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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Migräne bei Kindern und Jugendlichen

Im Kindesalter tritt die Migräne bei 4 bis 5% der Kinder auf und klingt bei jedem zweiten Kind in der Pubertät aus. Auch nimmt eine Migräneattacke (ein „böser Kopf“) einen etwas anderen Verlauf als bei Erwachsenen. Oft ist eine Attacke schon nach 2 Stunden vorüber, aber auch bei Kindern kann sie gelegentlich 48 Stunden anhalten. Viele betroffene Kinder hören mit dem Spielen oder Lernen auf. Sie sind blass und legen sich freiwillig hin, um zu schlafen. Meist wachen sie dann aus diesem Schlaf beschwerdefrei wieder auf.

Migräne (mit Aura) bei Kindern
(©Adam ia 64 fotolia.com) Bauchmigräne bei Kindern: Blässe, Appetitlosigkeit und Übelkeit können auftreten

Migräneschmerzen treten bei Kindern häufig beidseitig auf, teilweise mit Aura. Übelkeit, Erbrechen und Schwindelgefühle können wesentlich stärker ausgeprägt sein als die Schmerzen. Einige Kinder haben auch nur eine „Bauchmigräne“ (abdominelle Migräne), begleitet von Blässe, Appetitlosigkeit, Übelkeit und/oder Erbrechen und Bauchschmerzen. Oft ist die abdominelle Migräne ein Vorläufer der klassischen Migräne.

 

Therapie bei Kindern

Viele Medikamente, die Erwachsenen helfen, können bei Kindern schwere Schäden anrichten. Geben Sie daher Ihrem Kind keine frei verkäuflichen Schmerzmittel oder Ihr persönliches „Anti-Kopfschmerzmittel“. Für Kinder sind in erster Linie Paracetamol oder Ibuprofen empfehlenswert. Stärkere Wirkstoffe oder Mittel zur Vorbeugung verschreibt der Neurologe bzw. Kinder- und Jugendarzt nur in seltenen Fällen, z.B. bei mehr als drei Migräne-Attacken im Monat.

Einfache Entspannungsverfahren wie die Muskelrelaxation nach Jacobson haben sich bei Kindern zur Behandlung und Vorsorge bewährt. Die Patienten lernen hier gezielt – z.B. in Form von Fantasiereisen durch den Körper –, einzelne Muskelbereiche anzuspannen und wieder zu entspannen. Zur Vorsorge empfehlen sich außerdem ausreichender Schlaf, Bewegung an der frischen Luft, regelmäßige Mahlzeiten, viel Flüssigkeit, ein geregelter Tagesablauf sowie bewusste Ruhe-Momente.

Fachliche Unterstützung: Prof. Diener, Essen (DGN, BDN)