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Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Was sind Depressionen bei Kindern und Jugendlichen?

Eine Depression im Kindes- oder Jugendalter ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Ein Teil der Depressionen im Kindes- und Jugendalter tritt vorübergehend auf, bei vielen Patienten kann es aber zu weiteren depressiven Phasen im späteren Leben kommen. Wichtig zu wissen ist, dass es bei depressiven Störungen,  zu schwerwiegenden Folgen für das Kind oder den Jugendlichen kommen kann, wie z.B. Problemen bei der Bewältigung der Schule, oder aber auch Suizidgedanken. Deshalb bedürfen depressive Störungen einer frühzeitigen Diagnostik und Behandlung. Betroffene haben neben einem erhöhten Risiko für Substanzmissbrauch und andere psychischen Störungen auch ein erhöhtes Suizidrisiko. Der Suizid ist (nach Unfällen) die zweithäufigste Todesursache im Kindes- und Jugendalter, der überwiegende Teil der Suizide steht im Zusammenhang mit einer Depression.

Jugendliche mit Depressionen
(© Jürgen Fälchle - Fotolia.com) Bei depressiven Störungen kann es zu schwerwiegenden Folgen für Kinder oder Jugendliche kommen

Die Symptome einer Depression unterscheiden sich in den jeweiligen Altersklassen. Bei kleineren Kindern bis zu etwa sechs Jahren liegt das Schwergewicht der Symptome oft auf erhöhter Ängstlichkeit, körperlichen Beschwerden, heftigen Temperamentsausbrüchen und Verhaltensproblemen - z.B. Aggressionen, rebellisches Verhalten. Bei älteren Kindern kommen stärker Symptome wie mangelndes Selbstbewusstsein, Schuldgefühle und Gefühle der Hoffnungslosigkeit ("ist doch alles egal") zum Vorschein. Oft zeigt sich bei älteren Kindern und Jugendlichen auch eine starke und dauerhafte Gereiztheit als Symptom, das dann als „typisch Pubertät“ fehlgedeutet werden kann.  Jugendliche leiden zudem gehäuft unter Wertlosigkeitsgefühlen, Freudlosigkeit, Interessenverlust sowie Schlaf- und Appetitstörungen, Libidoverlust, Selbstverletzungen und Suizidgedanken.

Wechseln sich bei Kindern oder Jugendlichen Zustände von depressiver Stimmung und extrem gehobener Stimmungen (Manie) ab, wird diese Ausprägung als bipolare affektive Störung bezeichnet. Während der manischen Episoden ist die Stimmung unangemessen gehoben, es kann zu sorgloser Heiterkeit und unkontrollierbaren Erregungszuständen kommen. Bipolare Erkrankungen im Jugendalter beginnen häufiger mit einer depressiven Phase und erst im Verlauf kann erkannt werden, dass es sich um eine bipolare Störung handelt. Ebenfalls können insbesondere im Jugendalter sogenannte hypomane Zustände auftreten, die sich durch eine gereizte Stimmung und ein nicht mehr normales Aktivitätsniveau auszeichnen, ohne dass es zu der stark gehobenen Stimmung kommt.

Bis zur Pubertät erkranken Jugend genauso häufig wie Mädchen, aber der Pubertät erkranken Mädchen häufiger als Jungen. Depressive Episoden im Jugendalter sind meist kürzer als im Erwachsenenalter, bei einem Drittel der betroffenen Kinder und Jugendlichen lassen die Symptome innerhalb von 3 Monaten nach. Allerdings besteht bei 80% der jugendlichen Patienten bei ausbleibender Behandlung die Gefahr eines Rückfalls und damit einer Chronifizierung. Viele betroffene Jugendliche haben Schwierigkeiten in der Schule und im Umgang mit Gleichaltrigen. Nicht selten leiden sie noch als Erwachsene unter einem geringen Selbstwertgefühl, Zurückgezogenheit oder Pessimismus.

Man schätzt, dass bis zu 3,4% der Grundschulkinder und bis zu 8,9% der Jugendlichen in den westlichen Industrieländern von depressiven Störungen betroffen sind. 

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Michael Kölch, Berlin (DGKJP)