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17.11.2010

Johanniskraut nur informiert einnehmen

Gegen depressive Verstimmungen können Arzneimittel mit Johanniskraut-Extrakten helfen. Allerdings sollte bei anhaltenden oder sich verstärkenden Beschwerden unbedingt ein Facharzt konsultiert werden, damit er über eine angemessene Behandlung entscheiden kann.

In der dunklen Jahreszeit ist die Stimmung vieler Menschen gedrückt und sie durchleben ein Stimmungstief. Gegen depressive Verstimmungen können Arzneimittel mit Johanniskraut-Extrakten helfen. Für die Selbstmedikation sind rezeptfreie Arzneimittel in der Apotheke oder auch Drogerien erhältlich. Allerdings sollte bei anhaltenden oder sich verstärkenden Beschwerden unbedingt ein Facharzt konsultiert werden, damit er über eine angemessene Behandlung entscheiden kann. Eine Depression ist keine vorübergehende schlechte Laune und kein seelischer „Durchhänger“, sie ist eine stark beeinträchtigende Krankheit, die in sämtliche Bereiche des alltäglichen Lebens vordringt und ohne professionelle Hilfe kaum überwindbar ist. Menschen, die länger als zwei Wochen depressive Symptome an sich bemerken, sollten einen Psychiater oder Psychotherapeuten aufsuchen oder sich diesbezüglich mit dem Hausarzt besprechen.

Mindestens 600 bis 900 Milligramm des Pflanzenextraktes sind täglich erforderlichOb ein Johanniskraut-Präparat rezeptfrei oder -pflichtig ist, hängt vom Anwendungsgebiet ab, nicht von der Einzeldosis oder der Packungsgröße. Arzneimittel gegen leichte Depressionen sind rezeptfrei und in der Selbstmedikation verfügbar. Präparate gegen mittelschwere Depressionen sind hingegen rezeptpflichtig, weil bei dieser Erkrankung eine ärztliche Diagnose unentbehrlich ist. Die Wirkung des Pflanzenextraktes setzt bei regelmäßiger Einnahme allerdings erst nach etwa ein bis zwei Wochen ein. Die Extrakte können nur richtig wirken, wenn sie hoch genug dosiert sind. Darauf macht die Bundesapothekerkammer in Berlin aufmerksam. Mindestens 600 bis 900 Milligramm sollten pro Tag eingenommen werden. Viele frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel mit Johanniskraut seien nach Angabe der Kammer unterdosiert. Darüber hinaus müssen Nebenwirkungen, wie beispielsweise eine höhere Lichtempfindlichkeit, beachtet werden, die bei Solariumsbesuchen oder winterlicher Höhensonne problematisch werden kann.

Wer Johanniskraut einnimmt und darüber hinaus weitere Medikamente, sollte mit dem Arzt oder Apotheker über Wechselwirkungen sprechen. Johanniskraut-Extrakte können die Wirkung anderer Medikamente verändern, zum Beispiel bei Gerinnungshemmern oder HIV-Medikamenten. Wenn gewünscht, bietet jede Apotheke ihren Patienten ein diskretes Beratungsgespräch an.