Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

10.11.2015

Schlafstörungen können Ursache und Symptom psychischer Erkrankungen sein

Störungen des Schlafs können im Rahmen von psychischen Störungen und Erkrankungen auftreten, wie beispielsweise bei Depressionen, Angsterkrankungen, Psychosen oder Persönlichkeitsstörungen. Schlafstörungen können aber auch psychische Störungen verstärken oder gar deren Ursache sein und sie auslösen.

Störungen des Schlafs können im Rahmen von psychischen Störungen und Erkrankungen auftreten, wie beispielsweise bei Depressionen, Angsterkrankungen, Psychosen oder Persönlichkeitsstörungen. Schlafstörungen können aber auch psychische Störungen verstärken oder gar deren Ursache sein und sie auslösen. Begleiterscheinungen und Beschwerden verschiedener körperlicher Erkrankungen können in Ruhephasen, beim Zu-Bett-gehen oder während der Nacht auftreten und einen erholsamen Schlaf erschweren. Typische organische Erkrankungen, die in der Regel nur beim Einschlafen oder im Schlaf auftreten, sind beispielsweise das Restless-Legs-Syndrom und das Syndrom der periodischen Beinbewegungen. Beide Erkrankungen können auch gemeinsam vorkommen und führen oft zu Müdigkeit und Schläfrigkeit am Tag. Auch Unausgeglichenheit, Konzentrationsprobleme und Leistungseinbußen können infolge des gestörten Schlafes auftreten. „Eine Erkrankung, die häufig lange nicht erkannt wird und erheblichen Einfluss auf die psychische Gesundheit haben kann, ist das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom. Dabei kommt es zu Atemstillständen während des Schlafes. Die Folge ist eine zu geringe Sauerstoffversorgung während der Nacht und gleichzeitig wiederholte, kurzen Weckreaktionen, die die Betroffenen oft nicht wahrnehmen“, berichtet Prof Thomas Pollmächer von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin. „Als Beschwerden des Schlafapnoe-Syndroms treten Müdigkeit auf, aber auch Veränderungen der Stimmung, des Antriebs und der Konzentration, die im Ausmaß einer Depression entsprechen können. Es ist daher grundsätzlich sehr wichtig, bei der Diagnose und der Therapie einer psychischen Erkrankung auch die Möglichkeit einer Schlafstörung in Betracht zu ziehen.“

Auch Medikamente und Genussmittel können Schlafstörungen verursachen

Ein gesunder, erholsamer Schlaf ist nicht nur von der Schlafmenge abhängig, sondern insbesondere auch von der Schlafqualität. Sie sinkt mit der Anzahl der Aufwachreaktionen im Schlaf, wodurch die jeweiligen Schlafphasen unterbrochen werden. „Eine Verschlechterung des Schlafes kann auch durch die Einnahme oder beim Absetzen einer Vielzahl von Medikamenten die Folge sein, wie beispielsweise bei Betablockern, die zur Behandlung von Bluthochdruck oder Herzerkrankungen eingesetzt werden“, meint Prof. Pollmächer. „Nicht selten sind auch Alkoholkonsum oder Alkoholmissbrauch für Störungen des Schlafes verantwortlich. Bereits ein mäßiger Konsum von Alkohol vor dem Einschlafen kann dazu führen, dass sich die Schlafzeit verkürzt und sich die Qualität des Schlafes verschlechtert.“ Weitere Störfaktoren, die das Schlafen beeinträchtigen können, sind ein zu voller oder zu leerer Magen, Koffein- oder Nikotin-Genuss, sowie körperlich anregende Tätigkeiten vor dem Zubettgehen. Günstig auf das Einschlafen wirken sich hingegen Entspannungsverfahren aus, sowie ausreichende körperliche Aktivität am Tag. Auch eine gute Schlafhygiene ist wichtig, um im Bett zu Wohlbefinden und Ruhe zu finden. Im Schlafzimmer sollte frische und kühle Luft vorherrschen, es empfiehlt sich eine Raumtemperatur von 14° bis 18°C.

Anhaltende Schlafstörungen abklären lassen

Störungen des Schlafs insbesondere mit Beeinträchtigung der Tagesbefindlichkeit sollten medizinisch abgeklärt werden. Denn dauerhafter Mangel an gesundem Schlaf kann schwerwiegende Konsequenzen für die Gesundheit haben. Schlafstörungen, die länger als 3 bis 4 Wochen andauern, erfordern eine ausführliche Klärung der Ursachen, die sowohl im Bereich der seelischen als auch im Bereich der körperlichen Gesundheit liegen können“, ergänzt Prof Thomas Pollmächer. Erster Ansprechpartner sollte zunächst der Hausarzt sein. Er kann körperliche Erkrankungen wie beispielsweise Schilddrüsenstörungen ausschließen oder aber Hinweise auf organisch bedingte Schlafstörungen finden. Weil sich psychische Probleme und Schlafstörungen wechselseitig bedingen, ist es für die Behandlung von großer Wichtigkeit, den Auslöser der Kausalkette zu finden und zu behandeln.

Quelle:
Schlafmedizinische Differentialdiagnostik in Psychiatrie und Psychotherapie, T. Pollmächer, Nervenarzt 2014; 85:57-66; Springer-Verlag Berlin Heidelberg; DOI 10.1007/s00115-013-3895-4

Mehr Informationen zu Schlafstörungen und psychischen Erkrankungen unter www.psychiater-im-netz.org