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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Sport, Ernährung, Impfungen und Kinderwunsch bei Multipler Sklerose (MS)

Sport bei MS

MS-Patienten ist regelmäßige sportliche Betätigung zu empfehlen, gerade Schwimmen und Gymnastik sind ideal. Bei Sporttreibenden verbessern sich neben Körpergefühl, Lebenszufriedenheit, -qualität und -erwartung auch kognitive Funktionen. Die erhöhte Körpertemperatur kann, ähnlich zu einer erhöhten Hitzeexposition, zu einer vorübergehenden Verschlechterung ihrer Symptome führen, die Krankheit an sich aber nicht verschlimmern. Halten Sie mit Ihrem Neurologen/Nervenarzt Rücksprache, welche Sportarten für Sie geeignet sind.

Impfungen bei MS

Früher wurde häufig davon abgeraten, MS-Patienten zu impfen. In der Literatur finden sich allerdings wenige Hinweise, die eine solche Impf-Ablehnung rechtfertigen. Auch eine Grippe-Impfung ist bei MS-Kranken möglich. Virale Infektionen, insbesondere die Grippe, können MS-Schübe auslösen, Fieber kann die Symptome verstärken. Daher empfiehlt es sich sogar, die Patienten zu impfen. Eine solche Impfung sollte allerdings nicht während eines akuten Schubes oder einer Cortison-Behandlung erfolgen. Auch während einer Therapie mit Immunsuppressiva wie Azathioprin oder Cyclophosphamid darf keine – für gesunde Menschen völlig harmlose - aktive Lebendimpfung mit vermehrungsfähigen Erregern wie z.B. Masern/Mumps/Röteln oder Windpocken vorgenommen werden. Grundsätzlich gilt, dass Regelimpfungen sowie nicht-lebend-Impfungen MS Patienten ohne wesentliche Gefahr bekommen können und sogar sollen.

Kinderwunsch bei MS

MS-Patienten müssen nicht auf Kinder verzichten. Die Schwangerschaft inklusive der Wochenbettperiode auf scheint auf den Verlauf der Erkrankung keine wesentlichen Auswirkungen zu haben. Während die Schwangerschaft - insbesondere im 2. und 3. Drittel der Schwangerschaft sogar etwas vor Schüben schützt, können nach der Entbindung allerdings Schübe überzufällig häufig auftreten. Schwangerschaft und Geburten verlaufen in der Regel ohne Komplikationen. Hinweise auf negative Auswirkungen auf den Verlauf der Schwangerschaft durch die MS gibt es aktuell nicht.

Erbliche Faktoren spielen in der Regel bei der Entwicklung einer MS eine untergeordnete Rolle. Allerdings ist das Risiko des Kindes für eine MS leicht erhöht, wenn ein Elternteil erkrankt ist. Sind beide Partner erkrankt, muss die Entscheidung, eine Familie zu gründen, sorgfältig abgewogen werden, da das Risiko bei doppelter Elternerkrankung höher ist. Die Ergebnisse von Familienuntersuchungen zeigen, dass das Risiko einer MS-Erkrankung für Kinder, bei denen beide Elternteile an MS erkrankt sind,  zwischen 3 und 5% liegt (normales Bevölkerungsrisiko 1%). Dieses Risiko ist auch abhängig von der Anzahl anderer Familienmitglieder mit der Krankheit. Langzeitkonsequenzen und Faktoren wie der aktuelle Grad und die voraussichtliche Entwicklung der Behinderung, die Fähigkeit der Partner, für die Kinder mitzusorgen, die mögliche Unterstützung von Familienangehörigen und Freunden sowie finanzielle Aspekte sollten bei der Entscheidungsfindung bedacht werden.

Lassen Sie sich und Ihren Partner bei bestehendem Kinderwunsch, auch hinsichtlich notwendiger Umstellungen der medikamentösen Therapie, ausführlich von Ihrem Neurologen/Nervenarzt beraten. Insgesamt macht die MS zusätzliche Überlegungen bezüglich eines Kinderwunsches notwendig, stellt aber keine prinzipielle Einschränkung dar.

Ernährung bei MS

Bisher konnte keine bestimmte Ernährungsform oder Diät einen positiven, wirkungsvollen Einfluss auf den Verlauf oder die Symptome einer Multiplen Sklerose beweisen. Somit ist, wie für die Allgemeinbevölkerung, eine ausgewogene, vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung zu empfehlen. Spezielle Diäten sollten nur in Rücksprache mit Ihrem Neurologen/Nervenarzt durchgeführt werden.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med Heinz Wiendl (DGN)