Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

Begriffserklärung: Neurologie

Die Neurologie beschäftigt sich mit dem Aufbau, der Funktion und den Erkrankungen des Nervensystems. Das Nervensystem besteht einerseits aus dem zentralen Nervensystem (ZNS) wozu das Gehirn und das Rückenmark gerechnet werden und andererseits aus dem peripheren Nervensystem (PNS), das die peripheren Nerven, Nervenwurzeln und Nervengeflechte umfasst. Als Teil davon noch das  vegetative Nervensystem genannt werden, das die innere Organe und unbewussten Körperfunktionen reguliert. Auch die Muskeln fallen zu einem Teil in das Fachgebiet der Neurologie, weil Muskeln und Nerven eine untrennbare Einheit bilden. Ein Neurologe ist daher ein Facharzt der auf die Erkennung und Behandlung von Erkrankungen des Gehirns, der Sinnesorgane, des Rückenmarks, der peripheren Nerven einschließlich der Nervenwurzeln und der Muskeln spezialisiert ist. Der Neurologe beschäftigt sich zudem mit den Krankheiten der blutversorgenden Gefäße des Nervenssystems und Erkrankungen des Immunsystems und des Hormonsystems, soweit es das Nervensystem betrifft sowie mit den Erkrankungen der Hirnhäute.

Neurologische Krankheiten und Teilgebiete der Neurologie

Die Ursachen neurologischer Erkrankungen sind äußerst vielseitig. Die vaskuläre Neurologie beschäftigt sich mit Durchblutungsstörungen des Gehirns, die zum Beispiel zu einem Schlaganfall führen können. Neuroimmunologische, also  entzündliche Erkrankungen des zentralen Nervensystems sind zum Beispiel die Multiple Sklerose oder eine Veilzahl anderer Autoimmunerkrankungen. Bakterielle oder virale Infektionen verursachen Entzündungen des Gehirns und der Hirnhäute. Degenerative Erkrankungen sind mögliche Ursachen von Krankheiten wie Parkinson oder Demenzerkrankungen. Die Neurotraumatologie beschäftigt sich mit der Diagnostik und den Folgen von Schädel-Hirn-Traumen oder Verletzungen des Rückenmarks und der peripheren Nerven. Funktionsstörungen der hirnelektrischen Aktivität des Gehirns können sich  in einer Epilepsie bemerkbar machen. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl neurologischer Schmerzerkrankungen, wie Kopf- und Gesichtsschmerzen, Neuralgien oder Nervenkompressionen zum Beispiel als Folge von Bandscheibenvorfällen. Zu der Neuroonkologie gehören Tumorerkrankungen des Nervensystems. Die Neuropsychologie oder kognitive Neurologie beschäftigt sich mit der Diagnostik und Therapie u.a. von Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen sowie der Wahrnehmung und der Handlungsplanung.

In den  Grenzbereichen zum HNO-ärztlichen Fachgebiet werden in der Neurootologie z.B. Schwindelkrankheiten mit neurologischen Ursachen behandelt, im Grenzbereich zur Augenheilkunde, der Neuroophtalmologie neurologische Krankheiten der Sehnerven, des sehverabeitenden Teils des Gehirns und der Augenmuskeln. Die Neuroorthopädie  beschäftigt sich mit Schädigungen des Rückenmarks und der Nervenwurzeln als Folge von Erkrankungen der Wirbelsäule.

Ein enges Verhältnis besteht zu anderen Fachgebieten wie der Psychiatrie, weil viele Erkrankungen des Gehirns auch psychische Symptome im engeren Sinne hervorrufen, bzw. viele psychiatrische Krankheiten neurobiologische Ursachen haben.

Eine enge Zusammenarbeit pflegen Neurologen zu Radiologen und Neuroradiologen, die sich mit der „Bildgebung“ neurologischer Krankheiten befassen, sowie zu Neuropathologen, die sich u.a. mit der Diagnostik von Gewebeproben beschäftigen. Eine große Überschneidung und enge Zusammenarbeit ergibt sich mit vielen Internisten wie Rheumatologen, Endokrinologen, Gastroenterologen und insbesondere auch Kardiologen sowie mit Urologen.

