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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Suizidabsichten und Suizidversuche bei Kindern und Jugendlichen

Bei einer Suizidankündigung oder einem Suizidversuch von Kindern und Jugendlichen steht häufig nicht der Wunsch zu sterben im Vordergrund, sondern die Vorstellung, so wie bisher nicht weiterleben zu können. Die Zeit des Heranwachsens ist eine schwierige Phase, in der Kinder und Jugendliche ständig mit Veränderungen, neuen Anforderungen und Krisen zurechtkommen müssen. Gelingt ihnen dies nicht, sehen sie den Tod manchmal als Ausweg. Doch meist ist eine Suizidandrohung oder der Suizidversuch eher ein Hilfeschrei und die verzweifelte Suche nach Zuwendung.

Der Weg zum Suizid oder -versuch kann als ein kontinuierliches Verhalten beschrieben werden. Oftmals beginnt es mit dem Wunsch nach Ruhe, einer Unterbrechung des Lebens, steigert sich in Todeswünsche, Suizidgedanken und -pläne, bis es schließlich zur selbstschädigenden bis lebensbedrohlichen Handlung kommt. Die Sehnsucht nach Ruhe, Todeswünsche und Suizidgedanken ohne konkrete Planung kennen ca. 25% der Jugendlichen. Suizidabsichten und -pläne sind hingegen fast immer Ausdruck einer starken selbst erlebten Not. Ein Mensch, der sich innerlich fest entschlossen hat sterben zu wollen, steckt in einer akuten lebensbedrohlichen Krise. Bei den meisten Jugendlichen hält dieser Zustand nur über einen kurzen Zeitraum an.

Suizidankündigungen sollten generell ernst genommen werden und müssen für Eltern, Freunde und andere Kontaktpersonen immer ein alarmierendes Warnzeichen sein. Denn die Ernsthaftigkeit eines Suizidversuchs ist oft schwer abzuschätzen. Dies gilt besonders bei Kindern. Hier ist dringend die umgehende Vorstellung in der zuständigen Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie notwendig, damit das Risiko durch einen Facharzt eingeschätzt wird und, falls nötig, Maßnahmen eingeleitet werden können.

Suizid ist nach Unfällen die zweithäufigste Todesursache im Jugendalter. Im Jahr 2011 starben in Deutschland 130 15- bis < 20-jähr. männliche Jugendliche und junge Erwachsene durch Suizid, bei den weiblichen Jugendlichen und jungen Frau in dieser Altersstufe waren es 42. Bei den unter 15-jährigen starben 12 Jungen und 9 Mädchen durch Suizid (www.destatis.de). Die Häufigkeit von Suizidversuchen wird mit 0,2 bis 18% angegeben, bei psychiatrischen Inanspruchnahmepopulationen beträgt die Häufigkeit bis 60%. Von vielen Suizidversuchen erfahren nur Beratungsstellen, Hausärzte oder sie bleiben gänzlich unbekannt.

 

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Katja Becker, Marburg (DGKJP)