Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Störungsbilder und Symptome

Akute Angst besteht aus drei Komponenten: den körperlichen Symptomen, den Gedanken und dem Verhalten.

Die Tabelle gibt einen Überblick, über Symptome der Angst, die in diesen drei Bereichen möglich sind:

KörperGedankenVerhalten

Herzklopfen

Schwitzen

Zittern

Bauchschmerzen

Kopfschmerzen

Übelkeit

Meiner Mutter/Meinen Eltern passiert etwas Schlimmes.            

Der Hund wird mich beißen/Die Spinne wird mich anspringen

Die anderen werden über mich reden/lachen.

Ich werde nicht gut genug sein.

Es passiert etwas Schlimmes, wenn ich meine Stifte nicht richtig ordne.

Vermeidung

Weinen

Weglaufen

Anklammern

Schweigen

Erstarren

Rückzug

aggressives Verhalten

Trennungsangst

Die Trennungsangst ist durch eine unrealistische, anhaltende Sorge über die Trennung von den Eltern oder den Bezugspersonen charakterisiert. Die Angst tritt in Erwartung oder unmittelbar bei der Trennungssituation auf. Hierbei leiden die Betroffenen unter der Befürchtung, den Eltern oder Ihnen könnte etwas zustoßen, wodurch eine dauerhafte Trennung erfolgen könnte. Eine starke Angstreaktion ist die Folge. Ist das Vermeiden der Trennungssituation nicht möglich, können sie gereizt, aggressiv oder auch apathisch reagieren. Durch Schlagen, Schreien und Klammern versuchen sie, die bevorstehende Trennung zu verhindern.
Auch meiden diese betroffenen Kinder es, abends alleine zu sein, bei Dunkelheit oder geschlossener Tür zu schlafen sowie bei Freunden zu übernachten oder in den Kindergarten bzw. in die Schule zu gehen (Schulphobie).
Als körperliche Symptome treten typischerweise Bauch-und Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auf. Diese Beschwerden klingen ab, wenn die Trennung nicht eintritt. Kommt es zur Trennung, wird diese unter starker Angst ertragen.

Phobien

Typisch für eine Phobie ist eine unangemessene, dauerhafte ausgeprägte Angstreaktion gegenüber bestimmten Situationen, Objekten oder Tieren, die in der Regel harmlos und ungefährlich sind. Dabei kommt es zu einer unmittelbaren Angstreaktion, wenn das Kind bzw. der Jugendliche mit dem phobischen Reiz (Tier, Objekt z.B. Spritze, vor anderen sprechen) konfrontiert wird. Meist versuchen die Betroffenen die Situation zu vermeiden oder aus ihr zu flüchten.

Es werden verschiedene Formen der Phobie unterschieden:

Eine Phobische emotionale Störung des Kindesalters liegt vor, wenn es sich um entwicklungsspezifische Ängste handelt die anhaltend, wiederholt und sehr ausgeprägt auftreten (z.B. Angst vor Dunkelheit, Fantasiekreaturen etc.)

Eine Spezifische Phobie liegt vor, wenn die angstbesetzte Situation/der angstauslösende Stimulus eng umgrenzt sind und nicht vom Entwicklungsstand abhängig ist (z.B. Furcht vor Hunden, engen Räumen, Spritzen etc.)

Eine Agoraphobie liegt vor, wenn Ängste in Menschenmengen, auf öffentlichen Plätzen oder bei Entfernung von daheim auftreten. Parallel kann eine Panikstörung vorliegen, die durch plötzliche Angstattacken gekennzeichnet ist. Die Agoraphobie tritt meist erst im Jugend- und jungen Erwachsenenalter auf.

Die soziale Phobie geht mit Angst in sozialen Situationen einher. Betroffene Kinder und Jugendliche fürchten, sich in bestimmten Situationen zu blamieren, zu versagen, sich lächerlich zu machen oder gedemütigt zu werden. Typisch für sozial ängstliche Kinder und Jugendliche ist oft ein niedriges Selbstwertgefühl und Furcht vor Kritik. Verhaltensanzeichen sind eine ausgeprägte Verlegenheit, Scham und Publikumsangst. Im Umgang mit anderen Menschen geben sich sozial verängstigte Kinder extrem schüchtern.

Generalisierte Angststörung

Die generalisierte Angststörung zeichnet sich durch anhaltende und kontrollierbare bzw. übersteigerte Sorgen in mehreren Lebensbereichen aus. Als Symptome treten Gefühle der Anspannung, eine ängstliche Erwartungshaltung sowie das Bedürfnis nach Rückversicherung auf. Betroffene weisen ein niedriges Selbstwertgefühl auf, haben ein negatives Selbstbild und neigen zum Grübeln und zu Vermeidungsverhalten.

Kinder und Jugendliche, die von einer generalisierten Angststörung betroffen sind, berichten darüber hinaus von weiteren Symptomen, wie Müdigkeit, Konzentrationsproblemen, Schlafstörungen und vermehrten Sorgen über die eigene Person und über die Eltern.

Fachliche Unterstützung: Prof. Dr. med. Bernhard Blanz, Jena (DGKJP)