Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Warnzeichen: Alkohol- und/oder Drogenkonsum

Die meisten Kinder und Jugendlichen haben Erfahrung mit Alkohol und anderen Drogen, die sie einfach nur ausprobieren und dann mit dem Konsum aufhören, oder damit weitermachen, ohne große Probleme zu haben. Einige nehmen regelmäßig Drogen, mit unterschiedlich starken körperlichen, emotionalen oder sozialen Folgen. Einige entwickeln eine Abhängigkeit und schaden sich selbst und anderen sehr stark. Da Kinder und Jugendliche schneller lernen können als Erwachsene, gewöhnen sie sich auch schneller an den Umgang mit Suchtstoffen. Nikotin, Alkohol und andere Drogen lösen eine Veränderung der Vernetzung von Gehirnzellen aus, die eine dauerhafte Suchtgefährdung bewirken kann.

Der Einstieg in die Sucht beginnt meist mit den legalen Drogen Alkohol und Nikotin. In der öffentlichen Wahrnehmung hat sich die Alkoholproblematik bei Kindern und Jugendlichen in den letzten Jahren deutlich verschärft. Tatsächlich ist der regelmäßige Alkoholkonsum bei den Unter-20-Jährigen seit den 1970er-Jahren jedoch kontinuierlich zurückgegangen. Deutlich zugenommen allerdings hat der Anteil derjenigen, die sich bis zum Vollrausch betrinken. Was in Jugendkreisen als Koma-Saufen oder Kampf-Trinken bezeichnet wird, führt immer häufiger zu lebensbedrohenden Alkoholvergiftungen. Seit 2000 hat sich die Zahl der Jugendlichen bis 20 Jahren, die mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden mussten mehr als verdoppelt. Diejenigen, die trinken, trinken immer extremer. Und der Einstieg in den Alkoholkonsum findet immer früher statt. Heute macht die Hälfte aller 12-Jährigen bereits erste Erfahrungen mit Alkohol.

Cannabis-Produkte wie Haschisch und Marihuana sind für viele Jugendliche die ersten illegalen Drogen. Die meisten Heranwachsenden konsumieren ihre früheren Drogen weiter, wenn sie neue ausprobieren. Einige "wachsen heraus" aus dem Alkohol- oder Drogenkonsum. Da man aber nicht vorhersagen kann, auf wen das zutrifft, sollte jeder Konsum als gefährlich betrachtet werden.

Konsumiert ein Kind regelmäßig Alkohol, Cannabis oder andere Drogen, sollte frühzeitig eine Drogenberatungsstelle oder ein Kinder- und Jugendpsychiater aufgesucht werden.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. Rainer Thomasius, Hamburg (DGKJP)