Symptome neurologischer Krankheiten

Zu den Symptomen neurologischer Krankheiten gehören u.a.:

  • Schwächegefühle und Lähmungen von Extremitäten und Gliedmaßen oder größerer Körperpartien,
  • Taubheitsgefühle und Missempfindungen
  • Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen
  • Gangsstörungen
  • Schwindel
  • Sehstörungen, Störungen der Sehschärfe, Doppelbilder
  • Bewusstlosigkeit oder Veränderungen des Bewusstseins
  • Epileptische Anfälle
  • Veränderungen des Muskeltonus mit Muskelschwäche oder Steifigkeit von Muskeln oder Muskelzucken
  • Bewegungsstörungen mit Einschränkungen der Beweglichkeit oder Überbeweglichkeit
  • Zittern einzelner Gliedmaßen, des ganzen Körpers oder des Kopfes
  • Kopf- und Gesichtsschmerzen
  • Schmerzen im Bereich einzelner Gliedmaßen oder des Rumpfes
  • Konzentrations-, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen
  • Andere neuropsychologische Symptome wie Veränderungen der Wahrnehmung, der räumlichen Orientierung, der Handlungsplanung und Verhaltenskontrolle
  • Veränderungen der Sprache, des Sprechens, des Sprachverständnis
  • Veränderungen des Aussprache, der Deutlichkeit des Sprechens oder Prosodie Veränderungen des Schluckaktes
  • Bestimmte Formen von Blasenstörungen

Geschichte

Die neurologische Forschung begann Anfang des 19. Jahrhunderts. Da sich viele neuro­lo­gische Erkrankungen in Form von körperlichen Beschwerden äußern, war die Neurologie in ihrer einen Quelle ein Teilgebiet der inneren Medizin. Die Behandlung der Erkrankun­gen von "Geisteskranken" stellte hingegen schon im 18. Jahrhundert eine selbstständige Fach­rich­tung dar und führte zur Gründung der Psychiatrie. Da viele Erkrankungen des Gehirns auch psychische Symptome hervorrufen, war die Psychiatrie die zweite Quelle der Neurologie.

Heinrich-Moritz Romberg (1799-1873), Nicolaus Friedreich (1825-1882), Wilhelm Heinrich Erb (1840-1921) und Heinrich Quincke (1842-1922) gehörten Mitte des 19. Jahrhunderts zu den ersten Ärzten, welche die Neurologie als von der inneren Medizin unabhängige Disziplin beschrieben. Andere Forscher wie Wilhelm Griesinger (1817-1866) und Carl Westphal (1833-1890) strebten eine Verbindung der Neurologie mit der Psychiatrie an. Unter Medizinern blieb die Frage bis Anfang des 20. Jahrhunderts umstritten, ob die Neurologie als Teilgebiet der inneren Medizin oder der Psychiatrie einzuordnen ist bzw. ob sie eine eigenständige Fachrichtung darstellte.

Mit der Gründung der "Gesellschaft Deutscher Nervenärzte" trennte sich die Neurologie 1906 erstmals offiziell als Spezialgebiet von der inneren Medizin. Hintergrund war die Überzeugung der Gründungsmitglieder, zu denen u.a. der Berliner Hermann Oppenheim (1858-1919) und Erb aus Heidelberg gehörten, dass die Internisten aufgrund der Vielfalt ihrer Aufgaben nicht mehr in der Lage seien die Nerven­krankheiten weiterhin mit abzudecken. Erb wurde zum ersten Vorsitzenden (bis 1911) der Gesellschaft gewählt, in den Jahren 1918 bis 1924 leitete der Hamburger Max Nonne (1861-1959), ein Schüler Erbs, die Gesell­schaft. 1933 übernahm der Münchner Oswald Bumke den Vorsitz.

Schließlich verfügte aber die national­sozialistische Regierung 1935 die Auflösung der Gesellschaft und ihre Vereinigung mit der Psychiatrie zu einer "Gesellschaft Deutscher Neurologen und Psychiater". Im Rückblick ist es wahrscheinlich, dass diese zunächst unverständliche Regierungsanordnung auf nationalsozialistischem Bestreben beruhte, das schließlich zum so genannten Euthanasie-Programm führte.

Nach dem Krieg leitete Heinrich Pette die neurologische Sektion der Gesellschaft Deutscher Neurologen und Psychiater bis zu deren Auflösung im Jahre 1955 weiter. 1950 gelang es Pette in Bonn die alte Gesellschaft Deutscher Nervenärzte als "Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)" wiederzugründen. Später folgten dann die Berufsverbände Deutscher Nervenärzte (BVDN) und Deutscher Neurologen (BDN).

Fachliche Unterstützung: Dr. med. Uwe Meier (BDN), Grevenbroich