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13.09.2017

Stimmenhören kann Symptom einer Psychose sein – ärztliche Abklärung sehr wichtig

Noch bevor psychotische Symptome auftreten, können bereits Beeinträchtigungen der Stimmung, des Antriebs sowie der kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten bemerkt werden, die das soziale Leben und die Ausbildung oder den Beruf behindern.

Unter dem Begriff «Psychose» werden eine Reihe - in vielen Fällen vorübergehender - psychischer Störungen zusammengefasst, bei denen die Betroffenen die Realität verändert wahrnehmen oder verarbeiten. Ein Symptomkomplex der Erkrankung besteht in ungewöhnlichen Wahrnehmungen. Hierbei kann es beispielsweise zu einer intensivierten oder auch veränderten Wahrnehmung von Geräuschen oder auch Farben kommen. „Betroffene haben zuweilen das Gefühl, Dinge zu sehen, zu hören, zu schmecken oder zu riechen, die andere Menschen nicht wahrnehmen. Stimmenhören und andere Halluzinationen sind typische Phänomene sowie auch das Gefühl, man selbst oder Umgebung sei verändert. Bei solchen Symptomen ist eine zeitnahe Abklärung durch einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie oder durch ein Früherkennungszentrum ganz wichtig“, rät Dr. Sabine Köhler vom Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) mit Verbandssitz in Krefeld. Das Krankheitsbild bei Psychosen ist grundsätzlich aber sehr vielfältig. Sie gehen oft mit schwerwiegenden Denkstörungen einher und werden dabei meist von starken Ängsten begleitet. In vielen Fällen ist es ein schleichender Prozess, bei dem sich das Erleben langsam verändert und nach und nach weitere Symptome auftreten.

Veränderung des Wesens, der Gefühle und der Leistungsfähigkeit

Noch bevor psychotische Symptome auftreten, können bereits Beeinträchtigungen der Stimmung, des Antriebs sowie der kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten bemerkt werden, die das soziale Leben und die Ausbildung oder den Beruf behindern. „Oftmals verspüren Betroffene eine innere Unruhe, neigen zu Nervosität oder auch Reizbarkeit und sind sehr sensibel oder geradezu überempfindlich. Auch Stimmungsschwankungen und verflachte Gefühle sowie Konzentrationsstörungen und eine geringe Belastbarkeit – insbesondere bei Stress – treten häufig auf“, illustriert die Psychiaterin und Psychotherapeutin. Durch rechtzeitiges Erkennen und frühzeitige Hilfe ist es möglich, den Ausbruch einer Psychose zu verhindern oder den Verlauf abzuschwächen. Dabei kommt es darauf an, schon die ersten, noch leichten Krankheitserscheinungen zu erfassen und professionelle Hilfsangebote - wie beispielsweise Früherkennungszentren - aufzusuchen. Liegen zunächst eher diffuse, nicht genau erfassbare Anzeichen vor, können regelmäßige ambulante Termine zur Kontrolle wahrgenommen werden.

In vielen Fällen ambulante Behandlung ausreichend

Es existieren verschiedene Typen von Psychosen, die sich in ihren Ursachen, Symptomen und in der Dauer voneinander unterscheiden. Darunter die Schizophrenie, bei der Verhaltensveränderungen und damit einhergehende Symptome über mindestens sechs Monate bestehen. „Psychotische Erkrankungen sind heutzutage gut behandelbar. Es können je nach Ausprägung verschiedene Behandlungsmöglichkeiten angewendet werden, wie psychologische, soziale oder auch medikamentöse Therapien“, berichtet Dr. Köhler. „In vielen Fällen kann eine Therapie fast ausnahmslos ambulant und ohne Klinikbehandlungen erfolgen.“

Eine erhöhte Anfälligkeit für psychotische Erkrankungen kann durch verschiedene Faktoren bedingt sein, wie u.a. frühe Entwicklungsstörungen, familiäre Vorbelastungen, traumatische Erlebnisse, eine Verletzung oder schwere Infektion des Gehirns oder früher und massiver Drogenkonsum.

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