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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Borreliose: Erkrankungsbild bzw. Erkrankungsstadien

Akutes Stadium (1):

In etwa 40% der Fälle beginnt eine Borreliose mit der Entwicklung eines Erythema chronicum migrans. Erythem ist ein allgemeiner Begriff, der lediglich eine Rötung der Haut beschreibt. Sie wird durch eine verstärkte Durchblutung der Haut hervorgerufen. Das Erythema migrans (lateinisch: migrare = wandern) wird auch „Wanderröte“ genannt. Die Rötung befindet sich zunächst an der Einstichstelle. Sie blasst im Verlauf in der Mitte ab und breitet sich ringförmig aus. Sie kann auch an mehreren Körperstellen auftreten. Das Erythema migrans ist von einer örtlichen Hautrötung als direkte Folge des Zeckenstiches zu unterscheiden. Letzterer fehlt im Allgemeinen die Aufhellung in der Mitte und die Ausbreitung mit der Zeit.

Vor allem im Kinder- und Jugendalter sowie bei Frauen können auch kleine blaurote Knötchen (Borrelien-Lymphozytom) in der Haut als Folge einer Infektion mit Borrelien auftreten. Sie befinden sich vorzugsweise im Bereich der Brust, im Genitalbereich und an den Ohrläppchen.

Frühes Stadium (2):

Dieses Stadium kann auch ohne vorherige Hautveränderungen nach einigen Wochen bis Monaten auftreten. Es ist charakterisiert durch einen Befall des Nervensystems (Neuroborreliose) oder der Gelenke (Lyme-Arthritis). Selten kommt es zu Herz- (Myokarditis) oder Muskelentzündungen (Myositis) oder zu einer Entzündung der Sehnerven.

Der Befall des Nervensystems kündigt sich gewöhnlich durch vor allem nächtliche starke Schmerzen an und zeigt sich bei der Mehrzahl der Betroffenen in einem ein- oder beidseitigen Gesichtsnervenbefall (Fazialisparese). Oft asymmetrische Lähmungen anderer Körperpartien durch eine Polyradikulitis können auftreten. Eine leichte Gehirnhautentzündung (Meningitis) mit  Symptomen wie Kopfschmerzen ist gewöhnlich vorhanden und wird durch die Lumbalpunktion nachgewiesen.

Die Gelenkbeteiligungen können akut oder chronisch auftreten. Es bestehen rheumaähnliche Beschwerden in einem oder mehreren großen Gelenken. Die Schmerzen klingen meist nach 1 bis 2 Wochen ab, können aber immer wieder erneut auftreten.

Bei Befall des Herzmuskels werden oft Herzrhythmusstörungen bemerkt. Diese werden meist durch Störungen bei der Reizweiterleitung hervorgerufen, was zu einer Verlangsamung des Herzschlags führt. In Einzelfällen kann dadurch der vorübergehende Einsatz eines Herzschrittmachers notwendig sein.

Chronisches Stadium (3):

Bei dem seltenen Übergang ins späte chronische Stadium kann es zu rheumaähnlichen Gelenkentzündungen (Polyarthritis) und zu  chronischen Entzündungen von Gehirn und Rückenmark (Enzephalomyelitis) kommen.

Weiter können (früher häufig, heute selten gesehene) Veränderungen des Unterhautfettgewebes und der Haut (Akrodermatitis chronica atrophicans) auftreten, besonders an Armen und Beinen, wodurch es zunächst zu einer blau-roten und etwas teigig-geschwollenen später zu einer zigarettenpapierartigen Hautbeschaffenheit  mit ausgeprägter Venenzeichnung kommt.

Wesentlich häufiger als eine chronische Borreliose ist aber die Borrelienneurose, die mit unspezifischen Beschwerden wie Abgeschlagenheit, Schmerzen und Müdigkeit einhergeht, und oft durch unspezifische Laborbefunde getriggert und verstärkt wird.

Besonderheiten bei Kindern

Kinder entwickeln zwar häufiger als Erwachsene eine Hirnhautentzündung, chronische Spätformen der Borreliose sind jedoch äußerst selten. Gelenkerkrankungen (Borreliose-Arthritis) sind unter den chronischen Krankheitsfolgen am häufigsten vertreten. Sie machen 5 bis 10% aller Gelenkerkrankungen des Kindesalters aus.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. Peter Berlit, Essen (DGN)