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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Behandlungsmöglichkeiten der Borderline-Persönlichkeitsstörung

Die wichtigste Komponente der Behandlung einer Borderline-Störung ist die Psychotherapie. Zusätzlich kommen bestimmte Medikamente zum Einsatz.

Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist, dass alle Aspekte und Ausprägungen der Erkrankung bei dem Patienten erfasst werden. Die zu behandelnden Aspekte werden der Wichtigkeit nach geordnet. Vorrangig behandelt werden grundsätzlich Suizidgedanken oder -versuche, sowie Gedanken oder Verhaltensmuster, welche den Fortgang der Therapie gefährden könnten. Die weitere Ordnung ergibt sich aus der individuellen Situation des Patienten. Egal welche Therapieform letztendlich ausgewählt wird, werden zwischen dem Patienten und dem Therapeuten bestimmte Therapievereinbarungen getroffen. Das sind beispielsweise klare Regeln, die festlegen, wie mit Selbstmordabsichten oder Suizidversuchen, aber auch bei anderen Krisen umgegangen wird.

Therapiebausteine bei Borderline-Persönlichkeitsstörung
© elxeneize - fotolia.com Borderline: Verschiedene Therapiemöglichkeiten vorhanden

Es können verschiedene Therapiemethoden kombiniert werden, also Einheiten in Einzeltherapie und Gruppentherapie, z.T. auch medikamentöse Therapie und Möglichkeiten der Krisenintervention in Form von telefonischer Beratung. Die Dauer der verschiedenen Therapieformen ist unterschiedlich. Je nach Art und Schwere der Störung und nach Wahl der Therapiemethode dauert eine Behandlung zwischen mindestens einem und etwa drei Jahren. In der Regel wird aber bereits zu Beginn der Behandlung ein Zeitplan aufgestellt.

Es existieren verschiedene Therapieformen, die auf unterschiedliche Schwerpunkte der Erkrankung abzielen.

Die DBT integriert Methoden aus verschiedenen Bereichen, wie der Verhaltenstherapie, der kognitiven Therapie, der Gestalt- und Hypnotherapie und aus dem Zen. Es gibt bei dieser Behandlungsform Einzel- und Gruppentherapie sowie Supervision. Je nach Art des Verhaltens oder des Problems wird die adäquate Methode ausgewählt. In drei Therapiephasen werden unterschiedliche Behandlungsziele verfolgt: In der ersten Therapiephase stehen schwerwiegende Störungen der Verhaltenskontrolle im Vordergrund. Hier werden je nach Bedarf auch Fertigkeiten trainiert, die eine Problemlösung für den Patienten ermöglichen, z.B. Fertigkeiten zur Stresstoleranz, zur Gefühlskontrolle, zwischenmenschliche Fertigkeiten, Selbstwertsteigerung und Körperwahrnehmung. In der zweiten Therapiephase werden schwerwiegende Störungen des emotionalen Erlebens bearbeitet und in der dritten Therapiephase Probleme der Lebensführung behandelt.

Die SFT geht von der Annahme aus, dass auf Grund ungünstiger Kindheitserlebnisse früh entstandene Schemata die Hauptursache für die Entwicklung von Persönlichkeitsstörungen darstellen. Diese Schemata liegen auf einer tiefen, dem Bewusstsein schwer zugänglichen Ebene und sind stark mit negativen Gefühlen verbunden. Man vermutet, dass Borderline-Patienten zwischen fünf unterschiedlichen Schemata wechseln.

Das Ziel der Behandlung ist, dass die unbewussten Schemata geändert werden und der Patient wie ein „gesunder“ Erwachsener agieren kann.

Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT)

Die MBT basiert, auf der Annahme, dass das Hauptproblem in einer mangelhaften Ausprägung der Subjekt-Objekt-Differenzierung liegt. Die Fähigkeit, eigenes Erleben in einen verstehenden Zusammenhang zu stellen ist gestört. Ebenso mangelt es an der Fähigkeit, innere Vorgänge bei anderen Menschen zu erkennen und zu verstehen. Daher zielt die MBT auf eine Verbesserung dieser Fähigkeiten. Dadurch kann die Affekt- und Impulskontrolle gesteigert werden, was sich automatisch positiv auf das Beziehungsleben auswirkt.

Die TFP basiert wie die MBT auf der Annahme, dass das Hauptproblem in einer mangelhaften Ausprägung der Subjekt-Objekt-Differenzierung liegt. Der Begriff „Objekt“ bezieht sich hierbei auf den Partner, der auf die Äußerungen und Handlungen des „Subjekts“ (den Borderline-Patienten) eingeht und reagiert.In der Therapie wird versucht, eine gestörte Objektbeziehung, die oft in der Kindheit entstanden ist (Beziehung zu Eltern, Pflegeeltern, usw.), auf den Therapeuten zu übertragen und dadurch aufzuarbeiten.

Es existieren keine Medikamente, die eine Borderline-Störung alleine heilen können. In den letzten Jahren wurde aber festgestellt, dass es durchaus Medikamente gibt, welche stabilisierend und unterstützend eingesetzt werden können. Dazu gehören Stimmungsstabilisierer, bestimmte Antipsychotika und – im Zusammenhang mit zusätzlichen Angststörungen oder Depressionen – so genannte SSRIs (Selektive-Serotonin-Aufnahme-Hemmer).

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Sabine C. Herpertz, Heidelberg (DGPPN)