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Bipolare Erkrankungen - Diagnostik

Die richtige Diagnose kann nur durch eine umfangreiche Befragung der Betroffenen und im Idealfall der nächsten Angehörigen gestellt werden. Der Erkrankte muss jedoch dazu bereit sein. Wichtig für den Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ist es, neben den aktuellen Beschwerden auch die Stimmungsschwankungen zu kennen, die in der Vergangenheit aufgetreten sind. Schließlich muss geklärt werden, ob eine familiäre Belastung vorliegt.

Tritt im Krankheitsverlauf zuerst eine Depression auf, kann zunächst nicht entschieden werden, ob es sich um eine unipolare („einseitige“) oder bipolare Depression handelt. Hinzu kommt, dass die Anzeichen einer Hypomanie vom Patienten teilweise nicht wahrgenommen werden.

Einige Merkmale weisen aber auf eine bipolare Störung hin: Bei bipolaren Depressionen leiden die Erkrankten häufiger unter Energieverlust, vermehrtem Schlafbedürfnis und gesteigertem Appetit als bei einer unipolaren Depression. Außerdem sind die Betroffenen einer bipolaren Erkrankung im Durchschnitt jünger (ca. 16 bis 18 Jahre), wenn die erste Depression auftritt. Etwa ein Fünftel der Patienten mit der Diagnose „unipolare Depression“ durchlaufen innerhalb der folgenden Jahre eine Manie und erfüllen dann die Diagnose einer bipolaren Störung.

© Gina Sanders - Fotolia.com Für eine sichere Diagnose "Bipolare Erkrankung" muss der Betroffene auch körperlich untersucht werden

Für eine sichere Diagnose muss der Betroffene auch körperlich untersucht werden, um so andere Krankheiten mit ähnlicher Symptomatik ausschließen zu können. Zu den Ausschlussdiagnosen gehören u.a. psychische Erkrankungen wie Schizophrenie und auch - bei entsprechendem Verdacht – organische Ursachen wie Epilepsie, Hirntumore, Schilddrüsenerkrankungen, die Hormonstörung Cushing-Syndrom, HIV, Drogen- oder Medikamentensucht, Migräne, Demenz, Parkinson sowie die Nebennieren-Erkrankung Morbus Addison.

Die frühe Diagnose ist für einen positiven Verlauf der bipolaren Erkrankung sehr wichtig. Je weniger Krankheitsepisoden bis zum Beginn einer entsprechenden Therapie stattgefunden haben, desto besser spricht der Betroffene in der Regel auf die Behandlung an. Außerdem kann durch einen frühen Behandlungsbeginn vermieden werden, dass es zu einem chronischen Verlauf mit schweren gesundheitlichen und sozialen Auswirkungen kommt.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. Gregor Hasler, Bern (SGPP) und Prof. Dr. med. Michael Bauer, Dresden (DGPPN), Dr. Roger Pycha, Bruneck (SIP)