Neurologen und Psychiater im Netz

Das Informationsportal zur psychischen Gesundheit und Nervenerkrankungen

Herausgegeben von Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz.

08.06.2017

Männerdepression: Aggressionen und Impulsivität sind Symptome

Männer haben nur ein halb so großes Risiko an Depression zu erkranken wie Frauen. Als bedeutsamste Risikofaktoren für Männer gelten frühere depressive Episoden sowie finanzielle, arbeitsbezogene und juristische akute Stressbelastungen.

Männer, die eine Depressionen entwickelt haben, zeigen neben den typischen Symptomen dieser Erkrankung, wie Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit oder Antriebsmangel, auch bestimmte geschlechtsspezifische Ausprägungen der Erkrankung. Dabei können Reizbarkeit und Aggressionen sowie mitunter auch antisoziale Züge im Vordergrund stehen. „Depressive Männer kompensieren ihre Erkrankung oft unbewusst eine Zeit lang. Das ist mit großer Anstrengung verbunden, die dann schnell in Gereiztheit, leichte Irritierbarkeit und impulsives Verhalten umschlagen kann“, meint Dr. Christa Roth-Sackenheim vom Berufsverband Deutscher Psychiater (BVDP) in Krefeld. „Erkrankungsbedingt haben sie eine niedrige Stress-Toleranz und neigen dann manchmal zu übersteigerten emotionalen Reaktionen sowie auch Wut und Zorn.“ Im Nachhinein empfinden Betroffene ihr Verhalten zumeist selbst als unpassend oder übertrieben. Sie bereuen ihren Wutausbruch und bedauern ihr Verhalten. Allgemeine Unzufriedenheit mit sich selbst und dem eigenen Verhalten sind wiederum typische Symptome bei einer Depression.

Magen-Darm-Beschwerden und Erschöpfung sind körperliche Symptome

Bevor eine Depression bei Menschen ausbricht, zeigt sich oft Überforderung meist über Wochen oder Monate vorher. Sie macht sich durch Energiemangel, Lust- und Appetitlosigkeit, ständige Müdigkeit sowie sexuelle Unlust und Schlafprobleme bemerkbar. „Manche Männer nehmen eine depressive Symptomatik stärker körperlich wahr - wenngleich die psychischen Symptome im Hintergrund vorhanden sind. Die Erkrankung tritt dann beispielsweise durch Magen-Darm-Probleme, Schmerzen und Erschöpfungszustände in Erscheinung“, ergänzt Dr. Roth-Sackenheim. Die klassischen Depressions-Symptome, wie Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit sind aber vorhanden und werden meist zu einem späteren Zeitpunkt der Erkrankung deutlich.

Frühzeitige und gezielte Behandlung wichtig

Beim ersten Auftreten von depressiven Symptomen, die länger als zwei Wochen anhalten, ist es immer ratsam, mit dem Hausarzt die Beschwerden, Gedanken und depressiv veränderten Gefühle und Verhaltensänderungen zu besprechen. Er kann gegebenenfalls an einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie überweisen. Grundsätzlich kann man sich auch direkt an den Facharzt wenden. „Allgemein sind Depressionen heute sehr gut behandelbar und es stehen je nach Ausprägung unterschiedliche therapeutische Möglichkeiten zu Verfügung“, betont Dr. Roth-Sackenheim. „Neben psychotherapeutischen Verfahren können auch Antidepressiva eingesetzt werden oder eine Kombination von beidem. Wesentliche Wirksamkeitsunterschiede von Antidepressiva zwischen Frauen und Männern gibt es nicht.“ Depressive Episoden lassen sich mit modernen Behandlungsmethoden oft rasch heilen oder lindern und die Lebensqualität der Betroffenen damit entscheidend verbessern.

In Deutschland leiden schätzungsweise 5 Prozent der Bevölkerung, d.h. etwa 4 Millionen Menschen, aktuell an einer Depression. Depressive Episoden kommen in jedem Lebensalter vor, der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. Männer haben nur ein halb so großes Risiko an Depression zu erkranken wie Frauen. Als bedeutsamste Risikofaktoren für Männer gelten frühere depressive Episoden sowie finanzielle, arbeitsbezogene und juristische akute Stressbelastungen. Männer versterben mehr als doppelt so oft durch Suizid als Frauen. 45,5 Prozent der durch Suizid verstorbenen Männer sind zwischen 40 und 65 Jahre alt.

(äin-red) Der Abdruck dieser Pressemeldung oder von Teilen des Artikels ist unter folgender Quellenangabe möglich: www.psychiater-im-netz.org. Bei Veröffentlichung in Online-Medien muss die Quellenangabe auf diese Startseite oder auf eine Unterseite des Patientenportals verlinken. Fotos und Abbildungen dürfen grundsätzlich nicht übernommen werden.