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29.12.2016

Ständiges Gefühl von Besorgtheit und Anspannung kann auf Angststörung hinweisen

Menschen mit einer generalisierten Angststörung sorgen sich übermäßig, auch wenn eigentlich keine besondere Gefahr besteht. Dabei drehen sich die Sorgen um Inhalte, die auch gesunden Menschen Sorgen bereiten, wie etwa die eigene Gesundheit oder die der Angehörigen. Der Unterschied zu einer krankhaften Störung ist dabei, dass Sorgen deutlich stärker ausgeprägt sind und auch mit intensiven Ängsten einhergehen

Fast jeder Mensch kennt den Prozess des sich Sorgens als ein Phänomen im Alltag. Sorgen können bis zu einem gewissen Grad als normal betrachtet werden, weil sie dazu beitragen, sich wachsam, vernünftig und vorausschauend zu verhalten. Bei manchen Menschen können Sorgen jedoch einen sehr großen Raum einnehmen, deutlich häufiger auftreten und als schwerer kontrollierbar erscheinen sowie von Ängsten begleitet werden. In diesem Fall ist es ratsam, sich an einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie zu wenden, damit abgeklärt werden kann, ob sich möglicherweise eine Angststörung dahinter verbirgt. „Menschen mit einer generalisierten Angststörung sorgen sich übermäßig, auch wenn eigentlich keine besondere Gefahr besteht. Dabei drehen sich die Sorgen um Inhalte, die auch gesunden Menschen Sorgen bereiten, wie etwa die eigene Gesundheit oder die der Angehörigen. Der Unterschied zu einer krankhaften Störung ist dabei, dass Sorgen deutlich stärker ausgeprägt sind und auch mit intensiven Ängsten einhergehen“, erklärt Prof. Dr. med. Arno Deister von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) mit Sitz in Berlin. „Auch katastrophisieren Menschen mit einer Angststörung stärker als Gesunde und erleben das Gefühl, die Bewältigung der Probleme nicht kontrollieren zu können und auf keine eigenen Ressourcen zurückgreifen zu können.“ Bei Menschen mit einer generalisierten Angststörung nehmen Sorgen und damit einhergehende Ängste einen derart großen Bereich ein, dass der Alltag dadurch stark beeinträchtigt ist.

Körperliche Symptome begleiten das Angsterleben

Eine generalisierte Angststörung kennzeichnet sich durch ein starkes anhaltendes Erleben von Angst und Sorgen, die nicht an bestimmte Situationen, Objekte oder Tiere gebunden sind. Vielmehr wird die Umwelt als bedrohlich und voller Risiken erlebt, wobei der Fokus auf einzelne Aspekte - wie Unglücksfälle, Krankheiten oder Schicksalsschläge - ständig wechseln kann. Das Angsterleben tritt nicht als attackenartiger Anfall auf, sondern ist vielmehr im Hintergrund meist dauerhaft vorhanden. Im Zusammenhang mit der Ängstigung stellen sich verschiedene Symptome ein, die sich auch organisch äußern können. „Charakteristische körperliche Beschwerden, die mit Ängsten einhergehen sind Herzklopfen, Schweißausbrüche, Beklemmung, Muskelverspannungen sowie auch Hitze- oder Kälteschauer. Auch ein Angstschwindel kann auftreten, der das Angsterleben erheblich potenzieren kann und oft vermeintlich als Ursache der Angst fehlinterpretiert wird“, ergänzt Prof. Deister. In einer sorgfältigen körperlichen Untersuchung sollte man dann abklären lassen, ob die Symptome bzw. Körperbeschwerden körperliche Ursachen haben. Ist dies nicht der Fall und es treten Anspannung und Besorgnis sowie organische Symptome über einen Zeitraum von sechs Monaten auf, weist dies auf die Diagnose einer generalisierten Angststörung hin. Weitere Beschwerden, die im Rahmen der Erkrankung auftreten können, sind auch Einschlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten sowie eine erhöhte Reizbarkeit. 

Eine Angststörung verschwindet selten von allein wieder – Therapie hilfreich

Bei der Therapie generalisierter Ängste können psychotherapeutische Maßnahmen und/oder Medikamente eingesetzt werden. Ziel beider Maßnahmen ist es, die Angst auf ein erträgliches Maß zu reduzieren und einen besseren Umgang mit den Sorgen zu erlernen. "Mit Hilfe einer Psychotherapie können betroffene Menschen lernen, Ängste besser kontrollieren zu können und sie als weniger überwältigend zu erleben. Entspannungstechniken können begleitende körperliche Beschwerden reduzieren und Anspannungszustände abbauen", erklärt der Experte. Bei der medikamentösen Behandlung kommen Antidepressiva infrage, die eine angstlösende Wirkung entfalten können. Beruhigungsmittel werden nur in absoluten Ausnahmefällen verordnet, da sie ein Abhängigkeitspotential haben. Für Angehörige ist es hilfreich, sich mit dem Erkrankungsbild auseinanderzusetzen und sich ebenfalls Hilfe bei Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen oder auch Ärzten für Psychiatrie und Psychotherapie und psychologischen Psychotherapeuten zu holen.

Ungefähr 5 von 100 Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer generalisierten Angststörung. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Generalisierte Angststörungen treten oft zwischen dem 35. und dem 45. Lebensjahr erstmalig auf.

Das Phänomen ausgeprägter Sorgen kann auch mit anderen psychischen Störungsbildern einhergehen. Sie können auch im Rahmen von Zwangsgedanken auftreten oder auch bei einer Depression.

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