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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von den Berufsverbänden für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland.

Magersucht: Prognose, Prävention und Info für Angehörige

Prognose

Die Prognose ist umso besser, je geringer die Zeitdauer zwischen Erkrankungsbeginn und der Aufnahme einer professionellen Behandlung ist. Das Essverhalten und die Bewertung von Körper und Körpergewicht bleiben oft über mehrere Jahre trotz einer Normalisierung des Gewichtes gestört.
Die Heilungschancen von Betroffenen, die in einem jungen Alter erkranken (13 Jahre oder früher), unterscheiden sich nicht wesentlich vom Heilungserfolg der Patienten, deren Erkrankungsbeginn in der mittleren oder späten Adoleszenz liegt. Durchschnittlich vergehen  5 – 6 Jahre bis zu einer vollständigen Heilung der Magersucht – nur in seltenen Fällen tritt sie früher ein. Das Rückfallrisiko scheint insbesondere in den ersten beiden Jahren nach der Entlassung aus der psychiatrischen Klinik erhöht zu sein.
Aus Erfahrungsberichten von „ehemaligen“, erfolgreich therapierten Magersüchtigen weiß man, dass die Themen „Essen“, „Gewicht“ und „Figur“ bei einem Teil weiterhin einen wichtigen Platz in ihrem Leben einnehmen werden und ein völlig normales gesundes Ess-Verhalten nur mit viel Selbstdisziplin aufrechtzuerhalten ist. Von vielen jugendlichen Patienten wird die Erkrankung völlig überwunden.

Prävention

Die Entwicklung einer Essstörung kann man nicht verhindern. Doch Eltern (und das Umfeld, z.B. Lehrer) können Kinder und Jugendliche in schwierigen Lebensphasen unterstützen und sie bestärken, damit sie sich „in ihrer eigenen Haut“ wohler fühlen. Je mehr Selbstsicherheit die Kinder und Jugendlichen haben, desto besser sind sie vor Essstörungen gewappnet. Die Stärkung der Lebenskompetenzen von Kindern und Jugendlichen ist ein wichtiger Aspekt bei der Prävention von psychischen Erkrankungen.
Mittlerweile gibt es gezielte Angebote, bei denen unter anderem über Essstörungen aufgeklärt wird, um diese vorzubeugen oder um sie frühzeitig zu erkennen. Bausteine dieser Präventionsmaßnahmen sind dann u.a.

•    die Förderung des Selbstwertgefühls,
•    der kritische Umgang mit den Medien und dem darin vermittelten Schönheitsideal,
•    das Erlernen mit Gefühlen umzugehen,
•    sowie die Entwicklung eines positiven Körpergefühls.

Auf www.bzga-essstoerungen.de sind solche Angebote nach Postleitzahlen geordnet zu finden. Einige Programme können in den Schulunterricht integriert werden.

Informationen für Angehörige

Für Angehörige stellt ein magersüchtiger Patient im Familienkreis eine große Belastung dar, der sie zunächst meist hilflos gegenüberstehen. Der Umgang mit ess-gestörten Menschen ist oft  sehr schwierig, und die eigenen Grenzen sind schnell erreicht. Wichtig ist es, dass die Eltern lernen, zwischen der Krankheit und Ihrem Sohn/Ihrer Tochter zu unterscheiden. Häufig leiden gerade Eltern selbst unter einem schlechten Gewissen und machen sich große Vorwürfe. Daher ist es sehr wichtig, dass sie sich selbst über das Krankheitsbild ausführlich informieren. Je besser sich Eltern aufgeklärt haben, desto besser können sie ihr Kind verstehen und auf es zugehen. Denn im Umgang mit der Erkrankung können Fehler gemacht werden, die das Kind weiter unter Druck setzen und die Situation verschärfen. Auch müssen sich die Eltern darüber klar werden, dass sie nicht die Ursache der Erkrankung sind, sondern eine wichtige Ressource, damit das Kind die Krankheit überwinden kann.

Unbedingt vermeiden sollten Eltern generelle Diskussionen um das Essen, Kalorien und Körpermaße. Auch sollten sie nicht auf das Aussehen oder die Figur des Betroffenen eingehen. Sie sollten ihr Kind auch nicht dafür loben, dass es zugenommen oder gut gegessen hat, denn es könnte sich daraufhin wieder Selbstvorwürfe machen und die Erkrankung vertieft sich.
Eltern sollten mit engen Freunden oder mit Leuten, die persönlich nicht so involviert sind und die Situation dementsprechend objektiver betrachten können, sprechen. Darüber hinaus kann es gut sein, selbst professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch der Besuch einer Selbsthilfegruppe für Angehörige kann hilfreich sein. Es lässt sich insgesamt besser mit dem Problem zurechtzukommen, wenn man Umgang mit Menschen hat, die ähnliche Schwierigkeiten und Erfahrungen mit Ess-Gestörten gemacht haben.