Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Was können Eltern mit depressiven Kindern tun?

Eltern können ihrem Kind Raum für Gespräche anbieten. Dabei ist es wichtig, viel Geduld zu haben und das Zuhören in den Vordergrund zu stellen. Möglichst zurückhaltend sollten Eltern mit Tipps und Kommentaren sein, wie: “Kopf hoch, wird schon wieder” oder “Reiß dich doch mal zusammen”. Diese Äußerungen setzen den Betroffenen meist noch mehr unter Druck bzw. die Ausweglosigkeit wird ihm bewusster, denn das Problem liegt darin, dass Betroffene dazu aktuell nicht in der Lage sind. Das Kind kann nichts dafür, auch wenn es Außenstehenden manchmal so scheint, als könne es sich einfach aus seiner Situation befreien. Dass es dies nicht kann, ist ja gerade seine Krankheit.

Eltern können erfragen, ob sich das Kind manchmal einsam oder unglücklich fühlt, ob oft Tränen fließen, ob nur noch an wenigen Dingen Freude besteht oder auch, ob es schon mal daran gedacht hat, sich das Leben zu nehmen. Werden einzelne dieser Fragen bejaht, sollten Eltern unbedingt einen Kinder- und Jugendpsychiater zu Rate ziehen. Eine tatsächliche Unterscheidung zwischen einer normalen Verstimmung und einer Krankheit können nur Fachärzte treffen. Generell sollte ein Arztbesuch nicht zu lange herausgezögert werden. Eltern sollten hellhörig sein, wenn Selbstmordgedanken geäußert werden und in diesem Fall anbieten, mit dem Jugendlichen zu einem Kinder-und Jugendpsychiater zu gehen. Oftmals ist es auch so, dass insbesondere Jugendliche nicht mit den Eltern über ihre Probleme sprechen wollen. In diesen Fällen sollte nicht zu stark auf die Jugendlichen eingedrängt werden, „doch zu erzählen, was mit ihnen los ist“, sondern eher professionelle Hilfe gesucht werden.

Wenn Eltern oder Kontaktpersonen sich nicht in der Lage fühlen, über Probleme und Gefühle mit den Depressiven bzw. Selbstmordgefährdeten zu sprechen, sollten sie den Kindern die Möglichkeit einer Kontaktaufnahme mit einem Kinder- und Jugendpsychiater ermöglichen. In vielen größeren Städten gibt es darüber hinaus Kinder- und Jugendberatungen, einen schulpsychologischen Dienst, Suchtberatungsstellen. Auch ein Sorgentelefon für Kinder- und Jugendliche (www.nummergegenkummer.de) ist von Montag bis Freitag zwischen 15.00 bis 19.00 Uhr erreichbar: Telefonnummer 0800 - 111 0 333 oder 116 111. Für Eltern ist ebenfalls vom „Nummer gegen Kummer e.V“ ein bundesweites telefonisches Gesprächs-, Beratungs- und Informationsangebot eingerichtet, das schnell, kompetent und anonym unterstützt: Elterntelefon: 0800 - 1 111 0 550

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Michael Kölch, Berlin (DGKJP)