einer Behinderung kommen, die sich je nach Verlauf und Fortschritt der Krankheit kaum bemerkbar macht oder aber deutlich lebensein­schränkend auswirkt. Auch Schmerzen können durch die Krankheit verursacht sein. Die Multiple Sklerose beginnt bei über 90% der Patienten in Schüben, die völlig unregelmäßig auftreten. Bei den anderen 5-10% der Betroffenen lässt sich von Anfang an ein fortschrei­tender Krankheitsverlauf ohne zwischenzeitliche Besserung beobachten. Ohne Behand­lung entwickeln 30-40% der Patienten mit ursprünglich schubweisem Verlauf nach etwa 10 Jahren ebenfalls eine schleichende Zunahme der Symptome (sekundäre Progression), auch hierbei können weiter Schübe auftreten.

Krankheitsschübe bei MS (MS-Schübe)

Als ein MS-Schub wird das Auftreten bereits bekannter oder neuer Symptome über eine Dauer von mindestens 24 h bezeichnet. Eine Infektion muss als Ursache ausgeschlossen sein. Eine neurologische Verschlechterung infolge einer Hitzeexposition (Uhthoff Phänomen) sind ebenfalls nicht als Schub zu werten. Nach dem Schub bessern sich die Symptome deutlich oder verschwinden sogar vorübergehend völlig. Der Abstand zwischen zwei Schüben beträgt mindestens 30 Tage.

Jeder MS-Schub geht mit einem mehr oder minder großen Funktionsverlust einher, der sich in der Regel am Beginn der Erkrankung meist besser, im späteren Verlauf weniger gut zurückbildet. Nach vielen Jahren werden viele der Patienten mehr und mehr auf fremde Hilfe bei allen Verrichtungen des täglichen Lebens angewiesen. Hierbei werden die  erwähnten Symptome wie z.B. Gefühls-, Seh-, Sprech- und Gehstörungen in immer größerem Ausmaß relevant. Beispielsweise kann beim Vollbild der Krankheit die Gangstörung so schwerwiegend werden, dass der Patient auf den Rollstuhl angewiesen ist oder schließlich bettlägerig wird. Manche Patienten leiden unter ausgeprägter Müdigkeit und Antriebsschwäche, manche unter Depressionen. Im Verlauf der Krankheit tritt bei vielen Patienten eine Blasenschwäche (Inkontinenz) auf. Geistig sind die meisten Patienten trotz schwerer körperlicher Behinderung lange wenig beeinträchtigt, auch wenn die MS die kognitiven Funktionen nicht unbeeinträchtigt lässt.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med Heinz Wiendl (DGN)