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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Trennung/Scheidung: Wie sollten sich Eltern verhalten?

Eine Trennung/Scheidung kann von Kindern und Jugendlichen falsch verstanden werden, wenn die Eltern ihnen nicht erklären, was passiert ist , welche Entscheidungen warum von den Eltern gemeinsam (!) getroffen wurden und was mit ihnen geschehen wird. Kinder und Jugendliche glauben oft, sie hätten den Konflikt zwischen Mutter und Vater verursacht und fühlen sich verantwortlich dafür, ihre Eltern wieder zusammenzubringen; manchmal indem sie sich selbst opfern. Anfälligkeit für körperliche und seelische Erkrankungen kann durch den traumatischen Verlust eines oder beider Elternteile durch Trennung und Scheidung verursacht werden. Durch Verantwortlichkeit und Aufmerksamkeit auf Seiten der Eltern können allerdings während einer Trennung/Scheidung die Stärken einer Familie mobilisiert und dabei den Kindern geholfen werden, in einer für sie konstruktiven Weise mit dem elterlichen Konflikt umzugehen.

  • Ein Scheidungskind braucht immer wieder die Bestätigung, dass es geliebt wird und seine Person nicht der Grund dafür ist, dass Mutter und Vater sich nicht mehr verstehen. Dies ist besonders dann erforderlich, wenn es erlebt hat, dass der Streit seiner Eltern sich an Erziehungsfragen entfachte.
  • Kinder und Jugendliche sollten wissen, dass Mutter und Vater ihre Eltern bleiben, auch wenn die Ehe endet und die Eltern nicht mehr zusammen leben. Die Eltern sollten über die Gründe und die Endgültigkeit der Trennung sprechen, damit sich das Kind/der Jugendliche von unerfüllbaren Träumen und Hoffnungen, die Familie könne wieder zusammenkommen, verabschieden kann.
  • Bei der Erläuterung der Gründe für eine Scheidung sollten Alter und Entwicklungsstand des Kindes/des Jugendlichen berücksichtigt werden. Bis ins frühe Schulalter hinein versteht ein Kind noch nicht, dass die Liebe zwischen den Eltern an Bedingungen geknüpft ist und nicht den „Unendlichkeitscharakter“ besitzt, den seine eigene Liebe in der Beziehung zu Vater und Mutter prägt. Das Kind kann Liebe nicht in Frage stellen. Seine Liebe ist zeitlich unbegrenzt. Es braucht etwa 15 Jahre bis sich aus dem Denken der Kinder die Gedankenwelt der Erwachsenen entwickelt hat. Wichtig ist zu wissen, dass rationale Erklärungen das Kind/den Jugendlichen auf die Dauer nicht beruhigen können, sondern nur die Gefühle, welche die Eltern ihm entgegenbringen, sowie die positiven gemeinsamen Erfahrungen.
  • Das Kind/der Jugendliche soll sich nicht entscheiden müssen, wer von den Eltern die Wahrheit sagt und wer lügt. Für die psychische Gesundheit der Kinder ist es problematisch, wenn sie Loyalitätskonflikte gegenüber den Eltern entwickeln. Diese kommen meist zwangsläufig auf, wenn die Eltern keinen respektvollen Umgang miteinander pflegen. Lange Sorgerechts-Diskussionen oder Druck auf die Kinder, "eine Seite zu wählen", können besonders schädlich sein und die Belastungen durch die Trennung/Scheidung noch verschlimmern.
  • Das Benutzen von Kindern, um dem Partner Schaden zuzufügen, beziehungsweise, um eigene Konflikte zu bearbeiten, ist eine Form von Kindesmisshandlung. Die weiterbestehende Verantwortung der Eltern für das Wohlergehen des gemeinsamen Kindes ist lebenswichtig und sollte auch beim Umgang mit dem Partner nicht vergessen werden.
  • Eltern sollten versuchen, die Trennung/Scheidung auch psychisch zu vollziehen, sie als Neuanfang und neue Chance zu nutzen. Somit wird auch den Kindern und Jugendlichen eine Verarbeitung des Scheidungserlebnisses ermöglicht. Ein Abwälzen der Verantwortung auf den anderen Elternteil oder die Verleugnung der Realität sollte vermieden werden.
  • Ein Kind/ein Jugendlicher braucht Einfühlung in seine Krisensituation, Trost und Unterstützung. Es sollte über die Gründe der Trennung/Scheidung und über die Planungen der künftigen Lebenssituation aufgeklärt werden. Es fühlt sich  dann mit seinen Gefühlen zwischen Hoffnung und Angst, zwischen Liebe und Hass nicht alleingelassen. Dadurch wird es von Scham- und Schuldgefühlen entlastet, die sich häufig darauf beziehen, in der Beziehung zum weggegangenen Elternteil versagt zu haben und bei seinen Versöhnungsversuchen gescheitert zu sein.
  • Die Eltern sollten sich immer wieder bewusst machen, dass sich ihr Kind, egal wie alt es ist, gegen von ihnen ausgehende negative Gefühle wie Wut, Hass oder Frustration nicht abgrenzen kann. Auch wenn diese Gefühle gegen den Partner oder die ganze Situation gerichtet sind, fühlt sich das Kind/der Jugendliche mit einbezogen und erlebt die negativen Emotionen als Verunsicherung oder gar Ablehnung.

Fachliche Unterstützung: DGKJP