Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Inhalte und Module von Soziotherapie

Basis der Soziotherapie ist das Gespräch über die Krankheit, die aktuelle soziale Situation, die Probleme und die Ängste des Patienten. Hierzu gehört u.a. den Betroffenen umfassend über seine Erkrankung aufzuklären. Er muss lernen, Krankheitsanzeichen - vor allem Frühsymptome einer wiederkehrenden psychotischen Episode - als solche zu erkennen und mit ihren Auswirkungen umzugehen (Psychoedukation). Darüber hinaus zählen folgende Punkte zu den wichtigsten Inhalten und Modulen eines soziotherapeutischen Betreuungsplans, die alle auf die jeweilige Situation und Verfassung des Patienten abgestimmt werden:

Beratung in Konflikt- und Krisensituationen

Im Vordergrund steht hier die Herstellung eines Realitätsbezugs, der Patient muss seine eigenen Möglichkeiten (Ressourcen) und Defizite erkennen und nicht seine „unverständige Umwelt“ für Probleme verantwortlich machen. Der Soziotherapeut leitet ihn zur Korrektur seines Fehlverhaltens an.

Stärkung der Eigenkompetenz

Der Soziotherapeut vermittelt dem Patienten im Akutfall Krankenpflegedienste bzw. ambulant psychiatrische Pflege (APP) zur Unterstützung der Eigensorge. Hierzu gehören u.a. Anleitung zur täglichen Körperhygiene, Erlernen der ordnungsgemäßen Einnahme von Medikamenten und die Erkennung eines Selbstgefährdungspotenzials. Die Hilfestellung findet im Lebensumfeld des Patienten statt.

Motivierung zur Nutzung der ärztlichen Versorgung   

Der Soziotherapeut zeigt dem Patienten die Wichtigkeit einer konsequenten Behandlung auf und motiviert ihn so speziell zur Medikamenteneinnahme und zu regelmäßigen Arztbesuchen. Dank der umfassenden Aufklärung gewinnt der Patient Vertrauen in die ärztlich verordneten Maßnahmen und nimmt sie an, damit wird die so genannte Compliance („Akzeptanz“) der Therapie erhöht.

Zusammenarbeit mit verschiedenen Leistungsträgern

Auf sozial-administrativer Ebene arbeitet der Soziotherapeut mit verschiedenen Leistungsträgern (z.B. Arbeitsamt, Rentenstelle, Sozialhilfeträgern, Gesundheitsamt) zusammen, um den Leistungsanspruch des Patienten im Sinne eines „Care-Managements“ zu ermitteln.

Hilfestellung bei der Wohnungs- und Arbeitsplatzsuche 

Hierbei geht es in erster Linie um die Beratung und Vermittlung zu betreuten Wohnformen, speziell "betreutes Einzelwohnen". Das bedeutet, dass der Betroffene allein in der eigenen Wohnung lebt, aber hinsichtlich so genannter sozialer Grundleistungsfunktionen unterstützt wird. Hierzu gehören u.a. eine Tagestrukturierung und -gestaltung, die Förderung von Selbstständigkeit und lebenspraktischer Kompetenz sowie die Ausbildung einer Kommunikationsfähigkeit.

Weiter werden zusammen mit dem Soziotherapeuten Überlegungen angestellt, welche Schritte notwendig sind, damit der Patient seine Arbeit wieder stufenweise aufnehmen kann. Hierbei wird eng mit den Integrationsfachdiensten zusammengearbeitet. Ist der Patient hierzu (noch) nicht in der Lage, kommt die „beschützende Werkstatt für psychisch Behinderte“ in Frage. Dabei wird generell versucht, die Integration in die Gesellschaft und die Wiedereingliederung in das Arbeitsleben über eine möglichst vertraute Umgebung zu erreichen. 

Vermittlung von Ergotherapie

Im medizinisch-therapeutischen Bereich gilt die Koordination ergotherapeutischer Maßnahmen als wichtiges Element der Soziotherapie. Die Ergotherapie kann in einzel- oder gruppentherapeutischen Angeboten helfen, mittels ausgewählter spielerischer, handwerklicher und gestalterischer Aktivitäten Alltagsfähigkeiten zu erhalten bzw. wiederzuerlangen. Sie fördert eine Stärkung der Selbstkompetenz, des Antriebs und der Motivation.

Förderung von sozialen Kontakten

Der Soziotherapeut bietet dem Patienten zur Förderung des sozialen Lebens – abhängig von den jeweiligen Angeboten des örtlichen gemeinde-psychiatrischen Verbundes –Adressen von offiziellen Kontakt- und Beratungsstellen der sozial-psychiatrischen Zentren (SPZ) sowie Kontakte zu Selbsthilfe- und Freizeitgruppen an.

Motivierung zu Freizeitaktivitäten

Bei sozialen und funktionellen Beeinträchtigungen kann der Soziotherapeut den Patienten an verschiedene Freizeitangebote (z.B. Sport, Kulturereignisse) heranführen. Gerade Rehabilitations-Sport verhilft dem Patienten zu einem angemessenen körperlichen und seelischen Ausgleich.

Information der Familie über Möglichkeiten der Angehörigenarbeit

Der Soziotherapeut kann die Angehörigen in die Therapie einbeziehen und ihnen z.B. regionale Kontakte zu Angehörigengruppen psychisch kranker Menschen vermitteln. Angehörigenarbeit dient dazu, die Familie über die psychische Erkrankung des Patienten zu informieren, und leistet Hilfestellung bei Problemen und Konflikten im Umgang mit dem Patienten und seiner Erkrankung. Ziel dabei ist nicht nur, die Angehörigen zu entlasten, sondern möglichst auch die Rückfallquote bei der psychischen Erkrankung zu minimieren und ein Krankheitsverständnis zu erlangen.

Fachliche Beratung: Prof. Dr. med. Peter Falkai, München (DGPPN) und Prof. Dr . med. Anita Riecher-Rössler, Basel (SGPP)