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Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Symptome & Erkrankungsbild von Kindern und Jugendlichen mit Depressionen

Depressionen äußern sich bei Kindern und Jugendlichen in manchen Symptomen anders als bei Erwachsenen, das Krankheitsbild unterscheidet sich auch innerhalb der jeweiligen Altersklassen voneinander:

Bei Kleinkindern

Bei Kleinkindern stehen häufig körperliche Symptome wie Appetitlosigkeit, Schlafstörungen oder Bauchschmerzen im Vordergrund. Sie werden nach anfänglichem Schreien und Weinen zu Beginn der Erkrankungsphase, meist zunehmend passiv und desinteressiert.

Bei Vorschulkindern

Bei Vorschulkindern können Lustlosigkeit, Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und Aggressivität Anzeichen einer Depression sein.

Im Schulalter

Im Schulalter leiden betroffene Kinder oftmals unter Traurigkeit, Schuldgefühlen sowie Versagensängsten und ziehen sich nicht selten von sozialen Kontakten zurück. Die Kinder können auch eine gereizte Stimmung zeigen.

Im Pubertäts- und Jugendalter

Typische Symptome, die im Pubertäts- und Jugendalter bei einer depressiven Erkrankung auftreten, sind Ein- und Durchschlafstörungen, körperliche Beschwerden wie Appetit- und Gewichtsverlust sowie tageszeitliche Schwankungen des Befindens mit einem „Tief“ am Morgen. Aber auch Verhaltensveränderungen wie Stimmungsanfälligkeit, Lustlosigkeit, Interessenverlust, Rückzug, vermindertes Selbstvertrauen oder auch Drogenkonsum können darauf hinweisen.

Eine Depression unterscheidet sich von einem Stimmungstief durch die Dauer, die Häufigkeit und die Intensität der Symptome. Folgende Symptome sind häufig bei depressiven Menschen aller Altersstufen zu finden. Für einen Verdacht auf Depression sollten mehrere dieser Krankheitszeichen über Wochen nahezu täglich zu beobachten sein.

  • anhaltende Traurigkeit
  • Schuldgefühle, wenig Selbstvertrauen, Gefühl von Wertlosigkeit
  • niedrige Frustrationstoleranz, schnell weinen oder wütend werden
  • anhaltende Interesselosigkeit, Freudlosigkeit, Mangel an Energie
  • sozialer Rückzug, keine Lust mit Freunden zusammen zu sein
  • Schlaflosigkeit oder zuviel Schlaf
  • vermehrter oder verringerter Appetit
  • ständige Müdigkeit
  • Schwierigkeiten, konstruktiv mit Problemen umzugehen, statt dessen Rückzug
  • Drogenmissbrauch, Selbstmordgedanken
  • Konzentrations- und Entscheidungsschwächen

Häufig kommen Kinder und Jugendliche aus einem Teufelskreis von Ängsten und Sich-Nicht-Verstanden-Fühlen ohne fremde Hilfe nicht heraus. Wenn sie sich schon trauen, über Ängste oder Selbstwertgefühle oder Hoffnungslosigkeit zu sprechen, sollte dies von Lehrern, Eltern und Kollegen unbedingt ernst genommen werden.

Manisch-Depressive Erkrankung/Störung
(© Rufar - Fotolia.com) Bei der bipolar affektiven Störung wechseln depressive Phasen mit manischen Phasen bei Kindern und Jugendlichen

Wechseln sich bei Kindern oder Jugendlichen depressive Phasen mit manischen Phasen ab, spricht man von einer bipolar affektiven Störung (manisch-depressive Erkrankung). Die manischen Symptome sind u.a.:

  • starke Stimmungsschwankungen im Vergleich zu gleichaltrigen Jugendlichen mit demselben kulturellen Hintergrund: Entweder sind die Betroffenen ungewöhnlich heiter und ausgelassen oder auch sehr reizbar,
  • übersteigerte Selbsteinschätzung: Zum Beispiel kann ein Jugendlicher glauben, mit Gott in Verbindung zu stehen,
  • gesteigerte Betriebsamkeit und vermindertes Schlafbedürfnis (kommt mehrere Tage mit wenig oder keinem Schlaf aus, ohne sich müde zu fühlen),
  • vermehrte Gesprächigkeit oder Rededrang: Die Jugendlichen sprechen sehr viel und sehr schnell und springen von Thema zu Thema. Sie lassen sich dabei auch nicht unterbrechen,
  • erhöhte Ablenkbarkeit: Die Aufmerksamkeit springt ständig von einer Sache zur anderen,
  • die Jugendlichen verhalten sich stark selbstgefährdend und glauben, sie seien unverletzlich,
  • es kann zu einem übersteigerten Sexualverhalten mit riskantem Geschlechtsverkehr kommen

Die depressiven Symptome sind u.a.:

  • Andauernde Traurigkeit; häufiges Weinen; gedrückte Stimmung
  • Verlust des Interesses an Aktivitäten, die früher Spaß gemacht haben
  • Viele körperlichen Beschwerden, wie z.B. Kopf- oder Magenschmerzen
  • Verminderung der Energie, Konzentrationsschwäche, Langeweile
  • Veränderung des Ess- oder Schlafverhaltens, wie vermehrter Schlaf oder vermehrte Nahrungsaufnahme

Einige dieser Anzeichen ähneln denen, die bei Jugendlichen mit anderen Problemen, wie z.B. Drogenmissbrauch, Straffälligkeit, Hyperaktivität oder sogar Schizophrenie auftreten. Die Diagnose kann nur bei Beobachtung über einen längeren Zeitraum gestellt werden. Eine gründliche Untersuchung bei einem Kinder- und Jugendpsychiater, der auch eine passende Therapie einleiten kann, ist wichtig.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Michael Kölch, Berlin (DGKJP)